Holzkraftwerk

Solvay-Holzkraftwerk: Alles eine Frage der Grenzwerte

 Gegenüber des bestehenden Solvay-Werkes soll das Holzkraftwerk (blau gekennzeichnet) entstehen.

 Gegenüber des bestehenden Solvay-Werkes soll das Holzkraftwerk (blau gekennzeichnet) entstehen.

Foto: Solvay

Rheinberg.  Die auf zwei Tage angesetzte Erörterung mit 27 Einwendungen zum geplanten Kkraftwerk „Woodpower“ in Rheinberg wurde schon nach einem Tag beendet.

Brandschutz, Anlagentechnik, Verkehr: 27 Einwendungen legten Vertreter der Politik, des BUND und nicht zuletzt die Rheinberger Bürger selbst gegen das geplante Holzkraftwerk „Woodpower“ der Solvay ein. Gestern stellte sich der Chemiekonzern den Vorwürfen in einer ganztägigen Erörterung mit der Bezirksregierung Düsseldorf im Kamper Hof. Das Genehmigungsverfahren leitete Sabine Thaler, die auch die Erörterung moderierte. Anders als erwartet war kein zweiter Erörterungstag nötig.

Ein Ziel des Woodpower-Projektes soll es sein, mit dem Holzkraftwerk den Verbrauch fossiler Brennstoffe, wie Kohle oder Erdgas, langfristig zu verringern. „Wir möchten 25 Prozent CO2 einsparen. Das Projekt ‘Woodpower’ trägt dazu schon 19 Prozent bei“, erklärte Werkleiter Norbert Mülders. Verbrannt werden soll dann nämlich Altholz.

Kritik hagelte es bereits für die Informationspolitik im Vorfeld. Die Offenlage im Internet über das Vorhaben sei so dargestellt, dass es für einen Laien schwierig sei, sich einen richtigen Überblick zu verschaffen. 170 Dateien müssten separat heruntergeladen werden.

„Prävention ist der beste Schutz“

Dann ging es inhaltlich zur Sache: Einen Einwand gab es in puncto Brandschutz. Es werde angezweifelt, dass eine Sprühwasserlöschanlage, wie sie für die Brennstoffsilos vorgesehen ist, für eine Brandbekämpfung in einem Holzschnitzlager geeignet sei. Als bessere Lösungstechnik wurde eine Stickstoffinertisierung, also eine dauerhafte Herabsetzung des Luftsauerstoffs, vorgeschlagen. „Mit diesem Thema haben wir uns ausführlich befasst“, so Mülders. „Für uns ist Prävention der beste Schutz. Die Silos sollen mit einer Brandfrüherkennung ausgestattet werden. Im Brandfall ist auch die eigene Werkfeuerwehr schnell vor Ort.“ Über die genauen Stoffe, die in der Anlage verbrannt werden sollen, wurde natürlich ebenfalls diskutiert. Holz ist nicht gleich Holz. Verbrannt werden sollen Hölzer der Kategorien 1 bis 4. „Nennen Sie doch das Kind beim Namen“, kritisierte Peter Gebhardt, Technischer Sachverständiger beim BUND NRW. „Sie verbrennen Sondermüll, dazu gehört auch die Teerölbelastung des Altholzes. Sie sagen die Menge ist verschwindend gering.“

Das Kind nenne man doch beim Namen, widersprach Mülders. Deshalb laufe das Kraftwerk unter der 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, das die Verbrennung von Abfällen konkretisiert. Ein Thema, das sicherlich viele Rheinberger beschäftigt, ist die zunehmende Verkehrsbelastung auf der B 57. Ein noch höheres Verkehrsaufkommen birgt vor allem für Radfahrer zusätzliche Gefahren, so ein Einwand. „Da haben wir keine Bedenken, weil die Lkw links auf das Gelände abbiegen. Die meisten Unfälle passieren beim Rechtsabbiegen, wegen des Toten Winkels“, erklärte Rolf Suhre, Gutachter für das Verkehrsaufkommen. Außerdem habe man die Leistungsfähigkeit der Straße ermittelt. Diese sei zwar stark frequentiert, eine zusätzliche Belastung aufgrund des Kraftwerkes – 60 Lkw-Anlieferungen pro Tag sind geplant – beeinflusse den Verkehr aber nicht zusätzlich.

„Misstrauen gegenüber der Industrie“

Spannend wurde es nach der Mittagspause, als das Thema Luftverunreinigungen auf die Tagesordnung kam. Peter Gebhardt kritisierte weiter, dass sich Solvay im Antrag zwar an die vorgeschriebenen Grenzwerte halte, aber diese auch ausschöpfe, statt sie deutlich zu unterschreiten – wie bei der Staubabscheidung, bei den Dioxinen oder Furanen. „Sie könnten die verringern, wenn Sie wollten“, so Gebhardt, „das ist ihre Entscheidung.“

Ihm ginge es um Schwellenwerte, um Grenzwerte. Solvay solle doch im Antrag weitergehen, als das, was vorgeschrieben sei. „Das würde ich mir wünschen.“ Werkleiter Mülders stellte indes klar: „Wir haben die Grenzwerte nach dem Gesetz beantragt und bauen nach dem besten Stand der Technik.“ Man werde die relevanten Werte einhalten, da „sind wir uns der Verantwortung bewusst.“

Auch Gutachter Dr. Jürgen Millat erklärte, dass es zwar richtig sei, dass Solvay auch schadstoffbelastete Holzhackschnitzel verbrennen werde, man sich aber strikt an die Grenzwerte halte: „Eine Gefährdung ist somit ausgeschlossen.“ Man müsse ohnehin die Interessen des BUND auf der einen und Solvay auf der anderen Seite als Wirtschaftsunternehmen trennen.

Gebhardt ging es auch darum, dass die Anlage auch „dauerhaft ein hohes Niveau fahre“. Was Rechtsanwalt Alexander Schink auf den Plan rief: „Ich weiß nicht, woher dieses Misstrauen kommt.“ Wofür BUND-Sprecher Gebhardt eine einfache Antwort hatte: „Ich habe eben ein gesundes Misstrauen gegenüber der Industrie.“ Das wollte Werkleiter Norbert Mülders nicht im Raum stehen lassen. „Sie bringen uns hier in Verruf, das halte ich für unangemessen. Ihre Unterstellungen weise ich ausdrücklich zurück.“ Letztendlich blieben die Positionen klar: Die Naturschützer fordern strenger angesetzte Grenzwerte, die Solvay sieht ihr Vorhaben im Rahmen gesetzlicher Vorschriften.

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