Wohnungsnot

Jobcenter stellt Miete ans Oberhausener Problemhaus ein

Suzana Tair (34) zeigte im Frühjahr in der Diele ihrer Wohnung an der Vestischen Straße, wie sich dort die Tapeten wegen der feuchten Wände lösten.

Suzana Tair (34) zeigte im Frühjahr in der Diele ihrer Wohnung an der Vestischen Straße, wie sich dort die Tapeten wegen der feuchten Wände lösten.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Im Konflikt um Mängel im Problemhaus Vestische Straße 20 in Osterfeld hat das Jobcenter sämtliche Zahlungen an die Vermieterin eingestellt.

Das Jobcenter hat auf die Missstände im Osterfelder Problemhaus Vestische Straße 20 mit einer Einstellung aller Mietzahlungen für die dort wohnenden Hartz-IV-Empfänger reagiert. Die Besitzerin des Hauses wiederum hat nach den Vorwürfen ihrer Mieterin Suzana Tair über die verwahrloste Wohnung Strafanzeige gegen sie gestellt.

In der Wohnung von Tair und ihren sechs Kindern fielen im Frühjahr nicht nur die Tapeten von den schimmeligen Wänden. Weder Haus noch Wohnung konnten abgeschlossen werden. Geregeltes fließendes Wasser hatte sie dort auch nicht. Nach unserem Bericht über die Zustände vor Ort war die Stadt Oberhausen konsequent eingeschritten und hatte der Vermieterin strenge Auflagen gemacht. Die hat allerdings auf den Schritt ihrer Mieterin, mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen, mit einer Strafanzeige wegen Sachbeschädigung, Betrugs und Verleumdung reagiert.

Jobcenter dreht Vermieterin Geldhahn zu

Für die alleinerziehende Mutter hat Peter Heß vom Mieterschutzbund Duisburg die Verdächtigungen gegenüber der Polizei zurückgewiesen. Die Anschuldigungen der Vermieterin seien konstruiert, schrieb er. Er wies auf die zahlreichen Mängel an Haus und Wohnung hin, die bei der Stadt aktenkundig geworden sind. Besonders übel war deren Einsatzgruppe bei einer Razzia am 24. Mai aufgestoßen, dass der Zugang zum Keller zugemauert war. Heß schrieb von einem „kaum glaublichen Ausmaß unterlassener Instandsetzungen sowie Verstöße gegen Brandschutzauflagen“.

Außerdem gab Heß der Polizei noch den Hinweis, worüber die Vermieterin vielleicht besonders verärgert sein könnte: Ihr sei nämlich der Geldhahn zugedreht worden. Das Jobcenter habe nach Bekanntwerden des Skandals verfügt, sämtliche Mietzahlungen für Bewohner des Hauses einzustellen.

Für das Jobcenter Oberhausen hat Pressesprecher Josef Vogt die vorläufige Einstellung der Zahlungen bestätigt. „Sie gilt, bis die Angelegenheit überprüft ist“, erklärte er auf Anfrage. Man warte auf fehlende Nebenkostenabrechnungen der Vermieterin. Tair hat extrem hohe Miet-Nebenkosten. Sie zahlt für 75 Quadratmeter Wohnfläche 580 Euro ohne Heizkosten. Die monatliche Abschlagszahlung allein dafür beläuft sich nach ihren Angaben auf 400 Euro. Ihre Heizkörper lassen sich nicht regulieren. Wegen des starken Schimmelbefalls lüftet sie ständig.

17 verschiedene Mängel

Suzana Tair hat das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Oberhausen um Unterstützung gebeten. Die Behörde listet in einem Schreiben an die Vermieterin insgesamt 17 verschiedene Mängel auf und forderte ebenfalls innerhalb einer Frist, sie zu beheben. Durch den Schimmelbefall bestehe eine starke Gesundheitsgefährdung vor allem der minderjährigen Kinder, heißt es in dem Schreiben.

In der Bezirksvertretung Osterfeld gab die Verwaltung vor der Sommerpause auf Wunsch der SPD einen Sachstandsbericht. Danach war die Frist für die Vermieterin noch nicht abgelaufen, die schlimmsten Mängel zu beheben. „Die Vermieterin wollte für Abhilfe sorgen“, erklärte der damalige Ordnungsdezernent Frank Motschull. Notfalls werde das zwangsweise durchgesetzt.

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