CDU vor der Kommunalwahl

Christdemokraten wollen ruhig langweilig sein – und arbeiten

Der neue Vorstand der CDU Oberhausen ist auch der alte: Für zwei Jahre wiedergewählt wurden (von links) Hans J. Tscharke (stellv. Parteivorsitzender), Parteivorsitzender Wilhelm Hausmann, Mitgliederbeauftragter Kevin Wilms und Schatzmeister Thomas Gäng. In der Mitte überreicht CDU-Ratsfraktionschefin Simone-Tatjana Stehr Hausmann einen Blumenstrauß zur Wahl. Nicht auf dem Bild ist Marie-Luise Dött (stellv. Parteivorsitzende).

Der neue Vorstand der CDU Oberhausen ist auch der alte: Für zwei Jahre wiedergewählt wurden (von links) Hans J. Tscharke (stellv. Parteivorsitzender), Parteivorsitzender Wilhelm Hausmann, Mitgliederbeauftragter Kevin Wilms und Schatzmeister Thomas Gäng. In der Mitte überreicht CDU-Ratsfraktionschefin Simone-Tatjana Stehr Hausmann einen Blumenstrauß zur Wahl. Nicht auf dem Bild ist Marie-Luise Dött (stellv. Parteivorsitzende).

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.   Die CDU zeigt sich optimistisch, die seit 1964 bestehende Vorherrschaft der SPD im Rat zu brechen. Doch der Zustand der Gesellschaft stört sie.

Das „schmerzhafte Wahlergebnis“ (Ruhr-CDU-Chef Oliver Wittke) der CDU bei der Europawahl liegt noch nicht lange zurück, doch die Oberhausener CDU lässt sich von dem Absturz ihrer eigenen Partei (minus 6 Prozent im Stadtgebiet) nicht die Stimmung verderben: Auf ihrem Parteitag zur Wahl ihres Vorstandes herrscht bei Wasser, Saft und heißem Sommerwetter im Saal des Sterkrader Café Jahreszeiten eine recht launige Atmosphäre.

Denn das Desaster der einstmals so mächtigen Sozialdemokratie in Oberhausen ist viel größer, man liegt nun mit 22,1 zu 24,9 Prozent (minus 15,8 Prozent) nur noch wenige Prozentpunkte hinter der SPD. Und so blicken die 82 Delegierten und ihre Parteispitze recht frohgemut auf die Rats- und Oberbürgermeister-Wahl im Herbst 2020.

CDU-Fraktionschefin Simone-Tatjana Stehr bläst bereits zum Angriff auf eine Bastion, die die SPD seit 1964 in Oberhausen hält: „Lassen Sie uns zusammen daran arbeiten, dass die CDU-Fraktion nach der Wahl mit einem Oberbürgermeister Daniel Schranz stärkste Kraft in Oberhausen sein wird!“

Zu viel Hysterie, zu viele Mode- und Trendwellen?

Zufrieden sind die Christdemokraten zwar mit ihrer politischen Arbeit der vergangenen Jahre (Stehr: „Wir stehen gut da!“), aber nicht mit dem Zustand der Gesellschaft. Die Parteioberen diagnostizieren zu viel Hysterie, zu viele Modewellen, zu viel Showgeschäft in der Politik statt harte Kärrnerarbeit, für Menschen praktikable Lösungen zu finden.

Der Höhenflug der Grünen, der Reichweiten-Rekord des Youtubers Rezo mit seinem politischen Video („Die Zerstörung der CDU“) und der anhaltend hohe AfD-Sockel (Oberhausen: 12,2 Prozent) ärgert die Kommunalpolitiker. „Der Wohlstand in Deutschland war nie so groß wie heute – trotzdem gibt es Unmut und es profitieren diejenigen politisch, die am wenigsten zu diesem leistungsfähigen Wohlstand beigetragen haben: die politischen Ränder“, zeigt sich CDU-Vorsitzender Wilhelm Hausmann erstaunt.

Seit 16 Jahren Chef des CDU-Kreisverbandes

Er ist nun seit 16 Jahren Chef des Kreisverbandes seiner Partei – und damit der dienstälteste CDU-Vorsitzende im Ruhrgebiet. In seiner Rede schimpft er über die „im Kern linken Grünen“, die mit „Enteignungen, höheren Steuern und Blockaden in der Migrationspolitik“ für ein linkes Machtbündnis stehen würden. Hausmann grenzt sich aber auch von der AfD ab: „Wer ethnischen Unterscheidungsmerkmalen das Wort redet, wer die Grundwerte unserer Verfassung und gerade die Würde des Menschen nicht teilt, kann kein guter demokratischer Patriot sein.“ Die CDU müsse gerade wegen der Stimmungswellen in der Bevölkerung den eigenen seriösen Weg gehen. Die CDU könne den nötigen Klimaschutz „wirtschaftlich und sozial am vernünftigsten umsetzen“.

Radverbindungen zu den Radschnellwegen

Stehr greift in ihrer Rede den Ball auf und verweist auf hart erarbeitete Vorschläge der CDU-Fraktion für die Bürger, um die Stadt aus ihrer Sicht „lebenswerter und liebenswerter zu machen“: Radverbindungen zu den Radschnellwegen im Revier, Quartiersparkhäuser für mehr Grün in der Stadt, Friedhöfe als tille Parks und Ausgleichsflächen, Videoüberwachung an zentralen Plätzen, mehr Blitzer gegen Raser.

„Probleme erkennen, Fakten sammeln, Ideen produzieren, Arbeit leisten. Vielleicht klingt das alles nicht sexy. Zerstören zu wollen ist offensichtlich spannend. Die CDU will Oberhausen besser machen – das ist irgendwie langweilig. Ich sage sehr bewusst und sehr selbstbewusst: Gerne! Dann sind wir eben langweilig.“

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