Prozess

62-Jähriger verprügelt seine Schwester und weint vor Gericht

Das Landgericht in Duisburg hat den Fall aus Oberhausen in zweiter Instanz verhandelt.

Das Landgericht in Duisburg hat den Fall aus Oberhausen in zweiter Instanz verhandelt.

Foto: Volker Hartmann / picture alliance / dpa

Oberhausen/Duisburg.  Im Streit um das Wohl der 90-jährigen Mutter verprügelt ein 62-Jähriger seine Schwester. Diese soll zuvor mit einem Kochbuch zugeschlagen haben.

In zweiter Instanz stand ein 62-jähriger Oberhausener am Montag wegen Körperverletzung vor dem Landgericht Duisburg. Am 12. Dezember 2017 hatte er seine zwei Jahre ältere Schwester in der Küche des elterlichen Hauses in Holten mit Fäusten geschlagen und erheblich verletzt.

Nicht zum ersten Mal, nicht nur darin stimmten die Aussagen des Angeklagten und der Geschädigten überein, war es zwischen den Geschwistern zum Streit gekommen. Auslöser waren offenbar unterschiedliche Ansichten über das Wohl der über 90 Jahre alten Mutter – und Differenzen ums Geld. Zuletzt ging es offenbar um die Abfassung eines Testaments.

Mit einem Kochbuch geschlagen

Das Amtsgericht Oberhausen hatte den 62-Jährigen im März zu einer Geldstrafe von 7150 Euro (110 Tagessätze zu je 65 Euro) verurteilt. Warum der Mediziner gegen das Urteil in Berufung zog, erschloss sich nicht nur der Vorsitzenden der Berufungskammer nicht recht: Seine Angaben vor dem Landgericht wichen nicht wesentlich von dem ab, was er schon in erster Instanz gesagt hatte.

Danach hatte seine Schwester ihn zuerst geschlagen. Mit einem Kochbuch. Der Angeklagte, der angab, schon in der Vergangenheit ähnliche Attacken ohne Gegenwehr ertragen zu haben, verlor die Nerven: Er schlug seiner Schwester mehrfach mit der Faust ins Gesicht und gegen den Körper. Die Frau erlitt mehrere schwere Prellungen.

Theatralisch in Tränen ausgebrochen

„Ich hatte Angst, dass sie als nächstes zu einem Messer greifen würde“, so der 62-Jährige. Während der Zeugenvernehmung seiner Schwester brach er theatralisch in Tränen aus und bat sie um Verzeihung.

Nicht einmal sein Verteidiger – ein entfernter Verwandter der beiden Kontrahenten – ging ernsthaft davon aus, dass die Tat durch Notwehr gedeckt sein könnte. Die Berufungskammer kam erwartungsgemäß zu einem ähnlichen Schluss. Die Richter hielten die Strafe des Amtsgerichts Oberhausen für durchaus angemessen. Lediglich die Tagessatzhöhe wurde nach unten korrigiert, weil der Angeklagte in erster Instanz Angaben zum Unterhalt eines Sohnes vergessen hatte. Nun muss er nur noch 5500 Euro zahlen.

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