Schule

Soziale Bildungskluft an Schulen besorgt Oberhausener SPD

Der Bildungserfolg von Schüler hängt immer noch stark vom sozialen Status des Elternhauses ab. Das hat mehrere Gründe.  

Der Bildungserfolg von Schüler hängt immer noch stark vom sozialen Status des Elternhauses ab. Das hat mehrere Gründe.  

Foto: skynesher / Getty Images

Oberhausen.  Der Status der Familien entscheidet immer noch stark über Bildungskarriere der Kinder – die Oberhausener SPD fordert mehr Anstrengungen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Oberhausener SPD-Ratsfraktion hält dringend mehr Schulsozialarbeiter an Grundschulen und weiterführende Schulen für erforderlich, um die soziale Kluft zwischen Schulen zu verringern. „Bund und Land müssen hier mehr tun, um die Hilfen an Schulen zu verstärken“, sagt SPD-Fraktionsvize Kirsten Oberste-Kleinbeck nach der viertägigen Klausurtagung ihrer Fraktion in Osnabrück.

Oberhausen selbst sei von der Notwendigkeit des Angebots so sehr überzeugt, dass die Stadt selbst trotz der angespannten Finanzlage einen Teil der Schulsozialarbeits-Stellen finanziert: Auf 33,5 Stellen sitzen derzeit 43 Sozialarbeiter, einige von ihnen pendeln von Schule zu Schule. Doch Ziel sei, dass an jeder Schule ein Schulsozialarbeiter voll beschäftigt ist, der eng mit der städtischen Jugendhilfe zusammenarbeitet. Das Land hat seit 2015 die frühere Bundesförderung der Schulsozialarbeit mit eigenen Mitteln ersetzt. NRW zahlt für 1750 Stellen jährlich rund 47 Millionen Euro. Allerdings will das Land im nächsten Jahr die geplante erneute Aufstockung der Stellen um 650 aussetzen.

Schulsozialarbeiter sind nur ein Baustein der SPD, um künftig mehr Kindern Chancen auf eine gute Bildung zu geben. Denn hier liegt weiterhin noch vieles im Argen. „Noch immer besteht ein sehr enger Zusammenhang von Bildungserfolg des Kindes und seiner sozialen Herkunft. Wir wollen aber erreichen, dass jedes Kind gleiche Bildungschancen hat“, beschreibt Schulpolitikerin Oberste-Kleinbeck das Ziel der Fraktion.

Übergangsquoten zum Gymnasium spiegeln soziale Lage der Viertel

Nach dem Oberhausener Bildungsreport von 2019 kann man an den Übergangsquoten zum Gymnasium ablesen, wie sozial schwach oder stark ein Stadtbezirk ist: So liegt in Mitte/Styrum diese Quote im gewichteten Mittel nur bei 33 Prozent, im gut situierten Sterkrader Norden aber bei über 50 Prozent.

Besonders Eltern mit niedrigem Bildungshintergrund folgen laut Bildungsreport oft den Empfehlungen der Grundschullehrer, welche weiterführende Schule das Kind besuchen soll. Die Lehrer jedoch neigen immer noch dazu, selbst bei talentierten Kindern nur dann das Gymnasium zu empfehlen, wenn die Eltern stark unterstützend eingreifen können – mit anderen Worten: also selbst Abitur haben. Mit Fortbildungen will das städtische Schulamt erreichen, dass Lehrer mehr auf die potenziellen Leistungen ihrer Schüler achten als auf den elterlichen Hintergrund.

Für ein wichtiges Mittel, Kinder aus ärmeren Familien zu stärken, hält die SPD-Fraktion die Offene Ganztagsschule (OGS). Schon seit Jahren hat sich die SPD nach eigenen Angaben dafür eingesetzt, dass an den Grundschulen die nachmittägliche Betreuung mehr ist als eine reine Verwahrung von Kindern und jedes Kind, dessen Eltern dies möchten, an der OGS teilnehmen. „Im Gegensatz zu anderen Städten im Ruhrgebiet haben wir keine Begrenzungen bei der OGS, weil wir glauben, dass hier viele Kinder die Chance haben, Unterstützung ihrer Bildung zu erfahren“, sagt Oberste-Kleinbeck. So betrage die Teilnahmequote an der OGS in Oberhausen rekordverdächtige 61 Prozent.

Wegen der Bildungsaufgabe des Offenen Ganztags sei es auch so wichtig, dass nicht nur die weiterführenden Schulen mit Breitband-Internet-Netzen ausgestattet werden, sondern auch die Grundschulen. „Es gibt hervorragende Lehrvideos auf Youtube, die die Hausaufgabenhilfe der Offenen Ganztagsschule unterstützen. Gerade Kinder, die Zuhause die entsprechenden Geräte und Infrastruktur nicht haben, würden davon profitieren.“ Oberhausen hofft darauf, dass der Bund seine Planungen verwirklicht und einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Offenen Ganztag begründet – denn dann müsste vom Bund dafür Geld übers Land an die Kommunen geben.

Verärgert ist die SPD immer noch darüber, dass Oberhausen beim Talentschulen-Wettbewerb des Landes leer ausgegangen ist. Die von einer Jury ausgewählten weiterführenden Schulen in sozialen Brennpunkt-Vierteln erhalten einen Zuschlag von 20 Prozent mehr Lehrerstellen und jeweils 2500 Euro jährlich als zusätzliches Fortbildungsbudget. Ziel ist es, Kinder aus benachteiligten Vierteln zu größeren Bildungserfolgen zu führen. Doch Oberhausen ging leer aus. „Dabei müssten wir angesichts der Sozialdaten mindestens in fünf Sozialräumen eine Talentschule erhalten: in Lirich, in der City-West, im Knappenviertel, in Mitte und in Osterfeld“, ist Oberste-Kleinbeck überzeugt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben