TV-Aufzeichnung

„First Ladies“ – Was TV-Zuschauer nicht im WDR sehen werden

Nichts für Präsidenten: Der WDR zeichnete bei „First Ladies“ zum ersten Mal verdiente Kabarettistinnen aus – Gerburg Jahnke moderierte. Die Show wird am Samstag (9. November) von 21.45 bis 23.15 Uhr ausgestrahlt.

Nichts für Präsidenten: Der WDR zeichnete bei „First Ladies“ zum ersten Mal verdiente Kabarettistinnen aus – Gerburg Jahnke moderierte. Die Show wird am Samstag (9. November) von 21.45 bis 23.15 Uhr ausgestrahlt.

Foto: WDR/Ben Knabe

Oberhausen.  Im Ebertbad Oberhausen hat der WDR mit Gerburg Jahnke die erste Preisverleihung für Kabarettistinnen aufgezeichnet. Ein Blick hinter die Kulisse.

Die „First Ladies“ übernehmen das Kommando! Der WDR vergibt zum ersten Mal einen Kabarettpreis nur für Frauen – und mehrere Hundert Neugierige sind darum am Dienstagabend ins Oberhausener Ebertbad gekommen. Frau Jahnke lacht wie gewohnt. Sie stiefelt auf die Bühne, breitet die Arme aus und meint nur geradeheraus: „Sorry, aber ich bin noch ziemlich verschleimt!“ Das Publikum tröstet und legt ihr akustisch die Hand auf die Schulter: „Ohhhhh!“

Alles wie immer. Doch die ehemalige Badeanstalt sieht völlig verändert aus. Grelle Lichterwände strahlen auf der Bühne. Kamera-Türme fahren auf Schienen von rechts nach links. Und eine Übertragungseinheit saust sogar an einem Kranarm hängend über die Köpfe der Zuschauer. Das Fernsehen ist da!

Männer haben bei „First Ladies“ auf der Bühne nichts zu suchen

Kabarett-Life ist diesmal zwar nicht live – doch die Aufzeichnung sorgt doch für ziemlich viel Aufregung. Mitarbeiter mit Kopfhörern in den Ohren hechten durch die Gänge. Susanne, die freundliche Stimme aus der Regie, meldet sich zwischendurch. „Gleich geht’s los!“ Genau, die Plauderei über Erkältungsspätfolgen gehört noch zum Warmmachen. Wo kommt ihr her? Oberhausen? Bottrop? Geilenkirchen? Hoppla.

Rund zweieinhalb Stunden Material werden auf dem Bildschirm später in 90 Minuten Sendung verwandelt, die am Samstag, 9. November, zwischen 21.45 und 23.15 Uhr im WDR ausgestrahlt wird. Männer sind im Publikum klar in der Unterzahl, haben auf der Bühne nichts zu suchen und sowieso nicht viel zu lachen. Eigentlich stimmt das nicht. Denn dafür ist das Programm einfach zu gut.

Gerburg Jahnke lässt zum Aufwärmen „Appläuse“ üben

Eine Jury wird Multi-Talent Sarah Bosetti auszeichnen. Die Potsdamerin Barbara Kuster wird den Ehrenpreis in Empfang nehmen. Das Publikum wird lange für den Sonderpreis der wortgewandten Idil Baydar für bissige Scherze gegen Rassismus und Diskriminierung klatschen. Und Frieda Braun wird fantastisch über Parallelen zwischen dem Herrn der Ringe und dem Inhalt von verschimmelten Tupperdosen referieren.

Lustiges trifft auf Kritisches. Beiläufiges auf Wichtiges. Und zwischendurch gibt es echte Perlen. Zum Beispiel, wenn Gerburg Jahnke vor dem Start „Appläuse“ üben lässt. Erstens. „Klatschen, aber noch nicht aus dem Häuschen sein.“ Zweitens. „Richtig Gas geben!“ Drittens. „Genau so, aber ohne, dass jemand rein quasselt.“ Ansonsten: „Bitte nicht Kaugummi kauen. Sieht doof aus. Und Handys in den Flugmodus schalten. Sonst laufen alle Ansagen auf der Mailbox über die Lautsprecher.“ Und bitte!

Gitarrensaite reißt – wahnwitziger Dialog überbrückt die Zeit

Einen Teleprompter gibt es nicht. Der einzige Mann, der hier das Heft in der Hand hält, ist ein Helfer mit Schrifttafeln im Bühnengraben. Kamerapersonal läuft durch die Sitzreihen oder umkurvt Moderatorin oder Preisträgerinnen. Die Mädelsband „Suchtpotenzial“ singt darüber, dass nicht nur Männer Schweine sein können, sondern Frauen auch – nur eben ohne die gleiche Bezahlung.

Dann passiert es! Eine Gitarrensaite reißt, mitten im Song. Gemerkt hat es keiner. Doch eine klare Ansage bringt nun Hektik. Während die Gitarristin hinter die Bühne hechtet, gilt es vorne die Zeit zu überbrücken und das Publikum bei Laune zu halten. Moderatorin Gerburg Jahnke und Sängerin Julia Gámez Martin liefern sich einen wahnwitzigen Dialog. Einer, der andere Saiten aufzieht. In dem die Saiten gewechselt werden.

WDR-Show „First Ladies“ überzeugt mit dem Nachwuchspreis

Wie geht es den Leuten in Bottrop? Auch dort gibt es ja Ecken. Sogar ein Quadrat. Das Gespräch erinnert an das 1998 umgefallene Tor im Madrider Santiago-Bernabéu-Stadion. Beim Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund als Marcel Reif und Günther Jauch die Zuschauer 76 Minuten mit Kalauern bespaßen mussten. Schade eigentlich, dass dieser improvisierte Lückenfüller kaum in der WDR-Ausstrahlung landen wird.

Lange dauert der Reigen nicht. Schließlich folgt noch der Nachwuchspreis, der zeigt, warum der Preis eigentlich überfällig war. Victoria Helene Bergemann, Erika Ratcliffe und Miss Allie messen sich. Das Publikum stimmt ab. Der Sieger ist… wird noch nicht verraten. „First Ladies“ macht Spaß – auch ohne Präsidenten. Obwohl. Einen gibt es dann doch. Hajo Sommers (Präsident beim Fußball-Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen) reißt am Eingang die Tickets ab.

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