Katholische Jugend

72-Stunden-Aktion im Siegerland: Viele Hände für gute Sache

Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion bauen die Pfadfinder Netphen eine Leseecke im Pfarrgarten: Die Kinder und Jugendlichen helfen beim Ausschachten, Holz hacken, Pflastern und Streichen.

Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion bauen die Pfadfinder Netphen eine Leseecke im Pfarrgarten: Die Kinder und Jugendlichen helfen beim Ausschachten, Holz hacken, Pflastern und Streichen.

Foto: Hendrik Schulz

Siegerland.   Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene beteiligen sich mit Feuereifer ein Wochenende lang an Aktion des BDKJ-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein.

Unermüdlich schleppt Jule Holzstücke, die fast so schwer sind wie sie. Am Vorabend wurden im Pfarrgarten neben der kath. Bücherei zwei Fichten gefällt, das Holz muss weg. Vier Jungs hacken dicke Stämme mit Äxten und Spalthämmern klein, die anderen bilden eine Kette zum Holzstapel. Der Bagger schaufelt Schotter, die Rüttelplatte stampft fest, die Kinder schleppen Holz; es brummt wie im Bienenstock auf dem Gelände, das vor wenigen Stunden noch eine Wiese war.

Jetzt ist die Pfarrwiese für 72 Stunden eine Großbaustelle. Der Pfadfinderstamm DPSG St. Martini Netphen baut hier, neben der kath. öffentlichen Bücherei, eine Leseecke, mit massiven Eichenbänken, schattigen Platanen und hellem Pflaster. 50 Helfer, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, machen in Netphen bei der 72-Stunden-Aktion des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) mit. Freitag haben die Kinder schulfrei und die Helfer Urlaub, alle schlafen vor Ort in Zelten. Sie arbeiten, singen, spielen und am Abend gibt es eine Wasserschlacht.

Lagerfeuer zur Belohnung

Die Abkühlung haben sich Bastian und Luca verdient. Die beiden dreschen mit schwerem Werkzeug auf die knüppelharten Fichtenscheiben ein. Das ist so schwer wie es aussieht, aber sie sind so hart wie Fichten. Bastian ist schon um 4 Uhr aufgestanden, hat später alle geweckt, seit 9 Uhr wird malocht. „Wir können uns überall ausprobieren“, sagt Bastian zwischen zwei Axthieben. Jule, zierlich und fest entschlossen, transportiert das Holz ab. In der Helferkette bildet sich genau bei ihr immer wieder eine Lücke – wenn der Nachschub ausbleibt, stellen sich die anderen zum Quatschen näher zusammen. Wenn dann neues Holz kommt, trabt die Achtjährige klaglos hin und her. „Ich kann noch“, sagt sie eifrig und ruft den anderen zu, dass sie mal ein bisschen aufrücken sollen. Machen die natürlich. Pfadfinder helfen einander.

Den Plan, das Projekt für Kindergarten und Bücherei umzusetzen, gibt es schon länger, sagt Kevin Hatzig, Vorsitzender des Pfadfinderstamms: Es fehlte ein Ort, an dem Senioren den Kindern in Ruhe vorlesen können. 72 Stunden, viele große und kleine Hände, Männer mit Erfahrung auf dem Bau und Firmen wie Berge-Bau, die Geräte und tonnenweise Material zur Verfügung stellen, braucht es für die Umsetzung. Die Gruppenleiter der Pfadfinder entwarfen die Sitzecke und einen Zeitplan und am Ende ist für ein langes Wochenende ein Abenteuerspielplatz daraus geworden. „Die größte Belohnung ist abends das Lagerfeuer“, sagt Hatzig.

Überall im Siegerland wird gewerkelt

„Die Kinder wollen sich einbringen“, sagt er. Es wird auch mal gechillt, klar, aber wo immer es etwas zu tun gibt, packen sie mit an. Jetzt, wo alle Holzscheite aufgestapelt sind, hat sich Jule einen Besen geschnappt und fegt den Schotter vom Gehweg, der aus der Baggerschaufel gefallen ist. Auf der Wiese vor der Bücherei streichen zwei Mädels die Balken, aus denen später die Leseecke konstruiert wird. Und der kleine Simon wartet darauf, dass er endlich die Rüttelplatte bedienen darf. Die Pfadfinder haben ein Verköstigungsteam organisiert, die Eltern freuen sich, dass sie das Wochenende frei haben und Sonntag bewundern dürfen, was ihre Kinder auf der Pfarrwiese geschafft haben.

Überall im Siegerland wird an diesem Wochenende gewerkelt, gebaut, Gutes getan (siehe Infobox). In Kreuztal macht die Kolpingjugend den Hof der St. Martin-Grundschule frisch. Wenn die Schüler Montag kommen, ist alles neu: Die alten Bänke neu gestrichen und mit neuen Sitzflächen, der Gebäudesockel verputzt, 14 Tonnen Kalksandsteingemisch rund ums Gebäude verteilt und festgestampft, ein Bolzplatz gebaut. Mit schweren Toren, bombenfest in den Boden einbetoniert. Es gibt einen Fahrrad-Parcours, damit die Schüler üben können, bevor sie auf der Straße fahren, der Sandkasten wird endlich fertiggestellt und auch gleich erweitert – die Arbeitskräfte sind ja da.

Noch mehr Helfer am Wochenende

„Für viele von uns ein Heimspiel“, sagt Nicolas Stöcker – viele Mitglieder der Kolpingjugend sind hier zur Schule gegangen, die Kirche ist gleich nebenan. Am Wochenende kommen noch mehr Helfer; die, die nicht frei bekommen haben oder zum Studieren weggezogen sind. „Mit einer schlagkräftigen Truppe kann man schon was auf die Beine stellen“, findet Stöcker. Eingestielt hat die Aktion Rats- und Kolpingmitglied Philipp Krause. Die Stadt beschaffte Baumaterial, Malermeister Berg spendierte eimerweise Farbe, KAF Falkenhahn einen Container nagelneues Werkzeug.

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