Kirchen

Abschied von der Oberhausener Kirche an der Kempkenstraße

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Gotteshaus in Schmachtendorf zum Abschied. Es dient künftig kulturellen Zwecken.

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Gotteshaus in Schmachtendorf zum Abschied. Es dient künftig kulturellen Zwecken.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen   Letzter Gottesdienst in der alten Kirche von 1906. Evangelische Kirchengemeinde Königshardt-Schmachtendorf rückt künftig enger zusammen.

Am Ende erhielt Markus Hartmann, Vorsitzender des Vereins „Kirche Schmachtendorf“, den symbolischen Schlüssel für die evangelische Kirche an der Kempkenstraße. Pfarrerin Stephanie Züchner überreichte ihn am Ende des letzten Gottesdienstes in der voll besetzten Kirche. Mit einer Abendmahlsfeier verabschiedeten sich die evangelischen Christen von ih­rem 1906 erbauten Gotteshaus. Es steht künftig unter der Regie des Vereins für kulturelle Zwecke zur Verfügung.

112 Jahre im Rückblick

„Wir werden mit großem Respekt damit umgehen“, versprach Hartmann. Man wolle Gutes tun für Schmachtendorf. Zuvor hatte die Gemeinde Rückblick gehalten auf 112 Jahre Gemeindeleben in und mit der Kirche mit ihrer markant gewölbten Holzdecke. Da wurden Lichtbilder aus der Vergangenheit an die Wand geworfen.

Zusammen mit den Kindern des evangelischen Kindergartens machte man sich auf Spurensuche nach einzelnen Orten der Erinnerung, der Orgel etwa oder den Kerzen. Einen Karton voller Luftballons überbrachten die Kinder als Abschiedsgeschenk. Sie sollten am Nachmittag, versehen mit Kärtchen in den Himmel aufsteigen, auf denen Gemeindemitglieder ihre Gedanken über diesen Tag festhielten.

Am 14. April: Einzug in renovierte Kirche Buchenweg

In den Fürbitten war für ein gelungenes Miteinander am Buchenweg gebetet worden. In ei­ner Woche feiert die Evangelische Kirchengemeinde Königshardt-Schmachtendorf dort Einzug in ihre renovierte Kirche.

„Es werden noch viele solcher Abschiede folgen“, kündigte Superintendent Joachim Deterding an. Er selbst ist der Gemeinde seit Jahrzehnten verbunden. „Ihr habt es vorgemacht, wie man Abschied nimmt“, lobte er.

Trauer und Zuversicht

Vor der Kirche suchten viele Besucher später bei bestem Frühlingswetter das Gespräch. „Mir ist nicht zum Feiern zumute“, gestand dort Inge Meyerhoff (69). Die Pfarrerin habe zwar Recht, der Glaube sei nicht an ein einzelnes Gebäude gebunden. Aber sie verbinde halt Emo­tionen damit. „Ich habe hier schon 1961 mit dem Sohn des Rektors der Volksschule im Glockenturm gespielt, der durfte das.“

„Gott ist überall dabei“, war sich Sandra Lunk (40) sicher. Für sie bereitet das Zusammengehen beider Gemeindebezirke kein Problem. „Ich bin in Königshardt getauft worden, aufgewachsen und konfirmiert“, sagte sie. Heute wohne sie in Schmachtendorf. Ihre Kinder seien an der Kempkenstraße getauft worden. Wolfgang Mölter (76) äußerte dagegen Zweifel, ob das Zusammenwachsen am Buchenweg so einfach wird. „Es wird immer Menschen geben, die nicht mitgehen“, befürchtete er.

„Es war meine Chance“

Zabia Olabi (48) war eine der wenigen Frauen mit Kopftuch, die sich am Sonntag von der Kirche verabschiedeten. Sie hat mit Mann und Sohn 2015 nach der Flucht aus Syrien 25 Tage in der Kirche übernachtet und anschließend im Ort eine Wohnung gefunden. „Es war meine Chance. Ich habe hier meine neue Heimat“, freute sie sich.

>>> Evangelische Kirche im Umbruch

Rückläufige Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen zwingen die Evangelische Kirche auch in Oberhausen zur Aufgabe von Immobilien, weil die Kosten für ihre Unterhaltung nicht mehr zu stemmen sind.

Dafür konnte die Gemeinde Königshardt-Schmachtendorf ihren S tandort in Königshardt modernisieren und erweitern.

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