Kunst

Eine ziemlich bunte Nachbarschaft

Klaus Gustav Pistor, Bewohner und Künstler Alex, Hartmut Becks, Rita Meesters, Bewohnerin und Künstlerin Sabine und Katrin Braam.

Klaus Gustav Pistor, Bewohner und Künstler Alex, Hartmut Becks, Rita Meesters, Bewohnerin und Künstlerin Sabine und Katrin Braam.

Foto: WAZ FotoPool

Alpen.   Der Wohnverbund Heilpädagogische Hilfe (HPH) in Alpen stellt die selbstgestalteten Bilder der 22 Bewohner aus, gemalt von Menschen mit schweren Behinderungen. Die Evangelische Kirchengemeinde unterstützt den Plan.

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Grün, blau, rot, gelb und weiß – genauso bunt wie die Nachbarschaft in Alpen, zu der eben auch der Wohnverbund Heilpädagogische Hilfe (HPH) gehört, sind auch die selbstgestalteten Bilder der 22 Bewohner des HPH-Verbunds, hier wohnen Menschen, die geistig und mehrfach behindert sind. Ihre Werke stellen die Bewohner und das Pflegeteam des Landschaftsverbandes Ruhr nun am 23. März im Amaliencafé der Evangelischen Kirchengemeinde aus.

Angst vor „geschlossenem Haus“

Vor acht Jahren zog der Wohnverbund nach Alpen. Damals sei es schwer gewesen, innerhalb der Gemeinde Fuß zu fassen, erinnert sich Sprecherin Rita Meesters. „Für Außenstehende ist es schwer, man malt sich immer neue Fantasien über die Bewohner aus.“ Die Angst vor diesem „geschlossenen Haus“, vor Menschen, die nicht alleine vor die Tür dürfen, sei anfangs groß gewesen. Doch der Wohnverbund steuert dagegen an, Mitarbeiter gehen in die Ortschaft, klären auf und versuchen, vorhandene Ängste abzubauen. „Aber es hat trotzdem ein bis zwei Jahre gedauert“, sagt auch Katrin Braam, stellvertretende Teamleiterin.

Mittlerweile würden die meisten Alpener den Bewohnern jedoch freundlich gegenüberstehen. Verständnis für das Fremdeln hätten die Mitarbeiter schon, sagt Katrin Braam. „80 Prozent der Bewohner können sich verbal nicht äußern, das finden viele befremdlich.“

Das Motto „bunte Nachbarschaft“ bezieht sich vor allem auf das gute Verhältnis zu den Anwohnern der Seniorenresidenz Amalienhof. Zur Eröffnung vor vier Jahren gab es von den Senioren und Pflegern einen bunten Begrüßungsstrauß.

Zum guten Verhältnis trug ebenfalls Klaus Pistor bei. Der Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde geht einmal die Woche mit den Bewohnern spazieren. Der Ehrenamtler war direkt begeistert von der Idee, den Bewohnern den Pinsel in die Hand zu drücken. „Als Arzt hatte ich jahrelang mit Menschen zu tun, die unter verschiedenen Störungen gelitten haben.“ Deshalb weiß der ehemalige Chefarzt einer Kinderklinik „Bilder sind der Spiegel der Seele“.

Neben dem Hintergedanken, das Verhältnis zur Nachbarschaft zu stärken, stecke der Plan, das Selbstwertgefühl der Menschen im Wohnverbund aufzupolieren. „Mit Pinsel, ihren Händen und Farbe können die Bewohner ihre Gefühle besser ausdrücken“, erklärt Rita Meesters. Eine Therapie sei das Malen nur im weitesten Sinne. „Es kann zur Erleichterung und Beruhigung dienen“, erklärt der Arzt. „Es macht den Bewohnern einfach Freude“, ergänzt die Verbund-Sprecherin.

Stolz präsentiert Rita Meesters die bunten Acryl-Bilder. „Sie zeigen, dass unsere Menschen Fähigkeiten haben, trotz Handicap“, und mit Barrieren hätten wir eben alle zu kämpfen.

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