Solokonzert

Mike Shinoda besiegt in Oberhausen Trauer mit seinem Lächeln

Mike Shinoda lächelt dem Oberhausener Publikum den ganzen Abend über zu. Im März ist der Linkin-Park-Mann mit seinem Soloalbum „Post Traumatic“ auf Europatournee.

Mike Shinoda lächelt dem Oberhausener Publikum den ganzen Abend über zu. Im März ist der Linkin-Park-Mann mit seinem Soloalbum „Post Traumatic“ auf Europatournee.

Foto: Lars Heidrich

Oberhausen.   Nach dem Tod von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington haben Fans „schwierige Emotionen“. Mike Shinoda möchte gerade deswegen Spaß verbreiten.

Man will ihm zurufen: „Zieh doch deinen Pulli aus!“ Doch das weiße Oberteil bleibt an, während das Publikum in Beats und Bässen schwitzt. Rapper sind halt cool – könnte man meinen. Doch Mike Shinoda, der Sprechgesangskünstler dort oben auf der Bühne, bedient das Klischee vieler seiner Kollegen nur ganz bedingt. Mit seiner freundlichen Art und großen Musikalität zeigt der Linkin-Park-Mann am Mittwochabend in Oberhausen, dass er mehr kann.

Klar, auch er reimt während seines Solokonzerts im Takt. Aber er singt auch, dirigiert das Publikum zu älteren Liedern seiner Band und wirbelt zu neuen eigenen Klängen über die Bühne – alles lächelnd in seinem weiten Pulli und den Händen an Mikrophon, Keyboard, Gitarre, Synthesizer und, und, und.

Aus den Boxen der Turbinenhalle schallt eine Mischung aus Rock, Rap und Elektro – so wie man es von Linkin Park kennt. Den 42-Jährigen unterstützen am Abend auf der Bühne, nur möchte man in Anbetracht des voluminösen Sounds fast meinen, Dan Harris an Gitarre und Keyboard sowie Dan Mayo am Schlagzeug.

Viele im Publikum haben „schwierige Emotionen“

Mike Shinoda kann aber nicht nur so laut wie beim Nu-Metal-Klassiker „Papercut“. Er schlägt in der Turbinenhalle auch leisere Töne an. Sei es mit „Over Again“ oder „Sorry for Now“. Das Ziel des 42-Jährigen: „Es geht einfach darum, Spaß zu haben.“ Eigentlich die Regel auf Konzerten – möchte man meinen.

Doch vor ein paar Wochen sagte Mike Shinoda im Interview mit dieser Zeitung: „Ich weiß, dass es viele Leute da draußen gibt, die zu meinen Konzerten mit schwierigen Emotionen kommen – wegen Chester und Linkin Park.“ Und auch an diesem Mittwoch weiß man vor dem Konzert nicht so recht was man in den Gesichtern der Menschen lesen soll – vor allem von denen in Linkin-Park-Fan-Shirts.

Chester Bennington nahm sich 2017 das Leben

Der Grund für ihre „schwierigen Emotionen“: Linkin-Park-Frontmann Chester Bennington hatte sich im Juli 2017 in seinem Haus in Kalifornien das Leben genommen. Für Anhänger der Rap-Rocker ein Schock. Natürlich auch für Shinoda, der sich kurz nach diesem einschneidenden Ereignis im Studio einschließt und an eigenen Songs arbeitet – aus denen mit „Post Traumatic“ ein ganzes Album wird mit dem er aktuell auf Tour ist. Und mit dem der während der ganzen Show lächelnde Mike Shinoda seinem Publikum Spaß bereitet. Mission in Oberhausen erfüllt.

Der emotionalste Moment am Abend beginnt mit einer kurzen Rede, bei der sich Shinoda selbst mit Piano-Klängen begleitet. Er spricht von Chester Bennington und davon, dass dieser die Welt immer in schwarz und weiß wahrgenommen habe. Seinen Zuhörern gibt er mit auf den Weg: „Es muss nicht immer der beste Tag gewesen sein. Es reicht auch einfach mal, wenn er okay war.“

Einleitungsworte für den wohl größten Linkin-Park-Hit „In the End“, bei dem das Publikum die Parts von Chester Bennington übernimmt. Gänsehaut. Bei einigen fließen Tränen. Diese trocknen, als das Publikum sofort danach „Numb“ im Chor singt.

Schlussakt des Abends in Oberhausen: „A Place for My Head“, bei dem die Halle noch einmal kollektiv ausrastet – gemeinsam mit Mike Shinoda und der Vorband des Abends, Don Broco. Deren Sänger Rob Damiani schreit kurzerhand die markerschütternden Passagen von Chester Bennington. Da trägt auch Mike Shinoda längst schwarzes T-Shirt anstatt weißem Pulli.

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