Fair handeln

Oberhausen: Gymnasium will Welt ein bisschen besser machen

Eine Schule, die fair handelt: Oberbürgermeister Daniel Schranz, Simon Martin (Transfair), Schulleiter Uwe Bleckmann und Schüler.

Eine Schule, die fair handelt: Oberbürgermeister Daniel Schranz, Simon Martin (Transfair), Schulleiter Uwe Bleckmann und Schüler.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Sie handeln fair und sie bekommen dafür erneut das Fairtrade-Siegel. Schüler am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oberhausen haben den Weitblick.

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Deutschland, einig „Fairtrade-Land“. Neun von zehn Deutschen halten laut einer Umfrage des Umweltbundesamtes jedenfalls fairen Handel zwischen reichen Staaten und den Entwicklungsländern der Welt für wichtig. Wieso ist der Anteil der fairen Lebensmittel im Einkaufswagen mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz dann trotzdem kleiner als der für Zahnpasta mit 1,9 Milliarden Euro Umsatz? Wer geht fair voran, wenn Verbraucher zwar fair reden, aber nur wenig fair einkaufen? Nun, zumindest das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oberhausen versucht, seinen Anteil zu einer gerechteren Welt zu leisten.

Denn seit 2015 ist die Sterkrader Schule bereits Träger des Gütesiegels „Fairtrade-School“. Verliehen oder besser, zertifiziert wird das Gymnasium nun zum zweiten Mal hintereinander. Zur Feierstunde besucht sogar der Oberbürgermeister die Schüler, die sich in der Fairtrade-AG besonders hervortun, und gratuliert.

Simon Martin lobt die Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren außerdem ausdrücklich für ihre Arbeit – für den Mann von „Transfair“, dem Verein zur Förderung des fairen Handels in der Welt, sei es die erste Rezertifizierung, erklärt er in der Aula gerührt. „Ihr seid ein Vorbild für den Alltag.“ Fairtrade funktioniert also, wenn man will – und Fairtrade wird besiegelt; wenn strenge Kriterien erfüllt sind.

Gütesiegel: Fairtrade-Schulen müssen strenge Kriterien erfüllen

Immer mehr Schulen wollen nämlich „Fairtrade-School“ werden. Dafür müssen jedoch fünf Kriterien erfüllt werden: So ist ein Schulteam zu gründen und es ist ein „Kompass“ (Leitfaden) zu verfassen. Außerdem müssen mindestens zwei fair gehandelte Produkte an der Schule ständig verfügbar sein und zudem ist das Thema im Unterricht (im Gymnasium: Deutsch, Englisch, Französisch) zu behandeln. Einmal jährlich sollte dazu eine Aktion umgesetzt werden – diese gestellten Anforderungen sind für die Schule kein Problem, weil es Schüler wie Franziska Muthmann gibt.

Die 16-Jährige ist eine der zwölf wackeren Schüler, die gerne ihre Zeit dafür hergibt, die Welt ein Stück besser zu machen. Die Jugendlichen verkaufen mehr als fair gehandelte Schokolade oder Kaffee in den Pausen und auf Märkten in Oberhausen. Sie fliegen sogar wie zuletzt in den Herbstferien als Team mit drei Lehrern für 19 Tage nach Tansania, um die Partnerschule des Fairtrade-Gymnasiums kennenzulernen.

„Wir hatten Laptops als IT-Spenden im Gepäck und haben sie an der Schule verteilt.“ Das sei wenig Urlaub und vielmehr Projekt gewesen, sagt Franziska Muthmann. Sie zeigten den Schülern den Umgang mit den Laptops. „Ich habe dabei aber auch viel über mich selbst gelernt.“

Partnerschule in Tansania beeindruckt mit strengen Regeln und viel Unterricht

Die Armut und die Lebensumstände vor Ort beeindrucken die 16-Jährige. In der Edmund-Rice-Secondary-School in Aruscha im Nordosten des Landes lernen die Privatschüler teilweise bis 23 Uhr abends. Geschlafen wird gemeinsam im Schlafsaal, Smartphones sind an der Schule verboten. Ein paar Wörter Swahili, Landessprache in Tansania, zeigt ihnen der Kunstlehrer der Partnerschule.

Viele Dinge, die in Deutschland normal sind, wie Waschmaschinen und Autos, sind in der Metropole Aruscha (über 400.000 Einwohner) allerdings Luxus. Wenn Franziska Muthmann mittwochs zwei Stunden in der Fairtrade-AG verbringt, wisse sie jetzt, „für wen man das alles macht“.

Im Freiherr-Gymnasium stehen viele Menschen wie Franziska hinter dem Fairtrade-Siegel. Eltern, Lehrer und Schüler versuchen, wo immer es geht, im Unterricht, im Lehrerzimmer beim Kaffee oder am derzeit defekten fairen Getränkeautomaten nachhaltig zu sein und zu handeln.

Auch 2020 werden wieder viele faire Veranstaltungen besucht

Die Schüler der Neunten schießen dazu auch 2020 ihre Tore am „Mein Tag für Afrika“ in einem Benefizspiel für Spendengelder. Diese Hilfe und das Siegel allein sind natürlich keine Versicherung, dass bei den betroffenen Menschen im armen Teil der Welt wirklich mehr Fairness herrscht – aber irgendwer muss immer den Anfang machen.

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