Theater Oberhausen

Horváths „Totentanz“ erahnt Heraufziehen des Faschismus

Im Regen stehengelassen: Lise Wolle (li.) als Elisabeth in Ödön von Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“.

Im Regen stehengelassen: Lise Wolle (li.) als Elisabeth in Ödön von Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“.

Foto: Katharina Kemme / Theater Oberhausen

Oberhausen.  Florian Fiedler eröffnet am Freitag, 20. September, die dritte Spielzeit seiner Intendanz mit „Glaube Liebe Hoffnung“.

Zu den Highlights des „Westwind“-Festivals der Jugendtheater zählte im Juni das Gastspiel der Düsseldorfer mit ihrer mitreißenden Bühnenfassung von Ödön von Horváths einzigem Roman „Jugend ohne Gott“. Eine Gesellschaft im Gleichschritt des Faschismus’ war damals das Thema im Großen Haus. Jetzt eröffnet Florian Fiedler am Freitag, 20. September, um 19.30 Uhr die dritte Spielzeit seiner Intendanz mit Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ und schickt gleich vorweg: „Es passt total gut in die Zeit.“

Gemeint ist der Vorabend des Faschismus’ – denn Ödön von Horváth (1901 bis 1938) schrieb sein neuntes Bühnenwerk 1932. Eine Berliner Uraufführung im Jahr der NS-„Machtergreifung“ wurde prompt auf Druck des Regimes abgesetzt. „Nazi-Meinungen werden wieder salonfähig“, sagt der Intendant zu unserer Gegenwart. Explizit ist die heraufziehende Diktatur in „Glaube Liebe Hoffnung“ noch nicht benannt. Umso nachdrücklicher zeichnen Horváth und sein Co-Autor, der Gerichtsreporter Lukas Kristl, einen „Totentanz“ der Weltwirtschaftskrise im Weg ihrer Heldin Elisabeth.

„Lauter kleine Paragrafen - und du bleibst darin hängen“

Lise Wolle spielt die Verzweifelte, die in der Anatomie ihren Körper verkaufen will, nur um das Geld für einen Wandergewerbeschein zu haben, damit sie als Vertreterin für Damenwäsche unterwegs sein darf. „Lauter kleine Paragrafen“, so zitiert Florian Fiedler die Essenz ihres einsamen Kampfes des Individuums gegen die Gesellschaft – „und du bleibst darin hängen“.

Es ist Ödön von Horváths einzigartige Sprache und die Selbst-Zuweisung seiner Werke als „Volksstücke“, die einem Wieder-Erkennen seiner Qualität lange im Weg stand. Heute wird diese „enorm verdichtete Kunstsprache“, wie Florian Fiedler sie nennt, umso höher geschätzt. Mit Dramaturg Raban Witt entstand für Oberhausen eine dritte Fassung neben den längeren und kürzeren Versionen aus Horváths Feder. Eine zusätzliche „Szene aus dem Nachlass“, so Witt, machte deutlich, wie sehr das Team die Methode des Autors verinnerlicht hat: Der „sehr unbehauene“ Text wurde während der Proben immer mehr verdichtet: So sprechen die vermeintlich „kleinen Leute“ bei Horváth. „Man versucht, sich höher zu schrauben in der Sprache“, sagt Florian Fiedler. „Es spricht aus ihnen“, sagt Raban Witt.

„Die Kostüme haben ein Farb-Geheimnis“

„Glaube Liebe Hoffnung“ beansprucht mit drei Schauspielerinnen und sechs Schauspielern in zwölf Rollen die Hälfte des Ensembles. Es ist halt ein Gesellschaftsbild – das sich Kundigen auf besondere Art offenbart: „Die Kostüme haben ein Farb-Geheimnis“, verrät der Regisseur. Selina Peyer orientierte sich an der Ebenentheorie zur Persönlichkeitsentwicklung des US-Psychologen Clare W. Graves. Florian Fiedler gibt ein anschauliches Beispiel: „Donald Trump – egoistisch, patriarchal – wäre rot.“ Soviel sei sicher beim Spielzeit-Auftakt: „Es wird kein grau-schwarzer Abend.“

Premierenkarten kosten von 12 bis 32 Euro, theater-oberhausen.de

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