Straftaten

Oberhausener Polizei nimmt Bandenkriminelle ins Visier

Durch die zunehmenden Razzien gegen kriminelle Familienclans und Banden, wie hier im Herbst in der Essener Innenstadt, könnte es zu Verdrängungseffekten kommen – und Oberhausen treffen.

Durch die zunehmenden Razzien gegen kriminelle Familienclans und Banden, wie hier im Herbst in der Essener Innenstadt, könnte es zu Verdrängungseffekten kommen – und Oberhausen treffen.

Foto: Kerstin Kokoska

oberhausen.   Im Ruhrgebiet macht die Polizei gegen Bandenkriminelle mobil – in Oberhausen ist die Lage noch ruhig. Doch der Polizeipräsident hat eine Sorge.

Die Oberhausener Polizei sieht die Gefahr, dass sich in Zukunft kriminelle Clans und Banden in der Stadt ansiedeln, weil Nachbarstädte im Ruhrgebiet verstärkt gegen betrügerische libanesische Familien und Rockerbanden vorgehen – und es den Tätern dort zu ungemütlich wird. Der scheidende Polizeipräsident Ingolf Möhring hatte deshalb angeordnet, die Szene vor Ort ganz genau zu analysieren.

„Natürlich wirkt es merkwürdig, dass ständig andere Ruhrgebietsstädte mit Bandenkriminalität erwähnt werden und Oberhausen wie eine Insel der Seligen erscheint“, sagte Möhring in seinem letzten Interview im Amt. „Wir haben deshalb noch einmal ganz genau hingeschaut – Stand jetzt: Es gibt noch keine verfestigten Clan- Strukturen, aber es besteht die Gefahr, dass der Druck in den anderen Städten zu Verdrängungseffekten führt und die Banden sich hier niederlassen.“

Indirekt droht Möhring den Kriminellen im Fall des Falles: „Darauf werden wir dann passende Antworten geben.“

Gegen die grassierende Unsicherheit

Für eines der größten Probleme unserer Zeit hält Möhring die anhaltende Verunsicherung der Bevölkerung: Sie überschätzten das Maß der Kriminalität – tatsächlich ist die Zahl der Straftaten in Oberhausen auf ein Rekordtief der vergangenen zehn Jahre gesunken.

„Dieses Thema ist äußerst wichtig für alle. Deshalb versuchen wir, aktiv gegen die grassierende Unsicherheit zu arbeiten.“ Er zählt dabei die mobile Wache auf, die neue Anlaufstelle Marktstraße, den verstärkten Einsatz gegen Drogendealer am Hauptbahnhof. „Wir müssen die Bürger überzeugen, dass wir nur gemeinsam ein akzeptables Maß an Kriminalität erreichen können. Das Vertrauen der Bürger ist Voraussetzung dafür, dass die Polizei noch bessere Ergebnisse liefert.“

„Ursache von Kriminalität liegt im Wohlstandsgefälle“

Der in Dortmund lebende Jurist, Vater zweiter Kinder, ist der Ansicht, dass der Staat zwingend mehr Geld für Sicherheit ausgegeben muss. „Ich wünsche mir, dass die Politik ihren Weg fortsetzt, der Polizei mehr Personal und eine bessere Ausrüstung zu geben. Da hat die Vorgänger-Regierung schon gut begonnen, der jetzige Minister hat noch zweimal drauf gelegt: Wir werden im Herbst 2019 rund 2500 Polizeianwärter/innen einstellen, unter Innenminister Dr. Ingo Wolf waren es mal nur rund 500.“

Das Problem Kriminalität werde sich nicht erledigen – im Gegenteil: „Die Ursache von Kriminalität liegt maßgeblich im zunehmenden Wohlstandsgefälle in Deutschland und Europa. Das ist für mich der wahre Nährboden für Straftaten -- und nicht, ob sich bestimmte Ethnien in Deutschland aufhalten.“

Nach dreieinhalb Jahren Amtszeit in Oberhausen scheidet Möhring am 30. April aus dem aktiven Polizeidienst.

>>>>>>> Über 7300 Straftaten weniger als 2006

Im Jahre 2006 registrierte die Oberhausener Polizei noch über 23.200 Straftaten in der Stadt. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 15.884 Delikte. Das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. In der Amtszeit von Ingolf Möhring ist die Zahl der polizeilich registrierten Kriminalität um 16 Prozent gesunken (seit 2015).

Die Aufklärungsquote bei allen Delikten lag 2015 laut Jahreskriminalitätsbericht der hiesigen Polizei bei 54 Prozent. 2018 lag die Quote bei 59 Prozent.

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