Inklusion in Oberhausen

SPD findet keine Mehrheit für volle Inklusion an Gymnasien

Körperbehinderte Schüler, die Abi machen wollen, können auch künftig ans Gymnasium.

Körperbehinderte Schüler, die Abi machen wollen, können auch künftig ans Gymnasium.

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd Wüstneck

Oberhausen.   Die SPD will die Oberhausener Gymnasien weiter für die komplette Inklusion in die Pflicht nehmen. Doch der Appell findet keine Mehrheit.

Genauso wie Gesamt- und Realschulen sollen sich die Oberhausener Gymnasien weiter an der Inklusion beteiligen und Schüler mit besonderem Förderbedarf aufnehmen – auch wenn diese absehbar kein Abitur machen können.

Das fordert die SPD-Fraktion im Rat und will am kommenden Montag im Stadtparlament eine entsprechende Resolution verabschieden lassen. Doch dafür wird sich wohl keine Mehrheit finden: Im Schulausschuss lehnten es CDU, FDP, Linke und Bürgerliste ab, die Resolution „Für Teilhabechancen und Bildungsgerechtigkeit: Oberhausener Gymnasien sollen nicht aus der Inklusion aussteigen“ zu unterstützen, lediglich die Grünen signalisierten Zustimmung.

SPD-Ratsherr Klaus Kösling appellierte in der Sitzung an die Gymnasien, den bisher eingeschlagenen Weg bei der Inklusion weiter zu gehen. Der sah so aus, dass auch in Oberhausen seit dem Schuljahr 2014/15 an zuerst einzelnen Gymnasien Kinder mit besonderem Förderbedarf unterrichtet wurden und werden. Die meisten dieser Schüler nicht mit dem Ziel, Abitur zu machen. Mit der Beteiligung aller Schulformen an der Inklusion setzte die damalige rot-grüne Landesregierung den Rechtsanspruch von Förderschülern auf einen Regelschulplatz um.

Erlass der Landesregierung

Seit Sommer 2017 weht landespolitisch ein anderer Wind, seit Oktober 2018 gelten bei der Inklusion andere Regeln. Nun nehmen die fünf Gymnasien nach diesen Sommerferien keine Förderschüler ohne Abiturchancen mehr auf. „Ich kann die Entscheidung der Gymnasien sehr gut nachvollziehen“, sagte Regina Boos. Die FDP-Stadtverordnete vertritt damit die Linie der schwarz-gelben Landesregierung und von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Deren Inklusionserlass eröffnet den Gymnasien die Möglichkeit aus der zieldifferenten Inklusion auszusteigen: Das heißt, nur noch Kinder mit einem besonderen Förderbedarf (Körperbehinderung, Asperger etc.) aufzunehmen, die „zielgleich“, also mit dem Ziel, das Abitur zu machen, und mit den gleichen Lerninhalten unterrichtet werden wie die Regelschüler.

Klaus Kösling nannte es dagegen „erschreckend“, dass die Oberhausener Gymnasien, sobald sich die Möglichkeit ergeben habe, den Rückzug angetreten hätten, „dabei könnten sie sich weiter an der zieldifferenten Inklusion beteiligen“.

Als „ärgerlich“ und „skandalös“ beurteilte CDU-Politikerin Gundula Hausmann-Peters dagegen das Anliegen der Oberhausener Sozialdemokraten, die Gymnasien weiter in die Pflicht zu nehmen. „Sie unterstellen den Gymnasien sich vor der Arbeit zu drücken, dabei setzen die nur den Erlass um.“ Was für einen Sinne habe es, Kinder mit besonderem Förderbedarf, die kein Abi machen können, an einem Gymnasium zu beschulen.

Andrea-Cora Walter (Bürgerliste) lehnte die Resolution ebenfalls ab – weil der Adressat, nämlich der Rat, falsch sei. „Ob Inklusion gelingt oder nicht, entscheidet das Land.“ Die Landesregierung habe aber kein Interesse an einer zieldifferenten Inklusion an Gymnasien, vor diesem Hintergrund „kann man keinem Gymnasium empfehlen weiterzumachen. Weil die Unterstützung fehlt.“ An der habe es ja schon vorher gemangelt.

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