Kirche

Erste Laienkirche in Oberhausen macht sich bereit

Die Klosterkirche der Katholischen Gemeinde Liebfrauen in Schwarze Heide an der Roßbachstraße.

Die Klosterkirche der Katholischen Gemeinde Liebfrauen in Schwarze Heide an der Roßbachstraße.

Foto: Foto: Maxi Overfeld

Oberhausen  Sinkende Einnahmen und fehlendes Personal: Die Oberhausener Gemeinde Liebfrauen wird sich künftig selbst organisieren – ohne eigenen Pastor.

. Nicht Pfarrer oder Gemeindereferenten werden bald die Sterkrader Gemeinde Liebfrauen leiten, sondern ein gewähltes Team aus fünf Laien. Als „historisch“ beschrieb Propst Peter Fabritz den Moment, als vor zwei Jahren der Vertrag zwischen dem Bistum, der Pfarrei St. Clemens und der dazugehörigen Gemeinde Liebfrauen unterschrieben wurde. Und wenn es nach der Oberhausener Steuerungsgruppe geht, der auch Gemeinderatsmitglied Günter Beck angehört, soll der neue Leitungskreis noch in diesem Jahr eingeführt werden.

Für Messen, Taufen, Hochzeiten, die Erstkommunion oder Beerdigungen kommen dann weiterhin Priester in die Gemeinde, derzeit macht Pastor Hans-Jürgen Vogel, der eigentlich schon im Ruhestand ist, viele Gottesdienste. Insgesamt gibt es in der Pfarrei St. Clemens momentan noch fünf Priester, sie sind für acht Gemeinden zuständig. In der Gemeinde Liebfrauen, deren Kirche an der Roßbachstraße liegt, ist derzeit auch noch eine Gemeindereferentin aktiv, sie soll aber, sobald es eine ehrenamtliche Leitung gibt, von ihren Aufgaben entbunden werden.

Bistum unterstützt Gemeinde vor Ort

Seit 2017 – erste Überlegungen gab es schon 2015 – laufen in Oberhausen die konkreten Planungen, wie die Gemeinde angesichts leerer Kassen und ohne eigenes Personal in Zukunft ihren Glauben gestalten kann. Das vom Bistum aufgesetzte Projekt „Modell Ehrenamtlicher Leitung“ läuft in etwas abgewandelter Form schon erfolgreich in zwei Gemeinden in Essen und Duisburg. Das Bistum, sprich hauptamtliche Begleiter, unterstützt die Gruppen vor Ort, damit

diese in einem abgesicherten Raum Erfahrungen sammeln können. Der Großteil der Arbeit geschieht durch die Gemeindemitglieder: Seit mehr als zwei Jahren trifft sich die sogenannte Steuerungsgruppe einmal pro Monat.

Wie die konkrete Ausgestaltung aussehen wird, darüber sprechen die Mitglieder der Gruppe intensiv, haben dazu bereits vor einigen Jahren eine Studie des Sinusinstituts über gesellschaftliche Milieus genutzt. Diese gab ihnen einen genauen Überblick über die sozialen, ökonomischen und kulturellen Strukturen in Schwarze Heide und Biefang, und auch über die Verbundenheit zur katholischen Kirche. Man habe viel mit den Menschen in der Gemeinde gesprochen, ihre Wünsche, Hoffnungen und Sorgen aufgenommen. „Wir haben seit Jahrzehnten enge ehrenamtliche Strukturen, die uns jetzt zugute kommen“, erklärt Beck. Alle Mitglieder seien eingeladen gewesen, Anregungen beizusteuern. Zunächst sei es auch nicht nur um die Organisationsform gegangen, sondern um die Frage, wie die Gemeinschaft den christlichen Glauben leben wolle.

Manche Gemeindemitglieder waren skeptisch

Nicht alle waren sofort begeistert von den Umbrüchen im Gemeindeleben. „Skepsis gab es“, erzählt Beck. „Aber die meisten wünschen sich auch keine Großpfarrei, bei der möglicherweise das Gemeindeleben verloren geht.“ Er selbst geht mit großer Zuversicht und Tatkraft an die Aufgabe: „Das Gemeindeleben gehört ja uns Mitgliedern und da ist es im Grunde ein normaler, natürlicher Prozess, dass wir es auch sehr aktiv gestalten wollen“, sagt er.

Auf lange Sicht, so Beck, werde es weniger Messen mit Pfarrer geben, das sei aber kein Grund aufs Beten zu verzichten. „Dafür wird es mehr Wortgottesdienste geben, die zwar ohne Eucharistie gefeiert werden, aber dennoch eine wertvolle Alternative darstellen. Wichtig ist doch, dass wir mit den Herzen dabei sind. Auch wenn es vielleicht schön ist, dafür muss nicht immer zwingend ein Geistlicher vor Ort sein.“

Leitungskreis soll für drei Jahre gewählt werden

Bei einer Gemeindewahlversammlung sollen fünf Mitglieder für drei Jahre gewählt werden, die Wahlordnung wird mit dem Bistum noch abgesprochen, damit diese auch mit dem Kirchenrecht harmonisiert. Dann werden die Gewählten durchs Bistum offiziell beauftragt. Vorsichtig geschätzt, so sagt Beck, könne dies im Herbst geschehen. Die Verantwortung sei dann auf viele Schultern verteilt, es gibt fünf verschiedene Arbeitskreise für Themen wie Finanzen, die Liturgie und die Caritas. „Aus dem Leitungskreis ist je eine Person dann in diesen Arbeitsgruppen vertreten.“

Passend zu diesen Kreisen wird je ein Vertreter dann in den Leitungskreis gewählt. „Ob der geplante Weg der Zusammenarbeit funktioniert wie wir es uns überlegt haben, muss sich noch zeigen“, sagt Beck. Aber: „Hier entsteht etwas Neues. Andere Alternativen müssten schließlich auch erst ausprobiert werden.“

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