Betrugsmaschen

Abzocke: Vor diesen Tricks warnt die Verbraucherzentrale

Böse Überraschung: Die Verbraucherzentrale warnt vor Post von vermeintlichen Inkasso-Unternehmen.

Böse Überraschung: Die Verbraucherzentrale warnt vor Post von vermeintlichen Inkasso-Unternehmen.

Foto: Christin Klose / dpa Themendie

Siegen.  Die Siegener Verbraucherzentrale klärt auf über dubiose Schlüsseldienste, betrügerische Telefonhalunken und dreiste Forderungen von Inkassobüros.

„Das ist reine Abzocke!“, sagt Julian Sturm, Leiter der Verbraucherzentrale Siegen. Er hält einen Brief eines vermeintlich tschechischen Inkassounternehmens in der Hand. Ein Verbraucher hatte es wenige Tage zuvor in der Post und hat um Hilfe gebeten.

Einen „Service für besondere sexuelle Ansprüche“ soll der Betroffene in Anspruch genommen haben – hat er aber nicht. Erst war es eine Rechnung über 90 Euro. Dann folgte die erste Mahnung: 140 Euro. Und jetzt Mahnung zwei: Bereits 280 Euro stehen dort unterm Strich für eine Dienstleistung, die nie erbracht wurde. „Im Schnitt bekommen die Menschen sechs Schreiben, die im Ton immer schärfer werden“, erklärt Julian Sturm die Masche, mit der er und seine Kolleginnen es in den vergangenen Monaten vermehrt zu tun bekommen. „Ich hatte Leute hier, die geweint haben… auch wenn sie wissen, dass sie nichts gemacht haben“, sagt Julian Sturm. Es handelt sich um Betrüger, die Druck ausüben sowie Ängste und Scham der Siegerländer auf miese Weise ausnutzen.

Selbsthilfe oft nicht zielführend

Das ist nur ein Beispiel für fiese Betrugsmaschen und Verbraucherfallen. Untergeschobene Lieferverträge für Strom und Gas, Abzocke auf Online-Marktplätzen und Telefonbetrüger gehören genauso zum Themenfeld der Verbraucherzentrale wie die Beratung rund ums Thema Dieselskandal und Hilfe bei verbrecherischen Schlüsseldiensten und unseriösen Kreditvermittlern. „Die Fälle werden komplexer und die Menschen kommen teilweise mit unvollständigen Unterlagen“, erklärt Julian Sturm. Das mache den Job immer anspruchsvoller. In einigen Branchen gelinge es den Betroffenen immer seltener, ihr Anliegen selbst beim Anbieter vorzubringen. „Viele Menschen versuchen sich erst selbst zu helfen und suchen auf Google nach Lösungen. Das macht es oft noch schlimmer“, weiß Julian Sturm. Professionelle Hilfe sei definitiv sinnvoller.

6655 Anfragen an Siegener Büro

6655 Anfragen hatte die Verbraucherzentrale im vergangenen Jahr, sagt Julian Sturm mit Blick auf die jetzt veröffentlichte Bilanz. 1321 Beratungen hat das Team, das aus zwei Teilzeit- , einer Vollzeit- und einer Bürokraft besteht, durchgeführt. Damit konnten die Siegener ihr Ergebnis aus 2017 toppen. „Das ist sehr erfreulich.“

Schwerpunkt in der Beratung seien Dienstleitungen (26 Prozent) und Probleme mit Telefon und Internet gewesen. Dazu zählen beispielsweise betrügerische Inkassounternehmen, aber auch ungewollte Wechsel des Energieversorgers. Das erfolge oft übers Telefon.

Dubiose Energieberater

Die Betrüger würden vorgeben, eine unabhängige Energieberatung anzubieten, um an die Daten der Opfer zu gelangen. Die würden im Zweifel erst von dem Betrug erfahren, wenn Wochen später überraschend der Vertrag beim bisherigen Anbieter gekündigt sei. Es sei nicht selten, dass die Opfer mehrere Anschlussverträge aufgedrückt bekommen. „Es gibt Menschen, die nicht in der Lage sind, ein Gespräch am Telefon zu beenden“, so Sturm. Das komme den Betrügern zugute. Er und sein Team kontaktieren dann die Unternehmen und fordern einen Nachweis über den geschlossenen Vertrag ein. „Es gibt gute Erfolgschancen, aus dem Vertrag herauszukommen.“

Verträge bis 2023 verlängert

Besonders freut sich Julian Sturm darüber, dass der Finanzierungsvertrag der Beratungsstelle verlängert wurde. Bis Ende 2023 ist die Arbeit damit am Standort Siegen gesichert. Aufgeteilt werden die Kosten zwischen dem Land NRW (50 Prozent), dem Kreis Siegen-Wittgenstein und der Stadt Siegen. Bereits seit 1976 gibt es die Beratungsstelle in Siegen.

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