Großes Kino

„Sommerfilmwochen“ lassen Kino-Klassiker aufleben

Eine ruhige Kugel schieben Donny (Steve Buscemi, re.), Walter (John Goodman, Mi.) und der „Dude“ (Jeff Bridges) nicht nur beim Bowling. Der tiefenentspannte Held von „The Big Lebowski“ hört auch gerne Walgesänge im Wannenbad.

Eine ruhige Kugel schieben Donny (Steve Buscemi, re.), Walter (John Goodman, Mi.) und der „Dude“ (Jeff Bridges) nicht nur beim Bowling. Der tiefenentspannte Held von „The Big Lebowski“ hört auch gerne Walgesänge im Wannenbad.

Foto: Working Title Films

Oberhausen.  Die Lichtburg Oberhausen schreitet von Woche zu Woche durch die Filmhistorie: von R. Polanskis „Rosemary’s Baby“ bis zu „Drive“ mit Ryan Gosling.

„Die Idee hatte das treue Stammpublikum“, berichtet Petra Rockenfeller. Und die Leiterin des Lichtburg Filmpalastes ließ sich nicht lange bitten – und lässt nun die „Sommerfilmwochen“ wieder aufleben – mit Filmklassikern aus fünf Jahrzehnten und fünf Filmen von Top-Regisseuren: Roman Polanski, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, die Brüder Joel und Ethan Coen, Curtis Hanson und Nicolas Winding Refn haben Kinogeschichte geschrieben. Jetzt können sie mit ihren teils sogar oscarprämierten Werken wiederentdeckt werden. Die Lichtburg lässt mit dieser Reihe wieder ein Format der 1980er/90er Jahre aufleben.

Der Start kurz vor der Geisterstunde am Freitag, 19. Juli, um 23 Uhr passt wie maßgeschneidert zu Roman Polanskis Meisterwerk „Rosemary’s Baby“ von 1968. Genial hält die Erzählung in der Schwebe, ob die Ängste und Panikattacken der zarten Rosemary (Mia Farrow) während ihrer Schwangerschaft in ihrer Überforderung gründen – oder ob sich ihr Ehemann Guy (John Cassavetes) tatsächlich mit dem Teufel verbündet hat und sie nun das Kind des Satans in sich trägt. Eine zweite Vorstellung in der Lichtburg folgt am Samstag um 18.30 Uhr, die dritte am Sonntag um 20.30 Uhr in der amerikanischen Originalfassung. In diesem Drei-Tages-Schema präsentiert der Filmpalast auch die folgenden Schätze mit jeweils einem exemplarischen Film pro Jahrzehnt.

Der Horror einer zerfallenden Metropole

Mit der alles zersetzenden Düsternis eines zerfallenden New York der 1970er Jahre, gezeichnet von Kriminalität und urbaner Tristesse, hat auch Martin Scorseses „Taxi Driver“ (zu sehen vom 26. bis 28. Juli) das morbide Flair eines Horrorfilms. Mit rasiertem Schädel und dem irren Blick des psychopathischen Taxifahrers Travis wurde Robert De Niro zum Star. Gleiches galt für die während der Dreharbeiten erst zwölfjährige Jodie Foster in ihrer Rolle als minderjährige Prostituierte. Später meinte sie cool zu diesem Skandal-Part: „Kinder können in dem Alter nicht nur wie Shirley Temple auftreten oder wie deine kleine Schwester.“

Flucht vor dem elektrischen Stuhl

Etwas ältere Jugendliche sind die Protagonisten von Francis Ford Coppolas „Outsiders“ (zu sehen vom 2. bis 4. August). Mit Matt Dillon und Patrick Swayze, Emilio Estevez und Tom Cruise zeigt das Gang-Drama von 1983 später allseits bekannte Größen in frühester Jugendblüte. Ein bisschen Klassenkampf ist auch dabei, denn die „Greasers“ sind Unterschicht-Kids und die „Socials“ gelangweilte Wohlstandskinder. Als Ponyboy und Johnny in Notwehr einen „Social“ töten, müssen sie aus ihrer Heimatstadt Tulsa fliehen – denn in Oklahoma droht die Todesstrafe auf dem elektrischen Stuhl.

In „The Big Lebowski“ fliegen zwar auch die Fäuste und werden Waffen gezückt: Doch diese Parodie der „Schwarzen Serie“ von 1998 (zu sehen vom 9. bis 11. August) ist so tiefenentspannt wie kein anderes Werk der Brüder Joel und Ethan Coen. In Jeff Bridges fanden sie die Idealbesetzung des „Dude“ Jeffrey Lebowski. Wegen einer Namensverwechslung stören zwei tölpelhafte Mafiosi des Dude Wannenbad zu Walgesängen – und pinkeln in einer absurden Macho-Drohgebärde auf seinen geschätzten Orientteppich. So beginnt jener bizarre Rachefeldzug, der den Dude in Millionärsvillen und in die Domina-Kammer der gefährlichen Schönen Maude (Julianne Moore) führt.

Umgekehrter Rassismus unter Rappern

„8 Mile“ mit dem Rapper Eminem als Selbst-Darsteller dürfte in diesem Reigen jener Film sein, der in 16 Jahren am schlechtesten gealtert ist. Der Film von Curtis Hanson (zu sehen vom 16. bis 18. August) erzählt die Jugend von Marshall Bruce Mathers III in der Armut eines „White Trash Kid“ in einem Wohnwagenpark von Detroit. In einer überwiegend afroamerikanischen Umgebung wird der Junge zum Opfer von umgekehrtem Rassismus: verhöhnt und verprügelt, weil er weiß ist. Kim Basinger spielt die von ihrem Sohn gehasste Mutter.

Auch der aktuellste Film der Reihe – „Drive“ von Nicolas Winding Refn – zeigt einen kommenden Star, der mit rauchenden Reifen durchstartet zum Karrierestart: Ryan Gosling, der spätere Liebling aller Schwiegermütter aus „La La Land“, ist vom 23. bis 25. August als tätowierter Fluchtwagenfahrer zu erleben. Auf schnellstem Weg bringt er für Bankräuber die Beute zum Ziel. Bis ein Coup fehlschlägt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben