Kinotipps

Endlich filmreif: Bruce Springsteens Songs in Cinemascope

Oscar-gekrönt: KiKi Layne als Tish mit Stephan James als Fonny in „Beale Street“. Mit dieser Romanverfilmung feierte das liberale Amerika auch die Wiederentdeckung des großen afroamerikanischen Erzählers James Baldwin.

Oscar-gekrönt: KiKi Layne als Tish mit Stephan James als Fonny in „Beale Street“. Mit dieser Romanverfilmung feierte das liberale Amerika auch die Wiederentdeckung des großen afroamerikanischen Erzählers James Baldwin.

Foto: Tatum Mangus / Annapurna Pictures

Oberhausen.  Ein Brite musste seine Verehrung für Bruce Springsteen beichten, damit der Boss endlich ins Kino kommt. Einen weiteren Ohrwurm liefert „Gloria“.

„Once upon a Time in Hollywood“ wird man so schnell nicht verpassen, denn der neue Tarantino dürfte im Dauereinsatz bleiben. Aber es gibt in dieser Woche noch so viel mehr sehenswerte Arthouse-Filme.

Ein Verbrechen und seine Folgen

„Beale Street“ macht bekannt mit dem Werk des großen afroamerikanischen Erzählers James Baldwin (1924 bis 1987), zu sehen im Kino im Walzenlager jeweils um 18 Uhr. Barry Jenkins’ Verfilmung erzählt von Harlem anfangs der 1970er Jahre: Das Glück des jungen Paares Tish und Fonny droht zu zerrinnen, als Fonny beschuldigt wird, eine puerto-ricanische Haushälterin vergewaltigt zu haben. Trotz entlastender Indizien bleibt er bis zum Beginn des Prozesses in Untersuchungshaft. Während Fonny im Gefängnis versucht, für seine Freundin stark zu bleiben, setzt die schwangere Tish alles daran, seine Unschuld zu beweisen.

Ein Verbrechen und seine Folgen beleuchtet aus bürgerlicher Perspektive die deutsch-spanische Produktion „Das schönste Paar“, jeweils um 20 Uhr im Walzenlager-Kino. Sven Taddickens Film erzählt vom Lehrerpaar Liv und Malte, das einen romantischen Sommerurlaub am Mittelmeer genießt. Als ein Überfall durch drei Jugendliche in einen sexuellen Übergriff mündet, wird ihr Leben aus der Bahn geworfen. Zwei Jahre später hat das Paar hat an seiner Beziehung festgehalten und Stärke im Umgang mit dem traumatischen Erlebnis bewiesen. Doch dann begegnen sie zufällig einem ihrer Peiniger.

Die Kraftquelle aus New Jersey

Songtexte und Musik des jungen Bruce Springsteen sind in ihrer Opulenz derart cineastisch, dass man sich schon wundern darf, warum erst jetzt aus dem Cinemascope-Rock aus New Jersey ein Film geworden ist – noch dazu ein britischer: „Blinded by the Light“. Javed und seine Familie werden in ihrer englischen Kleinstadt als Einwanderer schief angesehen. Sein Vater reagiert mit strenger häuslicher Zucht. Javed versucht sich dem Druck drinnen wie draußen zu entziehen. Seine Kraftquelle sind die rebellischen Songs von Bruce Springsteen. Er entdeckt sogar Parallelen zwischen seinem Leben und dem des jungen „Boss“. Ein gutes Dutzend epischer Songs ist hier in Musical-Form zu bestaunen, in der Lichtburg täglich um 18.15 und 20.30 Uhr.

Einige seiner besten Momente erlebt Hollywood abseits der Blockbuster, wenn es fremdsprachige Filme nochmal in Bilder bannt. So geschehen mit „Gloria“, vor sechs Jahren ausgelassen gefeiert vom Berlinale-Publikum. Den gesamten Abspann hindurch wurde zum Titelsong von Umberto Tozzi stehend applaudiert. Nun präsentiert der Chilene Sebastián Lelio sein eigenes US-Remake dieser Frauenpower-Komödie. Statt Bären-Gewinnerin Pauline García übernimmt Julianne Moore die Rolle der resoluten Titelheldin, singt nun Laura Branigan den Ohrwurm. Die Story ist geblieben, wurde nur nach Los Angeles gebeamt. Die geschiedene Gloria will ihrem langweiligen Leben ein bisschen Lust und Liebe abtrotzen. Und der elegante Rodolfo erscheint wie der ideale Kandidat für eine Romanze. In der Lichtburg bezaubert Julianne Moore an der Seite von John Turturro täglich um 16 und 19 Uhr.

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