Westwind-Festival

Muntere Gala eröffnet „Westwind“-Festival im Theater

Der Intendant rappt mit Daniel Rothaug vom Ensemble zu den fetten Beats des Trios „Westwind of Change": Ein scharfer Einstieg in den Reigen der Festreden.

Der Intendant rappt mit Daniel Rothaug vom Ensemble zu den fetten Beats des Trios „Westwind of Change": Ein scharfer Einstieg in den Reigen der Festreden.

Foto: Franz Naskrent / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Zum Auftakt des „Westwind“-Festivals für junges Publikum im Theater Oberhausen gab’s neben Festreden fette Beats und einen rappenden Intendanten.

Kurzfilmtage aufgepasst: Als Gastgeber des „Westwind“-Festivals für junges Publikum zeigte das Theater, wie sich aus einer Reihe von Festreden plus Gratulationscour mit wenigen Mitteln eine vollends muntere Inszenierung machen lässt. Eine gut aufgelegte Band mit einer hübschen Variationsbreite von Tuschen und Rock-Fanfaren gehört unbedingt dazu. Einen fetten Rap kann man allerdings wohl nicht von jedem Chef einer städtischen Kulturinstitution verlangen.

Zum derben Beat seines Theatermusikers Martin Engelbach rappte Florian Fiedler Seite an Seite mit Daniel Rothaug „Hallo Hypothalamus! Hallo Lust!“ – bis das Publikum im Theatersaal nach Kräften mitzog. Links und rechts des Rednerpults zwei plüschige Fauteuils – auch das braucht’s für eine gelungene Festeröffnung, als Ruhezone für das höchst agile Moderatoren-Duo Ayana Goldstein und Mervan Ürkmez: „Wir haben uns in Schale geworfen“ – und nicht nur sie. Auch die Band „Westwind of Change“ zeigte stürmische Föhnfrisuren.

„Ein fantastisches, hoch entwickeltes Angebot“

Die Ministerin bekannte neidvoll: So einen schicken Look hätte sie auch gerne getragen. Nur sechs Wochen nach Eröffnung der Kurzfilmtage war Isabel Pfeiffer-Poensgen wieder in Oberhausen – von der Band begrüßt mit „Hit the Road, Jack“. Die parteilose Kulturministerin, bis vor zwei Jahren noch Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, konstatierte für die Kindertheater-Szene „ein fantastisches, hoch entwickeltes Angebot“. Jetzt sei es Zeit für eine landesweite Bildungspartnerschaft von Bühne und Schule.

Die bringt das Theater Oberhausen mit immerhin zwölf Patengruppen und -klassen für die sieben Festivaltage bereits mit: vom Kindergarten „Karibu Sana“ in Alstaden bis zu den beiden Gesamtschulen Weiherheide und „Fasia Jansen“. Es gibt internationale Beobachter aus Antibes und Istanbul, aus Bethlehem und Byron Bay in Australien, kurz: Die elf ausgewählten Aufführungen aus NRW sind nur ein Teil dieses „Westwind“-Festivals, das zu jeder Inszenierung Gespräche anbietet – und für die bescheiden „Rahmenprogramm“ genannten Extras jugendliche Theatermacher aus El Salvador und Nicaragua in Oberhausener Gastfamilien vermittelte.

„Noch mehr in die Stadt hineingehen“

„Wir müssen noch mehr in die Stadt hineingehen“, appellierte Kirstin Hess. Die Dramaturgin aus Düsseldorf erinnerte an den 30. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention – und daran, welche globalen Bewegungen Jugendliche in jüngster Zeit angestoßen hatten: Emma González mit ihrem „March for our Lives“ gegen die US-Waffenlobby. Und natürlich Greta Thunberg mit den „Fridays for Future“. Auch für die Künste sei es Zeit zu reagieren, meinte Kirstin Hess. „Auch in den Theatern müssen wir mehr Raum für Kontroverse und Streit schaffen.“

Für Oberhausens erstes „Westwind“-Festival seit zwölf Jahren lautet das Motto des Rahmenprogramms „Offene Gesellschaft“. Isabel Pfeiffer-Poensgen wertete es als Anspruch und Appell.

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