Alltag mit Hindernissen

Arbeitgeber müssen Menschen mit Behinderung einstellen

Demir Musa ist taubstumm. Sein Arbeitgeber, die Timm Fleisch- und Wurstmanufaktur, hat 2017 der ersten Inklusionspreis der Stadt Oberhausen gewonnen, weil er vier Menschen mit Behinderung beschäftigt.

Demir Musa ist taubstumm. Sein Arbeitgeber, die Timm Fleisch- und Wurstmanufaktur, hat 2017 der ersten Inklusionspreis der Stadt Oberhausen gewonnen, weil er vier Menschen mit Behinderung beschäftigt.

Foto: Jörg Schimmel

Oberhausen.   Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen Personen mit Handicap beschäftigen. Sonst zahlen sie eine Ausgleichsabgabe an die Integrationsämter.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Sozialgesetzbuch sind die Regelungen zur Beschäftigungspflicht von schwerbehinderten Menschen und zur Ausgleichsabgabe – auch Schwerbehinderten-Abgabe genannt – festgehalten. Jeder Arbeitgeber, der mindestens 20 Menschen beschäftigt, muss mindestens einen schwerbehinderten Mitarbeiter einstellen. Oder anders gesagt: Bei Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern müssen mindestens fünf Prozent der Angestellten eine Behinderung haben. Das gilt sowohl für private als auch für Arbeitgeber der öffentlichen Hand.

Bis zu 300 Euro pro Arbeitsplatz

Erfüllen die Unternehmen diese Vorgabe nicht, müssen sie die Ausgleichsabgabe zahlen. Die beträgt je nach Größe des Unternehmens und der Anzahl der nicht besetzten Pflichtarbeitsplätze zwischen 125 und 320 Euro pro Monat.

590 Arbeitgeber in Oberhausen mussten im Jahr 2015 mindestens einen Mitarbeiter mit Behinderung einstellen. 5,1 Prozent der Arbeitsplätze in diesen Unternehmen wurden von schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Menschen besetzt. In der Summe erfüllen die Arbeitgeber also die Vorgabe. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag die sogenannte „Ist-Quote“ bei 4,6 Prozent.

Die Ausgleichsabgabe, die an die Integrationsämter gezahlt wird, erfüllt zwei Funktionen: die Ausgleichsfunktion und die Antriebsfunktion. Erstens soll die Abgabe den Arbeitgebern, die die Beschäftigungspflicht erfüllen und denen daraus Kosten entstehen – zum Beispiel durch Zusatzurlaub oder die behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes – einen Ausgleich schaffen. Und zweitens soll sie Arbeitgeber anhalten, die Beschäftigungspflicht zu erfüllen.

331 050 Euro für Oberhausen

Für 2018 hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) 13,3 Millionen Euro an die 37 rheinischen Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben ausgeschüttet. Dieses Geld stammt aus der Ausgleichsabgabe. Oberhausen erhält 331 050 Euro. Der Betrag errechnet sich aus den in der Region lebenden schwerbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter – das sind in Oberhausen 9620. Das Geld soll Menschen mit Behinderung im Beruf und deren Arbeitgeber bei der behinderungsgerechten Gestaltung der Arbeitsplätze helfen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben