Ferien-Projekt

Oberhausener Kinder stellen Kunst-Ausstellung auf die Beine

Mit dem Smartphone die Kunstwerke digitalisieren – so kann man sie wenigstens jedem immer zeigen.

Mit dem Smartphone die Kunstwerke digitalisieren – so kann man sie wenigstens jedem immer zeigen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  In fünf Tagen haben Oberhausener Kinder fünf Kunststile kennen gelernt. Nun hat der künstlerische Nachwuchs die Ergebnisse den Eltern gezeigt.

Nur noch ein paar Minuten: Aufgeregt und ungeduldig hüpfen zwölf Kinder von einem Bein aufs andere. Melanie Brand, 29, studierte Sozialpädagogin des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM,) beeilt sich deshalb mit ihrer Rede. Sie dankt den Eltern fürs Kommen – und die Kinder danken ihr, als sie endlich die Tür zur ersten eigenen Vernissage der Nachwuchs-Künstler (zwölf bis 15 Jahre) an der Marktstraße aufmacht. Es ist Samstag, 13 Uhr: Ruckzuck füllt sich die Ausstellung.

„Papa mach Fotos von meinen Bildern“, sagt einer der Jüngsten und zieht den stolzen Vater vor die Leinwand. Was die Kinder von Montag bis Freitag in jeweils fünf Stunden geschafft haben, wird den Eltern präsentiert. Zum dritten Mal ist das Kunstprojekt des CVJM Teil des Action-Guide-Programms. „Um es vorwegzunehmen: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei“, erklärt Brian Locker, 28, Erzieher und Teilzeit-Kunstlehrer, freundlich den fragenden Eltern und Kindern.

Das Smartphone ist überall verewigt

Joshua, 12, ist mit seiner Schwester gekommen. Die hat ihn schließlich überredet mitzumachen. „Ich zeichne zu Hause eigentlich nur mit dem Bleistift.“ Sein Stillleben mag er nicht gern zeigen, obwohl sein Handy und Portemonnaie in Pinselstrichen ansprechend gemalt sind. „Ich weiß noch nicht, ob ich das wieder mache – es hat aber Spaß gemacht.“ Sein Graffiti hänge er auf jeden Fall zu Hause auf, verkündet er dagegen stolz seiner Schwester. Die grinst. Soll er mal machen.

Gruppenleiter Brian Locker, Melanie Brand und Benjamin Gerwinski (27) hören solche Sätze sicher gern, denn für die Kunstwoche ist viel Vorbereitung nötig. Benjamin Gerwinski erläutert: „Die Ausstellung wird immer gut besucht und die Kinder machen wirklich wunderbar mit.“ Das sieht sein Kollege Brian Locker genauso. „Wir haben ja auch die Theorie unterrichtet. Da gab es keine Störungen – alle Kinder waren sehr aufmerksam.“

Bunte Theorie: Erst Lernen, dann Graffiti sprayen

Ob Graffiti, Stillleben, Action Painting (deutsch: Aktionsmalerei), Cyanotypie (Eisenblaudruck) oder Manga-Zeichnungen: Bevor gemalt, gesprayt, gezeichnet oder gedruckt wurde, gab es Hintergrundinfos zur Kunst. „Banksy“, Pseudonym des Graffiti-Urvaters, der mit Schablone und Spraydose arbeitet, war zum Beispiel eine Instanz, die die Kinder kennenlernten. Brian Locker ergänzt: „Außerdem sollten die Kinder nicht nur Kürzel, sondern was gesellschaftlich Relevantes sprühen.“

Auf den meisten Din-A4 Blättern und Leinwänden stehen daher Sprüche auf Englisch. So finden sich zwischen Ausreißern wie „Darth Vader“ (Bösewicht aus „Krieg der Sterne“) und einem „Devil“ (deutsch: Teufel) häufig Lebensweisheiten. „People hate, what they don’t understand“ – zu Deutsch: „Die Leute hassen, was sie nicht verstehen“. Kunst braucht Zeit – manchmal reichen aber fünf Tage.

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