Kurzfilmtour

Kurzfilmtour zeigt 13 Meisterwerke in Oberhausener Kino

„Call of Comfort“, Brenda Liens neunminütiger Experimentalfilm, widmet sich der Entmündigung des Menschen im digitalen Zeitalter.

„Call of Comfort“, Brenda Liens neunminütiger Experimentalfilm, widmet sich der Entmündigung des Menschen im digitalen Zeitalter.

Foto: Kurzfilmtour

Oberhausen.  Der Tourneestopp des Deutschen Kurzfilmpreises zeigt vom 5. bis 11. September in drei Programmen kurze Spielfilme, Animationen und Dokus.

Die Kinotournee des renommierten Deutschen Kurzfilmpreises (Lola-Filmpreis) zieht wieder um die deutschen Lichtspielhäuser. Fans können sich auf ein gewohnt abwechslungsreiches Line-up freuen: kreativ, experimentierfreudig, aufrüttelnd und amüsant – dafür mus man den Kurzfilm liebhaben. Vom 5. bis 11. September kommt der Publikumsliebling „Kurzfilmtour“ nach Oberhausen. Die Lichtburg präsentiert in drei Programmen mit Wiederholungen alle 13 Filme aus dem aktuellen Kurzfilmpreis-Repertoire.

Ein Mädchen geht mit Vater auf Elchjagd

Für den charmanten Auftakt des ersten Programms – zu sehen von Donnerstag bis Sonntag, 5. bis 8. September, jeweils um 18.30 Uhr – sorgt der Animationsfilm „Cat Days“. Jon Frickey erzählt auf spielerische Art von existenziellen Fragen der Kindheit und des Erwachsenwerdens. Weil der kleine Jiro krank ist, bringt ihn sein Vater zur Ärztin. Ihre Diagnose: Jiro hat Katzenschnupfen und muss daher eine Katze sein.

„Das satanische Dickicht – 3“ von Willy Hans ist der dritte Teil einer experimentellen Kurzfilmreihe und erzählt wie das Chaos beim Familienurlaub auf dem Campingplatz einbricht. In „Everything alright“ von Borbála Nagy geht es um den Grenzsoldaten Alpár und seinen ersten Arbeitstag an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien, wo er sein Land vor Geflüchteten beschützen soll.

Die Coming-of-Age-Geschichte „Rå“ von Sophia Bösch erzählt von der 16-jährigen Linn, die als einziges Mädchen mit ihrem Vater und dessen Freunden auf Elchjagd gehen darf. „Follower“ von Jonathan B. Behr ist ein Horrorfilm aus Sicht eines Smartphones: Während Clara nachts beim Babysitten ist und mit ihrem Freund chattet, beginnt ein Fremder, ihr auf Instagram zu folgen. Bald stalkt der Follower sie nicht nur online.

Zwei Kleinstädter im Hauptstadt-Hostel

Das zweite Programm für Nachtschwärmer zeigt die Lichtburg am Freitag und Samstag, 6. und 7. September, jeweils um 23 Uhr. Daniel Popats Film „Hostel“ lässt in einem Berliner Hostel zwei scheinbar Fremde aufeinandertreffen. Es stellt sich heraus, dass sie nicht nur beide aus Russland, sondern auch aus derselben Kleinstadt kommen. In „Nach dem Fest“ von Hannes Schilling bedrängt der Obdachlose Andi seine Bekannte Sandra, um der Einsamkeit des rauen Straßenlebens zu entkommen. Die beiden brechen zusammen in ein Haus ein und kommen sich näher.

„Joe Boots“ von Florian Baron erzählt von dem US-amerikanischen Kriegsveteranen Joe, den seine Erfahrungen im Irak auch nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Pittsburgh nicht loslassen. In Florian Maubachs Animationsfilm „Räuber und Gendarm“ erkennt Daniel während des Spiels mit seinen Freunden, dass es zwischen Fangen und Gefangenwerden noch etwas anderes gibt.

Achterbahnfahrt „am Rande des Wahnsinns“

Brenda Liens experimenteller Film „Call of Comfort“ widmet sich dem Menschen im digitalen Zeitalter. „Bitte stimme den Nutzungsbedingungen zu, um ein Teil der Gemeinschaft zu sein“, verlangt die Big Data Kristallkugel. Ihr „Ruf der Behaglichkeit“ zeigt, wie moderne Technologien uns dazu verführen, unsere Privatsphäre zu opfern. In „Making of (Germania Dreamland)“ durchstreift die Kamera von Istvan Gyöngyösi Berlin als Freizeitpark zwischen zwei Flughäfen: Tempelhof und Schönefeld.

Das dritte Programm schließlich zeigt von Montag bis Mittwoch, 9. bis 11. September, jeweils um 18.30 Uhr, zwei längere Dokumentarfilme von 25 und 75 Minuten: Ann Sophie Lindströms „The Bitter with the Sweet“ erzählt vom wortkargen Cowboy Ricky, 62, und der wortgewandten Gretchen, 55. Dieser intime Dokumentarfilm zeichnet ihre Beziehung als emotionale Achterbahnfahrt „am Rande des Wahnsinns“. Mit „Impreza - das Fest“ reagiert Alexandra Wesolowski auf den Rechtsruck in Polen: Die Matriarchin Danuta bereitet ihre Goldene Hochzeit vor und nimmt ihre ganze Familie in die Pflicht. Auch die deutsche Nichte Alexandra reist an und merkt, dass sie mit ihren liberalen Ansichten alleine dasteht.

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