Kommentar

Klinikum KKO: Ein Gebräu aus Dilettantismus und Unvermögen

Ein Kommentar zu den Gründen der Misere beim Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO) von Redakteur Peter Szymaniak.

Ein Kommentar zu den Gründen der Misere beim Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO) von Redakteur Peter Szymaniak.

Foto: Gerd Bertelmann / Funkegrafik NRW

Oberhausen.  Wer hat Schuld an der Misere des Katholischen Klinikums (KKO), die nun wohl zu Kündigungen und Schließung eines Krankenhauses führen wird?

Und wieder sind es die Beschäftigten, die Arbeitnehmer, die sich Tag und Nacht im anstrengenden Schichtbetrieb für Patienten, Kollegen und Chefs aufgerieben haben: Sie müssen die Misere im deutschen Krankenhauswesen ausbaden, die sie nicht zu verantworten haben. Krankenschwestern, Ärzte, Therapeuten, Betreuer, Bürokräfte, Assistenten sind nun erst einmal die Leidtragenden des Insolvenzverfahrens des Katholischen Klinikums KKO – zehn Prozent der Kräfte werden schon in den nächsten Monaten abgebaut.

Komplizierte Schuldfrage

Doch wer hat wirklich Schuld daran, dass beim KKO nun die harten Personaleinschnitte erfolgen müssen, Dutzende Kräfte wohl sogar direkt gekündigt werden und ein komplettes, von vielen geachtetes Krankenhaus geschlossen werden muss? Warum wurden noch in diesem Jahrzehnt vom KKO zehn Millionen Euro in den Eingangsbereich des St. Josef und in Fluchttreppen gesteckt, wenn doch das Hospital aus wirtschaftlichen Gründen nun schließen muss?

Bedauerlicherweise ist das deutsche Gesundheitssystem so komplex, dass man mit dem Finger auf jeden zeigen könnte: Politik, Land, Krankenkassen, Geschäftsführer, Anteilseigner. Sie alle sind verantwortlich für Fehlstrukturen: Es gibt im Ruhrgebiet zu viele, zu allgemeine Krankenhäuser mit zu schlechter Bausubstanz auf zu engem Raum; Unterbelegung: Zu viele Krankenhäuser haben eine zu geringe Belegung und stehen unter Druck, aus wirtschaftlichen Gründen mehr und mehr gefährliche und teure Operationen auszuführen; Unterfinanzierung: Über Jahrzehnte gab das Land zu geringe Gelder für Bauinvestitionen; Dilettantismus: Historisch gewachsen betreiben kleine Kirchengemeinden mit wenig gesundheitsökonomischen Wissen viele Millionen Euro umsetzende Kliniken.

Eigentlich hat man es gewusst

Wenn allerdings viele irgendwie Schuld haben, hat am Ende keiner Schuld. So einfach kann man es sich in Oberhausen auch nicht machen. Wer 2011/2012 erkannt hat, dass man drei Krankenhäuser, mehrere Altenheime und Hospize zum Katholischen Klinikum KKO fusionieren muss, der muss auch gewusst haben – mit den veralteten komplexen und maroden Strukturen kommt man nicht weit. Doch man handelte nicht.

Als in den vergangenen Jahren im operativen Geschäft Verluste auftauchten, haben Aufsichtsräte und Geschäftsführer die Augen verschlossen und auf Besserung gehofft. Man handelte nicht. Jede Kirchengemeinde hing an ihrem Krankenhaus und tat so, als ob man bei sich selbst keinen Reformbedarf hatte.

Eine Frage der Zeit

Als man noch Zeit hatte, einen potenten Partner selbst auszusuchen, handelte man nicht. Wenn man rechtzeitig und tabulos analysiert hätte, dann hätte man nicht zig Millionen Euro ins Josef-Hospital versenkt und müsste als katholisches Haus jetzt nicht betriebsbedingte Kündigungen durchwinken. Versagt haben also die alte Geschäftsführung, die Aufsichtsräte, die Kirchengemeinden und das Bistum Essen. Was sagt eigentlich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck zur Kündigungswelle im KKO?

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