Foto-Ausstellung

Industriemuseum stellt die Magie der Eisenbahnen ins Licht

René Groebli zählt zu den großen Fotografen der Schweiz. Seine 70 Aufnahmen für „Magie der Schiene“ zeigt nun die Zinkfabrik Altenberg.

Foto: Gerd Wallhorn

René Groebli zählt zu den großen Fotografen der Schweiz. Seine 70 Aufnahmen für „Magie der Schiene“ zeigt nun die Zinkfabrik Altenberg.

OBERHAUSEN.   Die Foto-Serie „Magie der Schiene“ erzählt von einer Zugfahrt Paris-Basel 1949. die Zinkfabrik Altenberg zeigt die Kunst René Groeblis (90).

Damals waren Züge noch pünktlich unterwegs. Wer diesen Satz für keine blanke Lüge hält, der ahnt: Was jetzt kommt, ist sehr lange her. Vor 68einhalb Jahren, im Herbst 1949 war’s, als der 22-jährige René Groebli, für das Abenteuer seines jungen Fotografenlebens auf die Dampflokomotive von Paris nach Basel steigen durfte. Die Erlaubnis der Bahnbehörden hatte er eingeholt – und eine Fahrkarte gekauft, denn ohne die durfte er auch nicht ganz vorne bei Heizer und Lokführer mitfahren.

„Magie der Schiene“ heißt, erstaunlich poetisch, die Ausstellung im LVR-Industriemuseum – nicht rund um die museale Lokomotive drapiert, sondern auf der Empore mit Blick auf den Museumsshop der Zinkfabrik Altenberg. Und bei René Groebli passen „Magie“ und „Schiene“ wunderbar zusammen, denn der heute 90-Jährige war mit seiner zweiäugigen Rolleiflex und der kleinen Leica viel mehr Impressionist als dröger Dokumentarist.

„Eingekapselt“ während des Kriegs

Da sind etliche aparte Versuche mit Bewegungsunschärfe, als hätte der bilderstürmende Geist des italienischen Futurismus ihm die Kamera geführt. Da hüllt sich Technik in Dampfschwaden, zieht Morgennebel zarte Schleier über die Landschaften mit Eisenbahn. Auch die harte, schmutzige Arbeit zwischen Kesselmaschine und Tender setzt René Groebli ins Bild – ebenso wie die fernwehtrunkene Symmetrie der Schienenstränge und Brücken.

Sein Bild von Paris wirkt wie ein Scherenschnitt und zeigt den Gare de l’Est: unten die Gleise, oben rattert die Metro über eine Brücke, dazwischen die Straße – auf der ein Pferd den Kopf im schweren Geschirr hängen lässt. „Paris war völlig schwarz“, sagt René Groebli. Unzerstört, aber selbst auf den schicken Avenuen total verrußt.

Und doch wollte er ‘raus aus dem biederen Zürich in die bewunderte, aber schmutzige „Stadt des Lichts“. Junge Schweizer wie er hatten sich „eingekapselt“ gefühlt während der Weltkriegsjahre. Der Aufbruch nach verzehrendem Fernweh ist das Leitmotiv seiner lichtbildnerischen Schienen-Magie. Sogar einen Radfahrer mit Hut entdeckte René Groebli auf einem Kleinstadt-Bahnsteig: Aufbruch auch mit zwei Rädern.

Das Filmische dieser Bilder ist unverkennbar – und tatsächlich lernte der 22-Jährige damals Dokumentarfilm-Kameramann: Er war der Erste in diesem neuen Ausbildungsberuf. „Mir schwebte Robert Flaherty vor: seine Men of Aran.“ Doch anstatt irische Fischer in tosender See zu filmen, blieb René Groebli doch lieber sein eigener „Herr und Meister“, fotografierte journalistisch für die Londoner Agentur Black Star und später als Industriefotograf seines eigenen Unternehmens. Einen Irland-Bildband hat er dann im Jahr 2000 auch noch aufgelegt. Und als späterer Pionier der Farbfotografie zählt seine Serie „Das Auge der Liebe“ von 1954 zum Bestand des berühmten MoMA in New York.

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Die Ausstellung „Magie der Schiene“ mit 80 Aufnahmen ist bis zum 29. April in der Galerie der Zinkfabrik Altenberg zu sehen. Der Besuch ist im Eintrittspreis von 6 Euro fürs LVR-Industriemuseum enthalten.

Der Bildband „Magie der Schiene“ ist 2017 im Verlag Sturm & Drang erschienen und im Museums-Shop erhältlich. Die Original-Mappe von 1949 mit nur 14 Aufnahmen erzielt heute vierstellige Preise.

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