Musiker-Interview

Versengold singt und spielt gegen „Braune Pfeifen“

See- und sangesfest: Das Sextett Versengold schlägt zum folkloristischen Partysound jetzt auch kritische Töne an.

See- und sangesfest: Das Sextett Versengold schlägt zum folkloristischen Partysound jetzt auch kritische Töne an.

Foto: Christian Barz

Oberhausen.  Die Folkrocker gastieren am 2. November in der Turbinenhalle. Violinist Florian Janoske zeigt sich im Interview stolz auf den Mut zur Zeitkritik.

Vor zwei Jahren gelang Versengold ein echter Coup, als die Bremer Folk-Band mit ihrem damaligen Album „Funkenflug“ überraschend auf Platz 2 der deutschen Albumcharts landete. Dieser große Erfolg war kein Zufall, wie das neue Album „Nordlicht“ mit Charts-Platz 4 nun erneut beweist. Das Sextett aus der Mittelalter-Szene ist längst Bremens erfolgreichste Band. Mit ihrem mittlerweile neunten Album sind die „Nordlichter“ jetzt auf Tournee und kommen dabei auch tief in den Westen: Am Samstag, 2. November, gastieren die Folk-Rocker um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) in der Turbinenhalle. Zuvor gab Violinist Florian Janoske der Redaktion ein Interview.

Euer neues Album heißt „Nordlicht“ – ist das als Tribut an Eure Heimat gemeint?

Genau, wir sind alle im Nordwesten in der Nähe von Bremen und der Nordseeküste aufgewachsen. „Nordlicht“ ist ein klares Bekenntnis zu unserer Heimat, wobei wir uns für einen progressiven Heimatbegriff stark machen wollen – fern von Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.

Was meint Ihr damit konkret?

Heimat ist für uns ein subjektives Verbundenheitsgefühl zu identitätsstiftenden Dingen, die uns geprägt haben. Eine Vertrautheit, die immer bleibt – auch wenn sich die Dinge ändern. Damit kann ein konkreter Ort gemeint sein, eine Landschaft, bestimmte Rituale, Musik oder ein typisches Essen. Wir verbinden mit dem Bremer Umland und der Nähe zur Küste alle sehr ähnliche Gefühle, weshalb es uns leicht fiel, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Stilistisch habt Ihr Euch schon mit den letzten beiden Alben von Eurem Terrain des Mittelalter-Folks gelöst. Wo seht Ihr Euch heute stilistisch?

Durch die vielen Besetzungswechsel der letzten Jahre ist es schwierig, Versengold einem angestammten Terrain zuzuordnen. Unsere aktuelle Besetzung besteht so seit 2015 und macht seither einen Stilmix aus Folk, Rock und Pop-Elementen. Die Geschichte der frühen Band-Jahre, die sich in der Fantasy- und Mittelalter-Szene abgespielt hat, behalten wir aber im Hinterkopf, da wir noch gerne auf den Szene-Festivals unterwegs sind und uns den Fans verbunden fühlen. Allerdings wird auch dort voll akzeptiert, wie wir heute musikalisch aufgestellt sind. Unsere Musik ist mit „Nordlicht“ stilistisch noch breiter gefächert.

Was heißt das konkret?

Wir sind dieses Mal mutiger dabei vorgegangen, auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu kommentieren und zu kritisieren. Man merkt dem Album durch Songs wie „Meer aus Tränen“ oder „Braune Pfeifen“ an, dass wir dem Drang gefolgt sind, uns klar politisch zu positionieren und Stellung zu beziehen. Durch diese nachdenklichen Einlagen – gepaart mit den traditionellen Partystücken – kommt ein sehr abwechslungsreiches Album zusammen, das ein noch breiteres Spektrum abdeckt als „Funkenflug“.

Und auf welche Kontinuitäten habt Ihr gesetzt?

Natürlich gibt es bei uns ein paar bewährte Stilmittel wie die starke Präsenz der Instrumentalparts in unseren Liedern. Außerdem legen wir Wert darauf, dass man unsere Melodien gut mitsingen kann. Wir verstehen unter Folk eine Musik zum Mitmachen und der aktiven Teilnahme.

„Nordlicht“ schaffte es auf Platz 4 der Album-Charts – der Vorgänger „Funkenflug“ sogar auf Platz 2. Seid Ihr überrascht vom kommerziellen Erfolg der letzten Jahre?

Nein, der Erfolg hat uns selbst nicht so sehr überrascht. Wir waren 2015 mit dem Album „Zeitlos“ schon auf Platz 22 der Charts eingestiegen und hatten klare Ambitionen, die nächsten CDs in die Top Ten zu bringen. Ein kleines Glücksspiel bleibt es am Ende aber immer.

Was darf man nun auf der Bühne von Euch erwarten?

Wie immer gibt’s von uns eine energiereiche Show mit reichlich Mitmach-Potenzial und ganz viele unserer neuen Songs.

Vielen Dank für das Gespräch.

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