Hundetrainer-Show

Oberhausen lernt von Cesar Millan, wie Hunde ticken

Cesar Millan in König-Pilsener-Arena in Oberhausen auf der Bühne.

Cesar Millan in König-Pilsener-Arena in Oberhausen auf der Bühne.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Hundetrainer Cesar Millan gastiert auf Deutschland-Tour in Oberhausen. 4000 Zuschauer machten brav Sitz – und der TV-Star kam nicht allein.

Väter sind für die Entwicklung von Kindern viel wichtiger als noch vor ein paar Jahren angenommen wurde. Das Erziehungsmodell der harten Hand gilt längst als überholt – bei der Hundeerziehung sieht’s ähnlich aus. Auch wenn sich Menschen gemeinhin ungern als Tier sehen: Für Hundepsychologe und TV-Star Cesar Millan (50) aus den USA ist das eine fast wie das andere. Logisch, dass er auf seiner aktuellen Tour „La Familia“ einspannt und mit seinen Söhnen der Hundewelt Manieren beibringt.

Kurz bevor Rebecca mit Coco und Chanel das fiktive Bühnen-Restaurant in der Köpi-Arena in Oberhausen betreten, haben Calvin (20) und Andre (25) einen ihrer Augenblicke. Im Hundekostüm tollen sie aufrecht an den Bistrotisch, an dem gleich die echten Hunde schnuppern. „Hunde haben einen natürlichen Entdeckungsdrang, der bestenfalls jeden Tag befriedigt wird“, erklärt ihr Vater Cesar Millan. Und wenn der Rudelführer etwas sagt, haben Hund und Mensch zu folgen.

Wer Cesar Millan schon kennt, erfährt wenig Neues

Als das kleine Schauspiel beendet ist, verdeutlichen Coco und Chanel ein Problem, das viele Hundebesitzer im Publikum kennen: Sie hopsen Frauchen fröhlich auf den Schoß und klauben das servierte Essen vom Teller. Die beiden Hunde wüssten nicht, wo die Privatsphäre Rebeccas anfängt. Cesar Millan geht auf die Knie und zeigt der Hundehalterin so, wo die Lieblinge hingehören: entspannt vor den Tisch. Doch die Entspannung, mahnt Millan, müsse vor dem Restaurant-Besuch eintreten – sonst würde kein Hund der Welt bei klirrendem Besteck stillhalten.

Tierschützer meckern häufig, dass Millans Methoden mitunter militärisch marode wirken. Hund und Herrchen sind für sie auf Augenhöhe. Millan manifestiert trotzdem seine Säulen der Hundeerziehung. Hunde brauchen für ihn vor allem Disziplin, Liebe und Vertrauen. Die Zuschauer werden in der neuen Show „It’s all about family“ (deutsch: Es dreht sich alles um die Familie) wenig Neues erfahren. Sie verfolgen seine Serie „der Rudelführer“, lesen seine Bücher oder ahmen die Tipps seiner DVDs nach. Jaulend geht trotzdem keiner heim, weil die Show witzig und mehr als Hundetraining ist.

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Cesar Millan: „Hunde mögen Besitzer, die ausgeglichen sind“

Als Gismo, mit 75 Kilogramm eher Pony denn Hund, die Bühne mit Martina besteigt, geht ein Raunen durch die Menge. Die imposante Erscheinung war bis vor kurzem bissig. Gismo wurde misshandelt, Martina rettet ihn und erzieht Gismo nach Millans Methode.

80 Prozent seiner Kunden sind Frauen, meint Millan und bittet Martina, auf und ab zu spazieren, die Leine locker in der Hand. Gismo scheint weder Lampenfieber noch Aufregung zu kennen – für Cesar Millan bestätigt sich damit sein Mantra. „Hunde leben anders als Menschen in der Gegenwart: vergessen schnell. Und Hunde mögen Besitzer, die ausgeglichen sind.“ Ruhe übertrage sich immer vom Menschen aufs Tier – und Martina ist ruhig.

Millans Söhne touren jetzt mit ihm um die Welt

Auf seiner Farm in Kalifornien lebt Cesar Millan abgeschieden mit Hunden, aber auch mit Lamas, Eseln, Pferden und Enten zusammen. Sie alle sind seine Familie – die leiblichen Kinder touren jetzt sogar mit um die Welt.

Andre und Calvin attestieren ihrem Vater live deutsche Tugenden, denn strikte Regeln kennen sie. „Die Haufen von vierzig Hunden zu beseitigen und keiner gehört dir“, erinnert Andre sich gut. Millans Sohn zu sein war sicher nicht so lustig, wie es sich anhört. Vielleicht reicht man sich auch deshalb demonstrativ am Ende die Hände. Vater und Söhne ernten Applaus. Brav, liebes Publikum.

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