Katholische Kirche

Ehrenamtliche leiten Trauerfeiern in ihrer Gemeinde

Michael Dörnemann überreicht das liturgische Gewand für die Begräbnisfeiern an Christel Hernacz.

Michael Dörnemann überreicht das liturgische Gewand für die Begräbnisfeiern an Christel Hernacz.

Foto: ALEXANDRA ROTH / Bistum Essen

Das Bistum bildet auch Laien zu Begräbnis-Leitern aus: Wie sich Christel Hernacz auf diesen wichtigen Dienst am Nächsten vorbereitet hat.

Sterben, Tod und Trauer – daran kommt keiner vorbei. Aber mehr als unweigerlich nötig, befassen sich die meisten lieber nicht damit. Deshalb hat auch Christel Hernacz erstmal zurückhaltend reagiert, als sie vom Pastor ihrer Gemeinde gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könne, ehrenamtliche Begräbnis-Leiterin zu werden. „Ich hab das gedanklich erstmal ein bisschen beiseite geschoben“, erinnert sich die Sterkraderin. Nach einiger Zeit hat sie sich aber dann doch entschlossen, das Kursangebot des Bistums für das anspruchsvolle Ehrenamt anzunehmen. Zusammen mit 14 weiteren Männern und Frauen wurde sie Anfang des Monats vom Bistum offiziell dazu beauftragt, Trauergespräche zu führen und Begräbnis-Gottesdienste zu leiten.

Trauergespräche in Rollenspielen eingeübt

„Traust du dir das zu?“ habe sie sich mehrfach gefragt. Auf fremde Menschen zuzugehen, auch schwierigere Gespräche zu führen und vor Gruppen zu sprechen – darin hatte sie als ehemalige Leiterin einer Kindertagesstätte einige Erfahrung. „Und mit 69 hat man ja auch einige Lebens- und eigene Trauererfahrung, die man mit einbringen kann“, erzählt sie. Trotzdem habe sie ihr Vorhaben in ihrer Gemeinde Herz Jesu Sterkrade und auch in der Katholischen Frauengemeinschaft, in der sie aktiv ist, erstmal nicht „an die große Glocke gehängt“, sondern erstmal alles auf sich zukommen lassen. Sechs Monate lang wurden sie und ihre Kollegen in mehreren Kursabschnitten intensiv auf die neue Aufgabe in ihren Pfarreien vorbereitet. Dabei standen neben einer theologisch-spirituellen Auseinandersetzung auch viele andere Dinge auf dem „Lehrplan“, etwa die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Bestattungsgesetze in Nordrhein-Westfalen. In Rollenspielen wurden Trauergespräche geübt, verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten von Begräbnis-Gottesdiensten und Traueransprachen erarbeitet.

„Die Begräbniskultur hat sich insgesamt ja sehr geändert“, sagt sie mit Blick auf die auch in der katholischen Kirche immer mehr verbreiteten Urnen-Beisetzungen und den Verzicht auf eine Totenmesse zugunsten eines Begräbnis-Gottesdienstes in der Friedhofskapelle. Und da viele längst keine enge Anbindung mehr an „ihre“ Kirche und das geistliche Personal haben, komme es manch einem entgegen, dass statt des Priesters ein Ehrenamtlicher das Begräbnis begleite: „Aus der Gemeinde für die Gemeinde. So verstehe ich das“, sagt Christel Hernacz. „Es gehört doch zu den Aufgaben der Gemeinde, ihre Kranken zu besuchen und ihre Verstorbenen zu beerdigen, die Werke der Barmherzigkeit zu üben.“ Und natürlich habe auch der zunehmende Priestermangel diese Entwicklung, Ehrenamtliche für den Begräbnisdienst anzuwerben und zu qualifizieren, befördert. Aber nicht als „Lückenbüßer“, sondern als originäre Aufgabe der Gemeinde: „Zeigen, dass wir als Kirche bei den Menschen sind.“

Geholfen habe ihr, dass sie während der Ausbildungszeit mehrfach den Gemeindepastor Arun Mathur zu Trauergesprächen begleiten konnte. Es ist hilfreich, wenn man erlebt, wie das Trauergespräch mit der Familie schließlich in die Ansprache einfließt.“ Gut hinhören sei dabei ganz wichtig – und zu versuchen, Wünsche der Trauernden mit zu berücksichtigen. „Es geht doch darum, ein Gemeindemitglied würdig zu verabschieden.“

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