Abschied

Oberhausen: Arrivederci, Adria – das Ende einer Eiscafé-Ära

Sagen jetzt Osterfeld ade: Angelo und Giulia Lorenzi.

Sagen jetzt Osterfeld ade: Angelo und Giulia Lorenzi.

Foto: Valeria Lorenzi / Eiscafé Adria

Oberhausen.  Seit Jahrzehnten sind Giulia und Angelo Lorenzi an der Gildenstraße in Oberhausen-Osterfeld eine Institution. Jetzt heißt es, Abschied zu nehmen.

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An der Gildenstraße in Osterfeld geht am Samstag, 14. Dezember, eine gastronomische Ära zu Ende. Das Eiscafé Adria, das hier seit 1961 präsent ist, schließt. Der traditionsreiche Eiscafé-Name verschwindet. Für einen Nachfolger und einen neuen Namen ist allerdings schon gesorgt.

Doch beginnen wir ganz am Anfang, anno 1961 also, tauchen wir ein in eine Zeit des auf Hochtouren brummenden, späten Wirtschaftswunders. Damals eröffnete Ruggero Clerici das Eiscafé Adria an der Gildenstraße 3, 1963 folgte der Umzug an die Gildenstraße 15, nur ein paar Häuser weiter also, wo sich das Eiscafé noch heute befindet und sich eines nach wie vor regen Kundenzustroms erfreut.

Längst führt hier allerdings nicht mehr Ruggero Clerici die Regie, der 1996 nach Italien zurückkehrte. Schon 1980 fingen nämlich Giulia und Angelo Lorenzi hier im Eiscafé Adria an. Als 1996 der Besitzer in den Ruhestand ging, übernahmen sie das gastronomische Geschäft.

Seit Jahrzehnten also stehen sie hier an der Eistheke und bedienen ihre Gäste. Man darf wohl formulieren: Die beiden sind eine Osterfelder Institution, auch wenn sie eher bescheiden auftreten und nicht das Rampenlicht des Geschäftslebens suchen. Wer für ein paar Minuten in ihrem Café Platz nimmt und einen Espresso genießt, spürt sofort, dass die Gäste gern hier sind und offenbar öfters kommen. Prall gefüllt ist das Café auch an einem Winternachmittag. Es gibt nicht nur Eis, sondern zum Beispiel auch Waffeln, Kuchen und Torten. Zwei Herren unterhalten sich auf Türkisch, zwei Damen machen gerade eine Pause vom Einkaufsbummel in Osterfeld. „Adria“ – das ist ein echter Treff- und Kommunikationspunkt im Herzen des Stadtteils.

2011 feierten sie hier mit vielen Gästen das 50-Jahre-Jubiläum des italienischen Familienbetriebs. Und jetzt steht am Samstag, 14. Dezember, das Abschiedstreffen auf dem Programm, so schmerzlich das für alle Beteiligten auch ist. Denn während all der vergangenen Jahrzehnte haben die Lorenzis nie den Kontakt zur Heimat verloren. Auch die beiden Töchter Valeria und Nadia, in Deutschland geboren, waren immer wieder in Norditalien, in den Dolomiten, wo die Familie zuhause ist. Die Töchter leben jetzt dort. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch Giulia und Angelo Lorenzi nun ihren Kindern und Verwandten nachfolgen und in ihr kleines Dolomiten-Heimatdorf zurückkehren werden. „Ja, das wird sicherlich auch für uns nicht einfach. Das ist ein großer Einschnitt“, sagt Giulia. „Aber das hatten wir immer schon vor.“

Nachfolger steht schon bereit

Die gute Nachricht: Wenn das Eiscafé Adria am Samstag schließt, steht mit Enrico Gurrera schon ein Nachfolger bereit. Sein „Valentino Eis“ und die dazugehörigen Eiswagen sind in Oberhausen bestens bekannt. Nun wird der Italiener an der Gildenstraße 15 unter dem bewährten Namen „Valentino Eis“ erstmals ein stationäres Café eröffnen. Nach einer kleinen Umbau- und Modernisierungsphase soll es voraussichtlich im Februar 2020 an der Gildenstraße 15 losgehen.

Für eine besonders schöne Erinnerung ans „Adria“ hat unterdessen die Lorenzi-Tochter Valeria gesorgt, die mit Blick auf den Eintritt ihrer Eltern in den Ruhestand eigens aus den Dolomiten nach Osterfeld angereist ist. Sie fotografierte ihre Eltern an der Osterfelder Eistheke – genau so wie es einst geschah, als alles begann. Und das Allerschönste: Valeria stellte diesen Fotovergleich für unseren Bericht zur Verfügung: Dafür sagen wir natürlich: Grazie! Und wünschen mit allen Osterfeldern alles Gute für die familiäre Rückkehr in die Dolomiten!

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