Kommunalpolitik

Lokalpolitik: Jens Lieven will die CDU Xanten einen

Jens Lieven wirbt für sich als Vermittler zwischen den zerstrittenen Lagern in der CDU Xanten.

Jens Lieven wirbt für sich als Vermittler zwischen den zerstrittenen Lagern in der CDU Xanten.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Xanten.  Der Stadtverband gilt als zerstritten, nicht zuletzt durch die Frage der Bürgermeisterkandidatur. Der 47-Jährige bietet sich als Brückenbauer an.

Knapp zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung der CDU Xanten hat Jens Lieven seine Kandidatur für das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden angekündigt. Er wolle der Partei damit ein Angebot machen, sagte der 47-Jährige am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Er gehöre keinem bestimmten Lager an und verstehe sich als Vermittler, der die unterschiedlichen Gruppen im Stadtverband wieder zusammenführen könne. „Ich kann auf beide Seiten zugehen, Gräben einebnen und Brücken bauen“, sagte Lieven. Er wolle sich auch künftig nicht auf eine Seite schlagen. „Ich bin niemand, der sich vereinnahmen lässt.“ Auf der Mitgliederversammlung am 18. Dezember stehen turnusgemäß Vorstandswahlen an.

Der Stadtverband sei in einem desolaten Zustand, sagte Lieven weiter. „Es ist kein Geheimnis, dass die Xantener CDU zerstritten und tief gespalten ist.“ Einen wesentlichen Grund dafür sehe er im „unglücklichen Agieren weiter Teile des jetzigen Vorstands – vor allem im Zusammenhang mit der Findung eines CDU-Bürgermeisterkandidaten“.

Mehr Frauen sollen in den Vorstand

Nur mit einem Vorstand in „veränderter Zusammensetzung“ könne deshalb wieder eine Arbeitsgrundlage geschaffen werden, „die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist“, damit die CDU einen erfolgreichen Wahlkampf 2020 führen könne. Dafür sei eine „frische und unverbrauchte, zugleich aber auch erfahrene Mannschaft“ erforderlich. Auf Nachfrage sagte Lieven, dass im nächsten Vorstand nach Möglichkeit mehr Frauen vertreten sein sollten. Im Moment hat der elfköpfige Vorstand des Stadtverbandes zwei weibliche Mitglieder.

Die Xantener CDU hatte in den vergangenen Monaten über die Frage der Bürgermeisterkandidatur gestritten. Amtsinhaber Thomas Görtz hat in der CDU viele Befürworter, aber auch Kritiker. Auf der Aufstellungsversammlung am vergangenen Mittwoch entschied sich eine Mehrheit von 103 Mitgliedern für ihn. Aber 83 stimmten für den stellvertretenden Stadtverbandsvorsitzenden Daniel Ingendahl und vier für Hans Peter Brammen. Die Kommunalwahl ist am 13. September 2020. Görtz ist seit 2014 Bürgermeister.

Nur wenige Menschen wussten von der Kandidatur

Lievens Kandidatur hat einige Menschen in Xanten überrascht. Im Vorfeld habe er sich mit seinem persönlichen Umfeld beraten, sagte der 47-Jährige. In der Partei habe er zwar immer deutlich gemacht, dass er mehr Verantwortung übernehmen wolle – seit 2018 arbeitet er als kooptiertes Mitglied im Vorstand. Aber dass er um den Vorsitz kandidiert, habe er vorher nur wenigen Menschen gesagt. „Sobald man in die Öffentlichkeit tritt, macht man sich angreifbar.“ Er sehe aber viele im Stadtverband, die ihn unterstützen wollten. „Ich bin nicht so naiv, vorher nicht sondiert zu haben.“

In den nächsten zwei Wochen wolle er mit verschiedenen Menschen in der CDU das Gespräch suchen, kündigte Lieven an. „Ich werde auf Vertreter beider Lager zugehen und um Unterstützung in der Vorstandsarbeit werben.“ Zugleich wolle er auf neutrale Personen setzen, die in der Partei bisher noch kaum in Erscheinung getreten seien, so wie er selbst – Mitglied der CDU ist Lieven erst seit 2017. Das sehe er als Vorteil an: „Ich habe keine Altlasten, die ich mit mir herumschleppe.“

Unklar, ob Scholten wieder antritt

Weitere Kandidaten sind bisher nicht bekannt. Ob der Stadtverbandsvorsitzende Tanko Scholten wieder antritt, ist noch unklar. Diese Entscheidung treffe er nicht allein, sondern zusammen mit anderen Vorstandsmitgliedern, sagte Scholten gestern der Redaktion. Grundsätzlich begrüße er Lievens Kandidatur. Es sei immer gut, wenn es bei einer Wahl mehrere Kandidaten gebe. Er kenne die Motivation des 47-Jährigen noch nicht, könne deshalb nicht mehr dazu sagen. Lieven sei bisher aber nicht als Vertreter eines der beiden Lager aufgetreten. Pankraz Gasseling, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat, beschrieb den 47-Jährigen als ruhig und sachlich. Er traue ihm zu, zwischen den Lagern Brücken zu bauen, „die wir dringend brauchen“.

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