Westwind-Festival

Was ein Theater: Kinder erobern den Ebertplatz in Oberhausen

Kinderschminken einmal anders: Arya (3) nimmt sich das Gesicht von Schauspieler Christian Bayer vor.

Kinderschminken einmal anders: Arya (3) nimmt sich das Gesicht von Schauspieler Christian Bayer vor.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Erwachsenen-Schminken und Mini-Bühne: Beim Familienfest vor dem Theater Oberhausen waren die Kinder ausnahmsweise einmal nicht nur Zuschauer.

Noch die ganze Woche steht das Theater Oberhausen im Zeichen der Westwind-Festivals für Jugendtheater. Sonntagnachmittag waren Kinder auf dem Will-Quadflieg-Platz dazu eingeladen beim zugehörigen Familientheaterfest selbst aktiv zu werden.

Da durfte aus Holz und Pappe eine mannshohe Kugelbahn gebaut oder auf dem Boden auf einer riesigen Plane gemalt werden. Nirgendwo sonst trifft man auf die Möglichkeit, dass Kinder Erwachsene schminken. Immer ist es umgekehrt. Am Sonntag erklärten sich viele Erwachsene bereit, sich von Kindern verschönern zu lassen. Wer dem Kinderschminken entwachsen war, konnte nebenan der amourösen Stadtschreiberin Marie-Luise O’Byrne-Brandl einen Liebesbrief diktieren. Eine Maschine im Theatergebäude hüllte den Platz in die passende Seifenblasen-Kulisse.

„Am Anfang war der Besuch etwas dünn“

Unter dem großen Zeltdach, wo ganz gewöhnlich gemalt oder gebastelt werden konnte, war eher wenig los. Die Veranstalter mussten halt mit jedem Wetter rechnen. Regen blieb aber aus. Ab und zu schien die Sonne. Und das war dann der Moment, in dem bei den erwachsenen Besuchern vor dem Theater auch der künstlich angelegte Strand mit seinen Liegestühlen gefragt war.

Bevor sie sich dort niederließen, mussten sie aber meist am Waffeleisen Schlange stehen. Dessen Spezialität, bunte Waffeln aus einem Teig, der aus Farbtuben aufgetragen wurde, wollte sich niemand entgehen lassen, ebensowenig die rosafarbene Zuckerwatte am Stand nebenan. Leider war der farbige Teig schnell ausverkauft.

„Am Anfang war der Besuch etwas dünn“, bemerkte Sigrid Riemer. Die Geschäftsführerin der Theater­region Metropole Ruhr war als Kräuterhexe verkleidet und machte Werbung für Familien-Abos. Und so freute auch sie sich, dass Kinder auf dem benachbarten Ebertplatz nach Lust und Laune Pedalo treten, Stelzen laufen oder mit Kreide auf dem Boden malen konnten. Dort hantierte auch ein Mann aus dem Westwind-Team mit einem riesigen Plastikwurm, der schließlich wie ein Drachen über dem Ebertplatz stand, ehe er sich in den dortigen Bäumen verfing.

Mini-Bühne und Guckkasten-Theater

Hoch im Kurs stand auch eine kaum zwei mal zwei Meter große Mini-Bühne mit einem samtroten Canapé vor landschaftlich reizvoller Kulisse. Darauf konnte, wer wollte, Platz nehmen und sich im Foto verewigen lassen. Ein kleines Mädchen suchte sich dazu zuerst einen langen weißen Rock aus und anschließend noch ein buntes Kleid. Später posierte darauf ein Herr mit Strohhut, Pfeil und Bogen.

Um 16 Uhr erhielten die Besucher Einlass in den Theater-Container auf dem Ebertplatz. Darin wartete ein Posaune spielender Mann mit großen Ohren darauf, das Mädchen Sophie in die Geheimnisse des Flüsterns einzuweihen. Ausverkauft!

Die Erwachsenen unter den Besuchern waren häufig vom Fach. Jan Arlt aus Styrum zum Beispiel. „Ich bin ein Freund des Theaters, mache auch selbst Theater. Da interessiert mich, was die Kollegen so machen“, erklärte er. Arlt stand an dem alten Kinderwagen von Dorothee Metz aus Berlin Schlange. Die präsentierte darin durch ein kleines Loch mit einer Optik Guckkasten-Theater. „Man sieht einen Fisch, der taucht auf und ab“, beschrieb ein Mädchen das Gesehene. „Ich habe Puppenspiel studiert. Das war mal vor 19 Jahren meine Inszenierung fürs Diplom“, berichtete die Künstlerin aus Berlin.

Künstler-Lob fürs Familienfest

Martin Rauscher von der Performing Group aus Köln gefiel die Art und Weise, wie Oberhausen als Gastgeber des Festivals das Familienfest organisiert hat. „Wir spielen morgen ‘Super Heroes’“, erklärte er. Jetzt aber sah er sich vor dem Theater um. „Der Platz eignet sich sehr gut für so ein Fest. In anderen Städten waren die Aktionen in den Vorjahren meist über die ganze Stadt verteilt“, erklärte er.

Noch bis zum 21. Juni zeigen Ensembles aus NRW und einige Gruppen aus dem Ausland in Oberhausen ihre Produktionen.

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