Kunst

Ein wundersames Oberhausener Künstlerpaar

Corinna Kuhn und Detlef Kelbassa in ihrem wundersamen Zuhause.

Corinna Kuhn und Detlef Kelbassa in ihrem wundersamen Zuhause.

Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.   Wer zu Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn zu Besuch kommt, läuft im Hausflur zunächst an ihrer Wunderkammer vorbei. Das ist eine meterlange Glasvitrine linkerhand, in der äußerst wundersame Wesen wahrscheinlich seltsame Träume träumen - bis sie irgendwann wieder ausgestellt werden

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Wer zu Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn zu Besuch kommt, läuft im Hausflur zunächst an ihrer Wunderkammer vorbei. Das ist eine meterlange Glasvitrine linkerhand, in der äußerst wundersame Wesen wahrscheinlich seltsame Träume träumen - bis sie irgendwann wieder ausgestellt werden. Aber wer dann diese Wunderkammer links liegen lässt und die Wohnung betritt, findet sich in einer noch viel größeren wundersamen Kammer wieder. In der leben die beiden Künstler in friedlicher Koexistenz mit ihren Geschöpfen, deren Artenvielfalt den Betrachter sehr verwundert.

Kelbassas Panoptikum

Seit dem Jahr 2000 firmieren die Beiden Künstler unter dem Namen Kelbassas Panoptikum. Gerade im Moment und noch bis zum 5. Oktober stellen sie im Landschaftspark Duisburg-Nord unter dem Titel „Refugien II“ einen Teil ihrer Schöpfungen aus. Dazu gehört die Wandersprosse (Stirps vagans meulleri) - ein biomorpher Neophyt. Der Leser wird es gleich merken: Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn präsentieren ihre Arbeiten immer auch mit einem Schmunzeln. Aber die seltsamen Wesen übermitteln auch Botschaften. Eine Geschichte: Auf dem Gelände des Landschaftsparks, auf dem sich durch die Erze aus aller Herren Länder so viele fremde Pflanzen ansiedelten, ist auch die Wandersprosse ein „Neubesiedler“. Sie wird als „nicht invasiv, aber ständig in Bewegung“ beschrieben. „Sie erscheint unregelmäßig episodisch und nur für kurze Zeit an der Erdoberfläche. Einer Verwandtschaft mit dem Riesen-Bärenklau wird aktuell nachgegangen“, heißt es. Ah ja, damit wird der zweite und ernste Ansatzpunkt der Künstler deutlich. Da geht es um die Angst vor dem Fremden, Unkontrollierbaren und um die (Un)Verhältnismäßigkeit der Mittel gegenüber der zähen Verteidigung heimischer Habitate.

Seltsame Gewächse

Die seltsamen Gewächse, die dem Betrachter da blühen, sollen aber auch „Augenöffner für den ungeahnten, oft unbeachteten Reichtum der uns umgebenden Natur sein“, erklären die Beiden. Exzentrisches Beispiel sind die „Wundersame“, zu denen Augentiere, Flugblätter oder die „legendäre“ Berserkerpflanze gehören. Zu letzterer hatte Corinna Kelbassa wie zu so vielen ihrer Geschöpfe eine Geschichte geschrieben. So ist, wie sie erzählt, jüngsten Studien zufolge nicht - wie lange vermutet - der Fliegenpilz (Amanita muscaria), sondern Amphoria furiosa die legendäre Berserkerpflanze für den Rausch der Berserker verantwortlich. In kleinen Schachteln präsentieren die Künstler Berserker-Augen, die Samenkapseln der Pflanzen, die den Stoff für rauschafte Zustände liefern. Diese im Volksmund „Auge Odins“ genannten Kapseln dienten den germanischen Elitekriegern, der Berserkern, als Grundlage für ihre Raserei.

Anregungen aus alten Büchern

Diese und viele weitere Geschichten erzählen Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn. Die Geschichten sind so fantastisch, weil auch „das, was uns umgibt, oft so fantastisch ist“. Anregungen und Motive für ihre abgedrehten Figuren bekommt das Duo auch aus alten Bücher. Ihre Arbeits-Materialien sind vielfältig. Von der Keramik bis zum Pappmache ist alles dabei. Dabei ist Detlef Kelbassa eher der Praktiker, während Corinna Kuhn die Geschichten erfindet. Kennengelernt haben sich die beiden in einer Werbeagentur, in der Detlef Kelbassa 20 Jahre arbeitete, während Corinna Kuhn den Absprung gewagt und Kunstgeschichte studiert hat.

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