Gesundheitsamt

Oberhausener Lehrer hat Windpocken: Amt kontrolliert Schüler

Es gibt keine Impfpflicht bei Windpocken – weder für Schüler noch für Lehrer.

Es gibt keine Impfpflicht bei Windpocken – weder für Schüler noch für Lehrer.

Foto: Franziska Gabbert / picture alliance/dpa

Oberhausen.  Weil ein Lehrer an einem Oberhausener Gymnasium an Windpocken erkrankt ist, hat das Gesundheitsamt den Impfstatus fast aller Schüler überprüft.

Das passiert auch nicht alle Tage, dass eine Schule gleich mehrere Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Haus hat. Das Elsa-Brändström-Gymnasium in Oberhausen musste sich in dieser Woche an zwei Tagen einer großangelegten Kontrolle unterziehen.

Alle Schüler ab Jahrgang 2004 und jünger mussten ihre Impfausweise mitbringen. So überprüften die Fachkräfte vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst der Stadt den Impfstatus von rund 600 Schülerinnen und Schülern. Auslöser für die Aktion: Ein Lehrer der Schule ist an Windpocken erkrankt. Weil die Krankheit laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig ist, hat Schulleiterin Alice Bienk vorschriftsmäßig das Gesundheitsamt über die Erkrankung des Kollegen informiert. Die gute Nachricht: Schüler sind nicht betroffen.

Windpocken werden leicht übertragen

Trotzdem: „Wenn wir so eine Meldung bekommen, müssen wir ermitteln, ob sich die Krankheit weiter verbreiten kann und ob andere Menschen gefährdet sind“, sagt Dr. Hans-Henning Karbach, Leiter des Oberhausener Gesundheitsamtes. Eine mögliche Infektionskette müsse unterbrochen werden – und Windpocken „werden relativ einfach übertragen“, sagt Karbach. Die Maßnahmen, die das Gesundheitsamt in einer solchen Situation ergreift, richten sich danach, mit wie vielen Menschen der „Indexfall“, also der Erkrankte, potenziell in einer Gemeinschaftseinrichtung wie Kita oder Schule Kontakt hatte.

Da am Elsa-Brändström-Gymnasium eine Lehrkraft erkrankt ist, wie Alice Bienk bestätigt und wie es auch auf der Internetseite der Schule steht, musste die Kontrolle recht groß ausfallen. Denn ein Lehrer hat täglich mit rund sechs bis acht Klassen zu tun, hat Pausenaufsicht, spricht mit Schülern auf dem Flur oder dem Schulhof. Bei einem erkrankten Schüler hätte die Impfstatus-Kontrolle möglicherweise auf eine Klasse oder Kurse begrenzt werden können.

Gesundheitsamt geht auf Nummer sicher

„Wir gehen bei solchen Maßnahmen immer auf Sicherheit“, sagt Hans-Henning Karbach, „wenn wir nichts unternehmen würden, könnte am Ende die ganze Schule flach liegen“, wirbt der Amtsarzt um Verständnis für den Wirbel, den seine Mitarbeiter in der Schule ausgelöst haben. Dass solche Kontrollen nicht beliebt seien und auch Sorgen auslösen – dessen ist sich Hans-Henning Karbach bewusst. „Aber es ist im Interesse der Allgemeinheit, eine mögliche Ausbreitung der Krankheit zu unterbinden.“ Windpocken könnten überall ausbrechen, die Schule könne nichts dafür.

Mit den Kontrollen der Impfausweise am „Elsa“ hat das Gesundheitsamt überprüft, ob bei den Schülern ab Jahrgang 2004 und jünger ein Impfschutz gegen Windpocken vorliegt (die Altersgrenze hat das Infektionsschutzgesetz festgelegt). Schüler ohne Impfschutz, die potenziell erkranken könnten, können für 16 Tage vom Unterricht ausgeschlossen werden. Dies sei in einigen Fällen passiert, so der Amtsarzt. Dies betreffe aber nur einige Schüler der Internationalen Vorbereitungsklassen, in denen Geflüchtete unterrichtet werden, ergänzt Alice Bienk im Gespräch mit der Redaktion. Weil diese Schüler ihren Impfstatus meist nicht nachweisen könnten und deshalb zur Vorsicht für die eigene Gesundheit und die anderer zu Hause bleiben müssten.

„Der Schulbetrieb läuft völlig normal“, sagt die Schulleiterin. Sie lobt alle Beteiligten, alle hätten schnell reagiert, die Aktion sei sehr gut und strukturiert gelaufen. Für eine Information per Elternbrief habe es allerdings keine Zeit mehr gegeben, was Eltern kritisch angemerkt haben. „Ich würde mir wünschen, dass das Gesundheitsamt in einem Infoschreiben an die Eltern erklärt, warum es den Weg so beschreiten musste“, sagt Schulleiterin Bienk.

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