Kindernotdienst

Kindernotdienst: Was auf Mülheimer und Oberhausener zukommt

Schnelle Hilfe im Notfall erhalten Mülheimer Familien für ihren Nachwuchs ab 1. Juli 2019 nur noch in der KV-Notfallpraxis am EKO.

Schnelle Hilfe im Notfall erhalten Mülheimer Familien für ihren Nachwuchs ab 1. Juli 2019 nur noch in der KV-Notfallpraxis am EKO.

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture-alliance/ ZB

Oberhausen.  Mülheimer Kinderärzte leisten ihren Notdienst ab 1. Juli nur noch an der KV-Notfallpraxis in Oberhausen. Was dadurch auf Familien zukommt.

Es ist soweit: Ab 1. Juli leisten die Mülheimer Kinderärzte ihren Notdienst nur noch in Oberhausen. Die Oberhausener Ärzte freuen sich über die Entlastung. Für Familien aus Mülheim soll sich dadurch vor allem die Qualität der Behandlungen verbessern. Denn die Notfallambulanz befindet sich am Evangelischen Krankenhaus (EKO) und damit in direkter Nähe zur dortigen Kinderklinik. Längere Wartezeiten für Oberhausener Familien soll es nicht geben. Im Gegenteil.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein verspricht sich durch diesen Schritt auch für die heimischen Patienten einen wesentlichen Vorteil.

Dr. Stephan Becker, KV-Sprecher der Kreisstelle Oberhausen, hält die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein für „längst überfällig“. Der Allgemeinmediziner betont: „Schon jetzt werden jährlich über 4000 Kinder aus Mülheim in der KV-Notfallpraxis am EKO behandelt.“ Denn im Gegensatz zu den beiden Mülheimer Krankenhäusern verfügt das EKO über eine Kinderklinik, an die der ambulante Notdienst in Oberhausen schon längst angeschlossen ist. „Das hat sich einfach bewährt.“

Möglichst kurze Wege

Die 14 Oberhausener Kinderärzte leisteten bislang auch für diese Notfälle aus Mülheim 138 Stunden jährlich. „Im Vergleich dazu boten die zehn Kinderärzte in Mülheim im Schnitt nur 28 Stunden Notdienst pro Jahr an“, führt Becker aus. Künftig werde sich die Arbeitsbelastung für die Oberhausener Mediziner nahezu halbieren. „Und ausgeruhtere Ärzte sind für eine Behandlung in diesem so sensiblen Bereich doch wohl für alle Beteiligten der größte Gewinn, auch für unsere Familien in Oberhausen.“

Ursprünglich sei auch über einen Zusammenschluss der Notdienste mit Essen und Duisburg nachgedacht worden. „Doch es war uns wichtig, die Wege für alle möglichst kurz zu halten“, sagt Becker.

Gegen die nun längeren Anfahrtswege für Mülheimer Familien laufen in der Nachbarstadt allerdings noch immer etliche Eltern und Kinderärzte Sturm. So haben dort mehr als 5000 Mülheimer eine Unterschriftensammlung und laufende Online-Petition für den Erhalt des Kindernotdienstes in ihrer Stadt unterzeichnet.

Augenärztlicher Notdienst bald nur noch in Mülheim

„Ich kann diese Kritik nicht so ganz nachvollziehen“, räumt Becker ein. Denn für ernste Notfälle ändere sich eigentlich gar nichts. „Dann ruft man einen Rettungswagen und der fährt schon heute nach Oberhausen in die Kinderklinik.“ Sicherlich sei der Weg für alle anderen Fälle nun etwas weiter. „Aber dafür entfallen gegebenenfalls Zusatzwege, da künftig sogar eine weitergehende Diagnostik gleich an Ort und Stelle durchgeführt werden kann.“

Doch nicht nur Mülheimer werden künftig im Notfall weitere Strecken in Kauf nehmen müssen. Auch Oberhausener werden sich auf den Weg nach Mülheim machen müssen. „Der augenärztliche Notdienst für Oberhausen wird in absehbarer Zeit nach Mülheim verlagert“, erläutert Becker. „Denn dort gibt es am Evangelischen Krankenhaus Mülheim eine Augenklinik, in Oberhausen haben wir aber nun einmal keine.“ Nur so könne man die politische Vorgabe umsetzen, flächendeckend so genannte Portalpraxen anzubieten. „Das sind Praxen, in denen der ambulante und stationäre Bereich eng zusammenarbeiten.“

Aus 116 117 wird 112

Und es wird noch weitere Neuerungen geben: „Die ärztliche Notrufnummer 116 117 wird mit der 112 zusammengelegt.“ Letztere sei einfach deutlich besser in den Köpfen der Menschen verankert. „Besonders wichtig wird dabei allerdings sein, dass am anderen Ende der Leitung speziell geschulte Rettungssanitäter sitzen, die die eingehenden Notfälle richtig einordnen können.“ Im Raum Köln und Aachen lief aktuell ein vielversprechendes Pilotprojekt.

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