Ludwiggalerie

Vom „Fab Four“-Familienleben bis zum Wagenbau mit Biss

Die Beatles am Ende, 1969: Wenn Linda Eastman ihren Gatten in spe, Paul McCartney in den Abbey Road Studios besuchte, wurde sie zur Zeugin des Zerwürfnisses zwischen den „Fab Four“.

Die Beatles am Ende, 1969: Wenn Linda Eastman ihren Gatten in spe, Paul McCartney in den Abbey Road Studios besuchte, wurde sie zur Zeugin des Zerwürfnisses zwischen den „Fab Four“.

Foto: Linda McCartney Estate

Oberhausen.  Das Jahr 2020 bietet Fotokunst von Linda McCartney, Rudolf Holtappel und Dieter Nuhr. Jacques Tilly stellt einen Motivwagen in den Schlosshof.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach dem Erfolg der „British Pop Art“-Ausstellung mitsamt Sixties-„Soundwalk“ und den wiederentdeckten Beatles-Aufnahmen von Rudolf Holtappel ist dieser Start der Ludwiggalerie ins neue Jahr nur folgerichtig: Mit dem Slogan „Fotografin unter Musikern“ startet das Ausstellungsjahr 2020 am 19. Januar mit einer Werkschau von Linda McCartney.

„Wir gehen völlig unter in der Masse“ von 360.000 Negativen

Die Amerikanerin Linda Eastman (1941 bis 1998) hatte dank ihrer Bilder für die frühesten Ausgaben des „Rolling Stone“-Magazins bereits einen guten Ruf als Rockstar-Fotografin, als sie die Beatles und ihren späteren Ehemann Paul McCartney kennenlernte. Ihre Fotos aus den Abbey Road Studios dokumentieren auch die zunehmende Entfremdung unter den „Fab Four“. Voller Witz und Feingefühl sind auch ihre 1970er Aufnahmen aus dem Familienleben der McCartneys, ausgebreitet in einem Prachtband des Taschen-Verlages. Mit ihrem Blick auf die musikalische Seite der Popkultur, erklärte Christine Vogt, die Direktorin der Ludwiggalerie, im Kulturausschuss, „fangen wir an, uns einen Namen zu machen“. Da versteht es sich, dass auch ein neuer „Soundwalk“ zur Ausstattung dieser Schau gehört. Ob auch Sir Paul vorbeischauen wird? Bis zum 3. Mai 2020 bleibt „Linda McCartney – the Sixties and more“ zu sehen.

Die zweite fotografische Werkschau für „den anderen Beatles-Fotografen“, Rudolf Holtappel schließt vom 10 Mai bis 6. September nahtlos an. Der umfassende Titel „Die Zukunft hat schon begonnen“ verweist auf die vielen Aspekte im fotografischen Schaffen des Wahl-Oberhauseners: als Revierchronist, als Lichtbildner fürs Theater wie für namhafte Firmen und Warenhäuser sowie in späteren Jahren als vergnügt Experimentierender mit immer neuen Versuchsreihen. Miriam Hüning erschließt den im Archiv der Ludwiggalerie bewahrten Nachlass Rudolf Holtappels (1923 bis 2013) mit 360.000 Negativen. „Wir gehen völlig unter in der Masse“, meint Christine Vogt durchaus frohgemut. Eine reiche Auswahl also für eine umfassende Werkschau aus sieben Jahrzehnten von 1950 bis 2013.

„Jacques Tilly wird auf dem ganzen Planeten verstanden“

Mit Rudolf Holtappel teilt Otfried Preußler die fast 90-jährige Lebenszeit von 1923 bis 2013. Als „Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler“ will die Ludwiggalerie den Autor von „Der kleine Wassermann“ und „Räuber Hotzenplotz“, der „Kleinen Hexe“ und „Krabat“ vorstellen. Sein Gesamtwerk aus 32 Büchern wurde in 55 Sprachen übersetzt und erreichte eine Gesamtauflage von rund 50 Millionen Exemplaren. Illustrator seiner eigenen Erzählungen war der im böhmischen Reichenberg aufgewachsene Erzähler zwar nie. Und doch geben Illustrationen wie jene von Winnie Gebhardt-Gayler den Kinderbuch-Klassikern geradezu ikonische Qualität. Die Würdigung des Wortkünstlers und seiner kreativen Geister ist vom 13. September 2020 bis 10. Januar in der Ludwiggalerie zu sehen.

„Politik und Provokation“ – anders dürfte eine Ausstellung von und mit Jacques Tilly gar nicht heißen. Mit seinen „Karikaturen XXL“ überrascht vom 2. Februar bis 14. Juni 2020 die Panoramagalerie im kleinen Schloss. Der 56-jährige Düsseldorfer hat mit seinen überaus bissigen Prachtwagen für den Rosenmontagszug inzwischen sogar bis ins Vereinigte Königreich Karriere gemacht: Seine 3-D-Karikatur von Theresa May zog mit tausenden Brexit-Gegnern durch London. Dabei kennt Britanniens Metropole sonst nur den karibischen Karneval von Notting Hill. Christine Vogt verweist auf Medienechos, die bis nach Asien und Afrika hallen: „Jacques Tilly wird auf dem ganzen Planeten verstanden.“ Im Hof des Schlosses Oberhausen soll denn auch ein echter Tillyscher Motivwagen einparken.

Einen Satiriker des Wortes lädt der Kunstverein Oberhausen vom 21. Juni bis 13 September in die Panoramagalerie ein: Dieter Nuhr hat als weltreisender Fotograf inzwischen eine ganze Reihe von Einzelausstellungen bestritten – und versicherte, die Kameraarbeit sei ihm ebenso wichtig wie seine ungebrochen hohe Bühnenpräsenz.

Der Strukturwandel startete 1847

Der letzte Auftritt 2020 im Kleinen Schloss gehört dem Stadtarchiv (zugleich Depot für den städtischen Kunstbestand): „Aufbruch macht Geschichte“ erzählt vom Strukturwandel in Oberhausen in einer umfassenden Perspektive – nämlich nicht nur mit Blick auf die letzten Jahre und Jahrzehnte, sondern seit 1847, als die ersten Bahngleise durch die Heidelandschaft gelegt wurden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben