Chorkonzert

Anspruchsvoll und unbekannt

Foto: Rita Petri, Siegen

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Siegen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage gastierte in Siegen ein ambitionierter Chor: der Kammerchor „Constant“ aus Köln mit seinem Dirigenten Harald Jers.

Er ist bei uns noch wenig bekannt; niemand wusste was er singen würde. Der Apollo-Saal war nur zur Hälfte gefüllt. Wer nicht da war, hat etwas verpasst.

In mancher Hinsicht kann man den Chor „Constant“ mit den ARTON-Sängern vergleichen, die in der Nikolaikirche auftraten. Es sind junge Ensembles; „Constant“ im Schnitt wohl etwas jünger. Beide sind zu hochartifiziellen Leistungen im Stande und sind bis in die kleinsten Details absolut diszipliniert. Beide haben ein Repertoire, das über Jahrhunderte reicht und keine Epoche ausschließt. Und beiden – das ist entscheidend – hört man gern lange zu.

Aber dann beginnen die Unterschiede. Zum Auftritt der Constant-Sänger gehören Bewegung und Emphase. Dazu gehören außergewöhnliche Arrangements: Aufstellungen – weit auseinander gezogen – im Saal; Singen im Dunklen, wo man weder Noten noch einen Dirigenten sieht. Singen auch schon beim Auftritt oder beim Stellungswechsel. Das gelingt alles erstaunlich gut – aber nicht so gut, wie es bei konzentriertem Innehalten gelingen könnte.

Das Ungewöhnliche gehört zum Selbstbild

Das Ungewöhnliche gehört offensichtlich zum Selbstbild dieses Chores. Auch in der Programmgestaltung. Vielleicht kannten einige wenige Zuhörer einige wenige Komponisten, mit deren Werken der Chor sein Profil absteckt. Von Gerald Finzi stammten das Auftrittslied „My spirit“ sowie zwei weitere Titel: „I praise“ und „Clear and gentle“.

Dann kam etwas ganz Apartes: Chorwerke von Robert Fuchs. Der hat bei Bruckner studiert und war später Konservatoriumslehrer für Mahler, Korngold, Strauss, Wolf, Zemlinsky und weitere unvergessene Größen. Nur er selbst wurde fast vergessen. Kürzlich fand man in einer Truhe Chornoten von seiner Hand. Und man bat den Kammerchor „Constant“, die Werke bekannt zu machen – Romantik à la Brahms (nur vielleicht nicht ganz so gut). Bei John Hoybyes „Slow Spring“ unter Rückgriff auf Morleys „Now is the month of Maying“ kam ein Soloquartett zum Einsatz; bei „The Runner“ von Bob Chilcott gab es ein kleines Begleittheater. Und natürlich – das gehört zum interaktiven Stil eines solchen Ensembles – wurde auch das Publikum mit einbezogen. Beim indianischen Wasserlied „Miniwanka“ von Murray Schafer durften die Zuhörer Geräusche machen (so laut sie konnten); aber irgendwie kamen sie sich dabei wohl verloren vor.

Gospelstimmung
mit Hogan

Mit Hogans „My Souls been anchored in the Lord“ kam auch Gospelstimmung auf. Nur so ist es beinahe zu erklären, dass der umsichtige und souveräne Dirigent sich beim Publikum wegen der ersten Zugabe fast entschuldigte: „Es ist wieder etwas Langsames. Aber wir sind ein Ensemble des Klanges. Der entfaltet sich besser, wenn es ruhig zugeht.“

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