Neue Hinweise

Überfall bei "Aktenzeichen XY": Opfer hat noch immer Angst

Ein nächtlicher Überfall auf eine damals 56-Jährige in deren eigenem Haus beschäftigt die Polizei in Oberhausen bis heute. Durch die Ausstrahlung bei "Aktenzeichen XY" hoffen die Ermittler auf neue Hinweise.

Ein nächtlicher Überfall auf eine damals 56-Jährige in deren eigenem Haus beschäftigt die Polizei in Oberhausen bis heute. Durch die Ausstrahlung bei "Aktenzeichen XY" hoffen die Ermittler auf neue Hinweise.

Foto: dpa / Archiv

Oberhausen/München.   Zweimal schlugen Kriminelle in einem Haus in Oberhausen zu. Das Opfer leidet bis heute daran. Polizei erhält mit "Aktenzeichen XY" neue Hinweise.

Zweimal innerhalb von nur zwei Wochen ist eine Frau in Oberhausen im eigenen Haus nachts Opfer von Kriminellen geworden. Erst schlugen ein oder mehrere Einbrecher zu und stahlen Bargeld in einer Kassette aus dem Schlafzimmer, dann wurde die damals 56-Jährige von Räubern mit einem Messer bedroht und überfallen. Den ungewöhnlichen Fall stellte das Polizeipräsidium Oberhausen am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" vor.

"Wir haben einige neue Hinweise bekommen", sagt der Oberhausener Polizeisprecher Tom Litges am Tag nach der Ausstrahlung. Mehr als 20 Anrufer hätten sich nach der Sendung gemeldet. Jeder Hinweis würde nun überprüft. Ob darunter auch eine vielversprechende Spur sei, sagt Litges, ließe sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht abschätzen.

Neuen Mut schöpft nun auch das Opfer: "Ich hoffe inständig, dass die Täter noch gefasst werden", sagt Frau G. Die Oberhausenerin leidet bis heute an den Taten, besonders schlimm sei es in den ersten Wochen nach dem Überfall gewesen: "Da habe ich nachts senkrecht im Bett gestanden, wenn ich draußen ein Geräusch gehört habe." Auch ein Jahr nach dem Überfall seien die Angst und die schrecklichen Erinnerungen an das Geschehen noch da: "Das wird auch nicht weggehen." Die Sendung am Mittwochabend hat sich Frau G. angesehen und es erlebt, "als wenn es gestern gewesen wäre".

Die Polizei fokussiert sich auf die zweite Tat

Durchaus beklemmend schilderte das ZDF in einem Einspielfilm die Taten: Die Frau lebte im Herbst 2018 vorübergehend allein zu Hause an der Schlansteinstraße, weil ihr Mann nach einer Operation stationär im Krankenhaus bleiben musste. Das Paar hat einen Hund, im Film heißt sie Donna: "Die schlägt mit ihrem Bellen alle Bösewichte in die Flucht", sagt die Frau zu ihrem Mann am Krankenbett. Donna wird in den nächsten Wochen zweimal anschlagen - die Taten verhindern kann sie nicht.

Die Polizei fokussiert sich vor allem auf die zweite, gravierendere Tat vom 4. November 2018: In gebrochenem Deutsch verlangen drei Täter gegen 3.30 Uhr morgens Geld, nachdem sie die auf der Couch schlafende Frau aufgeschreckt hatten. Das Opfer will dabei ein Wort aus dem Russischen gehört haben. Die Täter raubten Goldschmuck mit Edelsteinen, darunter Broschen, Ketten und Ringe. Darunter war auch eine auffällige Kette mit einem sogenannten Engelsrufer. Die Beute soll einen Wert von mehr als 10.000 Euro haben. Zum Glück blieb das Opfer unverletzt. Die Räuber flohen, die Frau alarmierte die Polizei.

Zeugen winkt eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro

Dass jemand zweimal kurz hintereinander im eigenen Haushalt Opfer einer Straftat werde, sei äußerst selten, sagt Kriminalhauptkommissar Frank Nett in der ZDF-Sendung: "Wir gehen daher von zwei Einzeltaten aus." Weil es im Haus recht dunkel war und die Frau von den Räubern mit einer Taschenlampe geblendet wurde, habe ihre Beschreibung nicht für die Anfertigung von Phantombildern gereicht. Die Täter sollen 20 bis 25 Jahre alt und 1,75 bis 1,85 Meter groß gewesen sein, dunkle kurze Haare gehabt und dunkle Kleidung getragen haben. Über ein Flachdach stiegen sie wohl durch ein gekipptes Fenster im ersten Stock in das Haus ein.

Familie G. hat nach dem Überfall "aufgerüstet": mit Alarmanlage, Bewegungsmeldern, Überwachungskamera. Zwei Tage später sei das Eigenheim sicher wie "Fort Knox" gewesen, sagt die Oberhausenerin. Trotzdem hätten sie und ihr Partner überlegt, das Haus zu verkaufen und wegzuziehen. "Aber ich komme von hier, ich bin hier geboren und hier aufgewachsen, ich hänge daran."

Einbrecher nahmen rund 5000 Euro Bargeld mit

Als die Räuber bei der zweiten Tat drohten, ihr Finger abzuschneiden und immer wieder "Geld, Geld" fordern, hat Frau G. schon nichts mehr im Haus, weil die Einbrecher zuvor 5000 Euro mitgenommen hatten: "Ich hatte nur noch das Geld in meinem Portemonnaie." Zu den Schmucksachen, die die Räuber erbeuten, gehörten auch Dinge von hohem emotionalen Wert. Darunter auch ein Kreuz, das die Mutter von Frau G. bis zu ihrem Tod getragen hatte. Auch das hofft sie irgendwann einmal wieder in ihren Händen halten zu können.

Zeugen können sich an das Kriminalkommissariat 12 unter 0208/8260 oder per E-Mail an poststelle.oberhausen@polizei.nrw.de melden. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 1000 Euro ausgelobt.

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