Literaturhaus

Elke Heinemann erzählt selbstverliebt von „Fehlversuchen“

„Kein Kinderbuch“, mahnt Elke Heinemann im Untertitel ihres aktuellen Werkes "Fehlversuche“. Virtuos, aber in nüchternem Duktus las sie von Elisas Kindheit.

„Kein Kinderbuch“, mahnt Elke Heinemann im Untertitel ihres aktuellen Werkes "Fehlversuche“. Virtuos, aber in nüchternem Duktus las sie von Elisas Kindheit.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Zu Gast im Literaturhaus in Oberhausen: Die mit dem „Literaturpreis Ruhr“ ausgezeichnete Autorin Elke Heinemann präsentierte ihren neuen Band.

Wenn Literatur Beklemmungen verursacht, dann zeigt sie Wirkung. Und so bekannte Harald Obendiek, der den Auftritt der mit dem Literaturpreis Ruhr 2018 für ihr „bisheriges Lebenswerk“ ausgezeichneten Elke Heinemann im Literaturhaus an der Marktstraße souverän moderierte, er habe ihr aktuelles Buch „Fehlversuche“ (Edition taberna kritika, 16 Euro) nur in kurzen Etappen lesen können und immer wieder aus der Hand legen müssen.

„Mutterdarstellerin und Maria-Callas-Darstellerin in einer Person“

Warum, das erfuhren die gebannt lauschenden Zuhörer dann rasch von der angenehm flüssig vortragenden Autorin, die in ihrem ausdrücklich „Kein Kinderbuch“ untertitelten Opus die Geschichte einer wohl gar nicht mal so seltenen Kindheit im staubgrauen Ruhrgebiet der 1960er Jahre erzählt. Und dies in nüchternem Duktus, der virtuos (und doch gelegentlich arg elaboriert) mit Sprachbildern, rhythmischen Variationen, literarischen Anspielungen, Versatzstücken der Kulturgeschichte und einiger Ironie, die durchaus ihre komischen Seiten hat, die komplizierte Beziehung der anfangs sechsjährigen Elisa zu ihrer „Mutterdarstellerin und Maria-Callas-Darstellerin in einer Person“ konstruiert.

Dass diese jeden Abend ein Rendezvous mit „Herrn Jägermeister“ hat, der den ständig abwesenden Vater (einen höheren Beamten) ersetzt, macht das „unheimelige Heim“ dem ungeliebten Kind zur Hölle. „Den Soundtrack zum allabendlichen Drama liefert der bis zum Sendeschluss heiß laufende Fernseher. Mal kommen Rudi Carrell und Ilja Richter mit lustigen Gags zu Besuch, dann wieder schunkelt die Mutter mit dem Jägermeister zum Kölner Saalkarneval, oder sie lallt im Duett mit Maria Callas die Carmen-Arie von der Liebe, die ein wilder Vogel ist, zwar auf Französisch, aber das stört die Mutter nicht weiter“, so Ulli Langenbrinck in ihrer Laudatio zum „Literaturpreis Ruhr“.

Jägermeisters Kumpel, die Herren Marillen- und Eierlikör

Als dann auch noch die Rede auf des Jägermeisters Kumpel, die Herren Marillen- und Eierlikör kam, mit denen auch Elisa Bekanntschaft schließt, schluckten die Zuhörer im Literaturhaus – und zwar an ihrem Wein. Dass sich ihr I.C.H. mit Alisa einen Zwilling schafft, in „Meer“-selige Traumwelten abtaucht, die beklemmende Geschichte aber doch gut endet, blieb an diesem Abend offen.

Dafür lernte man anhand einer mit Zitaten nur so gespickten „Selbstauskunft“, was für Großtaten die 1961 in Essen geborene Schriftstellerin und Publizistin in ihrem Leben bereits fabrizierte samt Wo und Wie – sehr beeindruckend, aber auch reichlich selbstverliebt. Nötig hätte Elke Heinemann das nicht gehabt, verbuchen wir es also unter „Fehlversuche“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben