Jahresrückblick

Klare Mehrheit gegen neue Straßenbahnlinie 105 in Oberhausen

Endet auch in den nächsten Jahren an der Stadtgrenze zu Oberhausen: Hier die Linie 105 an der Essener Unterstraße. Alle Fahrgäste müssen raus.

Endet auch in den nächsten Jahren an der Stadtgrenze zu Oberhausen: Hier die Linie 105 an der Essener Unterstraße. Alle Fahrgäste müssen raus.

Foto: Ulla Emig/WAZ FotoPool

Oberhausen.   81-Millionen-Euro-Investition scheiterte an dem vom Oberhausener Rat initiierten Bürgerentscheid. Gegner hielten Strecke für zu teuer

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81 Millionen Euro wollten Bund, Land und die städtische Nahverkehrsgesellschaft Stoag in Oberhausen für eine neue 3,3 Kilometer lange Bahnlinie zwischen Essen-Frintrop und dem Einkaufszentrum Centro ausgeben – doch die Mehrheit der Bürger lehnte diese Investition, mit 66 Millionen Euro überwiegend von NRW und vom Bund bezahlt, deutlich ab.

Bei einem Bürgerentscheid, einstimmig gewünscht vom Rat, sagten 57 Prozent der Wähler „Nein“ zum Lückenschluss zwischen Essen und Oberhausen der Straßenbahnlinie 105. Allerdings gaben am 8. März 2015 nur 23 Prozent der 165 000 Wahlberechtigten überhaupt ihre Stimme ab – und das trotz einer monatelangen hitzig geführten Kampagne von Befürwortern und Gegnern des Infrastrukturprojektes. Selbst Fans von Bürgerbeteiligung kamen ins Grübeln, bundesweit war das Echo auf die Entscheidung, eine regional wichtige Nahverkehrsstrecke mit hohem volkswirtschaftlichen Nutzen abzulehnen, für Oberhausen nicht gerade positiv.

Fehlendes Vertrauen in Stoag

Doch die Befürworter, zusammengeschmiedet im Aktionsbündnis „Sag Ja zur 105“ mit Unternehmen, SPD, Grünen, FDP, prominenten Bürgern, Gewerkschaften, Händlern und Sozialverbänden, schafften es nicht, die Bürger mit ihren Argumenten zu überzeugen. Die meisten fanden die Straßenbahn mit einer Strecke auf Stelzen über das leere Stahlwerksgelände hinweg viel zu teuer. Sie glaubten nicht, dass die Stoag ihren Investitionsanteil in Höhe von 13 Millionen Euro, verteilt über 30 Jahre, leicht schultern können würde – und befürchteten Einschnitte bei Stoag-Buslinien. Zudem hielten sie den Nutzen der neuen Strecke für recht klein: Schließlich verbindet schon heute ein Bus den Endpunkt der Linie 105 an der Essener Stadtgrenze mit dem Centro. Dass die neue Bahn die Fahrzeit bis nach Sterkrade und zum Oberhausener Hauptbahnhof stark verkürzen und lästiges Umsteigen entfallen würde, fiel nicht ausreichend ins Gewicht.

Letztendlich geriet die Straßenbahn-Entscheidung in den Sog des Oberbürgermeister-Vorwahlkampfes: Die seit Juni 2014 in Oberhausen regierende Ampelkoalition aus SPD, Grünen und Liberalen setzte sich massiv für die Linie ein. Die sich sonst so wirtschaftsnah gebende CDU-Opposition positionierte sich dagegen und schlug eine Alternativ-Strecke mit geringeren Kosten, aber auch geringerem Nutzen für Fahrgäste vor. Bürgerbündnis BOB und Linke, sonst Nahverkehrsfreunde, geißelten die Linie 105 als überteuertes Prestigeobjekt.

Aufgegeben ist das Projekt damit nicht: Die Stoag meldete nun die Linie für den NRW-Nahverkehrs-Plan an. Realisierungschance: bis 2030.

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