In den Ruhestand

KKO-Chefärzte Niederau und Zimmermann sagen Adieu

Die beiden Chefärzte (v.l.) Dr. Christoph Zimmermann und Prof. Dr. Claus Niederau verabschiedeten sich am 15. Januar 2020 im St.-Josef-Hospital in Oberhausen in den Ruhestand.

Die beiden Chefärzte (v.l.) Dr. Christoph Zimmermann und Prof. Dr. Claus Niederau verabschiedeten sich am 15. Januar 2020 im St.-Josef-Hospital in Oberhausen in den Ruhestand.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Zwei der bedeutendsten Mediziner Oberhausens gehen in den Ruhestand – und hinterlassen in der Gesundheitslandschaft der Stadt eine große Lücke.

Sie sind dann mal weg – und hinterlassen eine schmerzhafte Lücke in Oberhausens Gesundheitslandschaft: Die beiden Chefärzte des Katholischen Klinikums Oberhausen, Prof. Dr. Claus Niederau und Dr. Christoph Zimmermann, verabschiedeten sich am 15. Januar vor über 100 Gästen mit einer großen Party im St.-Josef-Hospital in den Ruhestand.

Rund 20 gemeinsame Berufsjahre am St.-Josef-Hospital liegen hinter ihnen. Christoph Zimmermann und seinem Team haben die Oberhausener die einzige Stroke Unit der Stadt zu verdanken. Seit 2010 gibt es die Spezial-Ambulanz, seitdem ist die Sterblichkeit bei Schlaganfällen in Oberhausen um acht Prozent gesunken. Ein großer Verdienst. Dabei wollte Zimmermann einst gar kein Arzt werden.

Philosophie und Malerei zogen ihn an die Universität. Psychologie und Psychiatrie in den Anatomiekurs. Beim Zerschneiden von Hirn entdeckte der Student die Einmaligkeit des menschlichen Verstandes, da war es um ihn geschehen. Von 1973 bis 1980 studierte der gebürtige Essener Medizin in Berlin und Göttingen. Es folgte ein Promotionsstipendium der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen. Erst war er Leitender Oberarzt der Neurologie an der Uniklinik Essen, seit 1995 Chefarzt der Neurologischen Klinik am St.-Josef-Hospital in Oberhausen (KKO), seit 2002 dort zusätzlich Ärztlicher Direktor.

140.000 Menschen hat Chefarzt Christoph Zimmermann in seinem Berufsleben behandelt

„Für mich bedeuten diese Jahre etwa 140.000 Menschen“, erzählte er bei der Feierstunde im Foyer der Klinik. 140.000 Menschen habe er gesprochen, untersucht, oft in Angst gesehen. Anhaltende Überforderung, nicht immer alles richtig machen können, auch das ist, was bleibt. Aber auch die Erinnerung an die, denen geholfen werden konnte. Das gab ihm Hoffnung zum Weitermachen.

Seit Jahren verhindert die Stroke Unit bei so vielen Patienten, dass sie in Lähmung erstarren. Den großen Umzug ins St.-Clemens-Hospital hat Zimmermann mit seinem Team im Dezember 2019 noch gestemmt. Für alle, die mit ihm arbeiteten, geht es dort weiter. „Diese Abteilung bleibt bestehen.“ Das bedeutet dem Chefarzt nach der Übernahme des KKO durch den Schweizer Gesundheitskonzern Ameos eine große Erleichterung. Philosophie, Malerei, Schreiben sind seine vergessenen Kinder, die er jetzt zu neuem Leben erweckt. Gemeinsame Kochabende mit seinem Freund Claus Niederau – auch darauf freut er sich.

Niederau nickt und lacht. Wo sind sie geblieben, seine Jahre? 1973 bis 1979 das Studium der Medizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dann die Zeit am Department of Medicine der University of California in San Francisco (USA). 1989 bis 1998 war er Oberarzt und Leitender Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Uniklinik Düsseldorf. Die dortige Hepatologie-Ambulanz haben die Menschen ihm zu verdanken.

Der Kampf gegen Vorurteile begleitete Prof. Claus Niederau nach Oberhausen

Der Kampf gegen Vorurteile und Widerstände begleitete den gebürtigen Essener 1998 als Chefarzt der Klinik für Innere Medizin nach Oberhausen. „Damals dachten ja alle, Hepatitis bekommt man nur, wenn man Drogen nimmt oder Alkoholiker ist.“ Seine Aufklärungsarbeit brachte ihm auch im Magazin Focus Anerkennung ein. 15.000 Patientenakten türmten sich in seiner Abteilung. „Das waren nur die gesetzlich Versicherten, dazu kamen noch einmal 2000 Privatpatienten.“ Die Sorge um diese treibt ihn jetzt um. Denn Ameos schließt die Klinik für Innere Medizin am St.-Josef-Hospital. „Ärzte und Pflegekräfte wurden auf das St.-Marien-Hospital und das St.-Clemens-Hospital verteilt.“ Das ist ihm Trost.

Doch was wird aus den Patienten, aus den vielen, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten? Immerhin unterstützt Ameos, dass sein Oberarzt, Dr. Hans-Martin Frühauf, eine Ambulanz am St.-Clemens-Hospital eröffnet. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. In dieser Ambulanz will auch Niederau bei Bedarf ein wenig helfen.

Seit 2006 ist Niederau Vorsitzender des Ambulanten Hospizes Oberhausen. Auch diese Arbeit wird er fortführen. Ehrenamtlich bleibt er im Vorstand der Deutschen Leberstiftung aktiv. Der Liebe zur Philosophie (die er sogar in Düsseldorf zusätzlich studierte), zum Schreiben und Kochen wird auch er künftig mehr Aufmerksamkeit schenken. „Und meine Frau will ich endlich mehr unterstützen, die eine ausgezeichnete Malerin ist.“ Doch sein medizinisches Lebenswerk jetzt so zerstückelt zu sehen, das ist für ihn nur schwer zu ertragen. Da ist sie wieder, die große Sorge: „In welchem Krankenhaus sollen unsere Oberhausener Hepatitispatienten denn jetzt im Notfall schnelle Hilfe finden?“

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