Lebensretterin

Frau fährt Auto zu Schrott und rettet Mann vor Hundebissen

Lebensretterin mit zerbeultem Auto: Manuela Rimkus vor ihrem Pkw.

Lebensretterin mit zerbeultem Auto: Manuela Rimkus vor ihrem Pkw.

Foto: Michael Bresgott / WAZ Oberhausen

Oberhausen.  Manuela Rimkus steht vor ihrem schrottreifen Auto, blickt zum zerstörten Kühler und sagt: „Ich wollte helfen!“ Dafür muss sie wohl teuer zahlen.

Sie wollte helfen und steht jetzt vor ihrem schrottreifen Auto: Den Abend des 9. Oktobers 2019 wird Manuela Rimkus wohl nie vergessen. Als Hundebesitzerin fuhr sie schweren Herzens einen fremden Hund an, um dessen Herrchen vor den Bissen des Tieres zu retten. Ihr Wagen prallte dabei vor einen Straßenbaum.

Die Alstadenerin befand sich am Mittwochabend mit ihrem Pkw auf dem Heimweg, als sie auf der Straße Rehmer auf einen unerwarteten Verkehrsstau traf. Der Grund dafür wurde ihr schnell klar – sie schildert die Lage so: Auf der Straße lag ein Mann, der von einem großen Schäferhund mit Attacken und Bissen heftig traktiert wurde. Dieser Mann war zuvor Fahrgast im Stoag-Schnellbus SB 92, es kam dort laut Stoag zu einem medizinischen Notfall, was auch die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Der Mann wurde von seinem Hund, der mit der akuten Notlage seines Herrchens offenbar nicht klar kam, in Höhe der Haltestelle Lindermannstraße aus dem Bus gezogen, nachdem die Busfahrerin alle Türen geöffnet und die Leitstelle alarmiert hatte.

„Schaum vor dem Maul“

„Der Hund hatte schon Schaum vor dem Maul. Ein Maulkorb lag auf der Straße. Das Tier war nicht zu beruhigen“, berichtet Manuela Rimkus. Sie blieb zu ihrer eigenen Sicherheit im Auto sitzen, bahnte sich im Pkw einen Weg am Stau vorbei und beobachtete, wie zwei Zeugen des Geschehens versuchten, das Tier zu vertreiben; mit Schlägen, wie sie sagt. „Doch gegen einen so großen Schäferhund haben sie mit solchen Mitteln keine Chance“, sagt die 55-Jährige. Immer mehr Bisse trafen den am Boden Liegenden. Die Alstadenerin: „Da rief ich aus dem Autofenster: Ich fahre den Hund an!“

Den Helfern gelang es nach Angaben der Alstadenerin, das Tier ein wenig von dem Mann abzubringen. In diesem Augenblick gab Manuela Rimkus Gas, wie sie berichtet, und erfasste mit ihrem Pkw den Hund. Ein rechtzeitiges Abbremsen gelang ihr aber nicht mehr. Das Auto prallte vor einen Straßenbaum, was ebenfalls von der Polizei bestätigt wird.

Ambulanzen und Polizei trafen vor Ort ein. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Hund hatte das Manöver überlebt und konnte zunächst beruhigt werden. Manuela Rimkus überstand die Kollision mit dem Baum unverletzt, stand vor ihrem an der Frontseite völlig verbeulten Auto und musste die gesamte Situation erst einmal verkraften.

„Ich würde immer wieder so handeln“

Die Polizisten nahmen den Unfall auf. Die Alstadenerin wird jetzt wohl auf ihrem Pkw-Schaden sitzenbleiben, da sie den Schaden ja selbst herbeiführte. Die 55-Jährige pendelt mit dem Auto zur Arbeit und weiß nicht, wie sie das jetzt bewerkstelligen soll. Manuela Rimkus blickt auf den zertrümmerten Kühler ihres Autos und sagt: „Ich wollte nur helfen. Ich habe selbst einen Hund und weiß, wie Hunde ticken. Ich würde immer wieder so handeln, denn anders war dem Mann in diesem Augenblick nicht zu helfen.“

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