Vandalismus

Jugendzentrum wiederholt durch AfD-Schmierereien attackiert

Sitzbänke, Boden, Skater-Anlagen und Graffiti-Wände wurden wiederholt mit Schriftzügen der rechtspopulistischen AfD beschmiert.

Sitzbänke, Boden, Skater-Anlagen und Graffiti-Wände wurden wiederholt mit Schriftzügen der rechtspopulistischen AfD beschmiert.

Foto: Wisnewski

Oberhausen.   Jugendzentrum Emscherdamm verzeichnet seit Wochen Angriffe durch Schmierereien und Diebstähle. AfD-nahe Facebookseite hetzt gegen 15-Jährigen.

Das Oberhausener Jugend- und Kulturzentrum Emscherdamm ist offenbar ins Visier politisch motivierter Vandalen geraten. Angriffe auf die Einrichtung in Holten nehmen zu, zuletzt war das Gelände an der Flugstraße über und über mit blauen AfD-Schriftzügen besprüht. Auf der Skateboard-Anlage, den bunten Graffiti-Wänden und Sitzbänken, selbst auf dem Boden prangte der Name der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland – und das nicht zum ersten Mal. „Wir empfinden das als politischen Angriff auf unsere Arbeit“, sagt Leiterin Karo Welk.

Symbol gegen Homophobie geklaut

Die erste große Attacke ist bereits einige Wochen her. Doch auch kleinere Vorfälle häufen sich: Gehisste Regenbogen-Fahnen, Symbol gegen Homophobie, würden regelmäßig gestohlen, Sticker der AfD und der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung würden regelmäßig geklebt, berichtet Dirk Wisnewski, ebenfalls Leiter des Jugendzentrums.

Doch warum trifft es ausgerechnet den Emscherdamm? „Wir stehen für humanistische Werte, wir treten gegen Rassismus und Fremdenhass ein, gegen Homophobie und für die Gleichberechtigung von Mann und Frau“, sagt Wisnewski. „Manche Menschen können das nur schwer akzeptieren und schieben uns in die linksradikale Ecke. Völliger Quatsch.“

Team geht gegen Angriffe vor

Das Team werde auf jeden Fall gegen die Angriffe vorgehen, erklärt Wisnewski. Einen konkreten Plan gibt es noch nicht. Joachim Deterding, Superintendent der evangelischen Kirche in Oberhausen (Träger des Emscherdamms), ist eingeschaltet. Die Ermittlungen der Polizei laufen.

Die blaue Farbe, die die Vandalen in der Nacht zum 2. November am Emscherdamm hinterlassen haben, ist mittlerweile bunt geworden. Über das soziale Netzwerk Facebook hatte das Jugendzentrum Sprayer um Hilfe gebeten, rund zehn Sprühdosen-Künstler standen prompt vor der Tür, um die Spuren der Angriffe zu beseitigen.

Demonstration gegen Auftritt von Björn Höcke

Ein weiterer Vorfall, unabhängig von den Attacken auf das Jugendzentrum, bereitet dem Team Sorgen: Für einen 15-Jährigen aus ihrer Gruppe endete die Demonstration am Freitag in Bottrop gegen den Besuch des umstrittenen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke auf der Polizeiwache. „Reine Schikane“, richtet Karo Welk deutliche Worte Richtung Polizei.

Was war passiert? Der Jugendliche hatte ein Plakat dabei. Darauf zu sehen: der Schriftzug „AFD“ auf rotem Grund, das „F“ so verdreht, dass der Buchstabe als Teil eines Hakenkreuzes deutlich wird. Teilnehmer der AfD-Kundgebung hätten den Jungen fotografiert und der Polizei gemeldet. „Und die kommt dann gleich mit sechs Mann, um unseren Jugendlichen aus der Gruppe zu holen“, kritisiert Welk den Einsatz als überzogen.

Das Foto begleitet den Jungen immer noch: AfD-nahe Facebook-Gruppen haben das Foto auf ihren Seiten unverpixelt veröffentlicht, Nutzer kommentieren es mit menschenverachtender Hetze.

Vorwürfe an die Polizei

Doch zurück nach Bottrop: Nach über einer Stunde Wartezeit am Rand der Demo sei der Jugendliche von zwei Beamtinnen der Kriminalpolizei abgeholt worden. Obwohl er nach anfänglichem Zögern seine Personalien preisgegeben habe. Karo Welk, bis zu diesem Zeitpunkt an der Seite des Jugendlichen, durfte den Jungen nach eigener Aussage nicht begleiten. „Man hat mir aber versichert, mit der Befragung zu warten, bis ich da bin“, erzählt sie. Doch an der Wache angekommen, musste sie feststellen: Die Befragung des Jugendlichen war bereits im vollen Gange.

Die zuständige Polizei Recklinghausen möchte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Der 15-Jährige sei auf die Wache gebracht worden, um die Personalien festzustellen, sagt ein Sprecher. Alles Weitere solle nicht öffentlich diskutiert werden, für eine Aufklärung müssten die Beteiligten ein offizielles Beschwerdeverfahren einleiten.

>>> Hintergrund: Der Emscherdamm

Das Jugend- und Kulturzentrum Emscherdamm ist ein von der Stadt anerkannter Träger der offenen Jugendarbeit. Betrieben wird es von der evangelischen Kirchengemeinde Königshardt-Schmachtendorf.

Im Schnitt 50 Kinder und Jugendliche kommen täglich an die Flugstraße. Das Team organisiert Konzerte, Partys und Beteiligungsprojekte. Die politische Arbeit richte sich nach einer humanistischen Weltsicht, sagt Leiter Dirk Wisnewski.