Rotary-Austauschprogramm

Rotary-Club hilft: Junge Franzosen entdecken Oberhausen

Bei praktischen Übungen zur Berufskunde: (v.li.) Organisatorin Sarah Grün mit Nathan und Elise.

Bei praktischen Übungen zur Berufskunde: (v.li.) Organisatorin Sarah Grün mit Nathan und Elise.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Ein Austauschprogramm von Rotary macht’s möglich: Junge Franzosen erkunden in Oberhausen die Berufswelt und planen ihre Zukunft.

„Salut“ trifft „Glückauf“: Für die meisten jungen Franzosen ist es die erste Reise nach Deutschland. Für einige sei es sogar die erste Reise überhaupt. „Das Geld fehlt leider oft“, bringt es Günter Zahn auf den Punkt. Er ist zuständig für den Austausch auf deutscher Seite des Rotary-Clubs und weiß um die Probleme der 14 jungen Teilnehmer aus der Normandie – die bis Freitag für fünf Tage Oberhausen besuchen.

Abschlüsse haben sie alle, teilweise Abitur. „Doch die Orientierung fehlt, was sie eigentlich machen wollen und was alles möglich ist.“ Ein Glück also, dass es auch in der Partnerstadt Pont-Audemer einen Rotary-Club gibt, der jungen Erwachsenen, die nicht Schüler oder Studenten sind, eine Auslandserfahrung spendiert.

Angereist und ausgepackt haben die jungen Franzosen bereits am Sonntag. Fünf Tage schlafen sie im Internat des Berufsförderungswerks (BFW) an der Bebelstraße. Da, wo sie laut BFW-Organisatorin Sarah Grün „ein bisschen Luxus erwartet – denn die Zimmer sind wirklich schön“.

Franzosen schauen in Oberhausen über den Tellerrand

Zum Auftakt starten die Gäste einen Rundgang im mehrstöckigen Fördergebäude, schauen sich interessiert die hauseigene Werkstatt, Cafeteria, den Fitness- und Computerraum an. Für die Besucher ohne Job eine Chance ein wenig über den Tellerrand zu schauen, der sonst womöglich nur im Studium oder beim Schüleraustausch denkbar wäre.

„Bis jetzt haben wir zwar nicht allzu viel von Oberhausen gesehen, aber die Leute sind sehr nett und aufgeschlossen. Trotzdem ist es komplett anders als bei uns“, sagt Daniéle Ondo Onoyo (22). Die Gruppe lächelt unisono freundlich, als ein Lehrer in der Werkstatt des BFW erklärt, wie Stahl und Aluminium auf grünen Werkbänken bearbeitet wird. „Doch die Reise ist keine Jobbörse“, betont François Lefebvre vom Rotary-Club aus Frankreich.

Rund sieben Autostunden entfernt besteigen er und drei weitere Kollegen zusammen mit den 14 jungen Franzosen zwei Minivans, um ganz Oberhausen zu erkunden. Auf dem Reiseplan steht Klettern, der Besuch der Stoag und des Biomasse-Kraftwerks in Sterkrade sowie eine Führung im neuen Ausbildungszentrum Bau im ehemaligen Trickfilmstudio in Osterfeld. Für Freizeit bleibe - trotz des straffen Programms- genug Luft.

Rotary-Mitglieder pflegen die Kontakte ins Ausland

Im vergangenen Jahr gibt es den Austausch das erste Mal – allerdings deutlich kleiner – mit „nur“ fünf Teilnehmern. Der Kontakt innerhalb der Rotarier ist überdies jahrzehntelang vorhanden – seit 1958 pflegt Oberhausen einen freundschaftlichen Austausch von Klubmitgliedern mit Pont-Audemer; jedes Jahr zu Himmelfahrt reist eine Gruppe gen Ruhrgebiet oder andersherum in die Nähe von Le Havre am Ärmelkanal.

Möglich ist der Austausch der jungen Gäste unter anderem durch ein Entenrennen auf dem Fluss Risle, der in die Seine mündet, bei dem Lose für nummerierte Enten verkauft werden. „Der Erlös dient den Kollegen dieses Jahr für die Reise zu uns“, erklärt Rotarier Günter Zahn. Dabei bekommen die Teilnehmer allein im BFW eine breite Palette an Jobideen gezeigt, die helfen soll, sich für einen Weg zu entscheiden.

Angefangen bei den Industriekaufleuten über die Informatiker bis hin zu den Technikern erhalten die Gäste aus Frankreich in der Bebelstraße einen Überblick in punkto Arbeit. So kann sich die Französin Elise Laisney vorstellen in Deutschland zu arbeiten. Die 25-Jährige weiß, in welche Richtung es gehen soll. „Ich würde gerne im Handel anfangen“, sagt sie. Für die Organisatoren ist dieser Satz bereits am ersten Tag Belohnung.

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