Auf 'nen Kaffee

Cronenberg: „Ich kenne die Sorgen der ganz normalen Leute“

Carlo Cronenberg mit einer Tasse, die ihm Mitarbeiter zum 50. Geburtstag schenkten. Er steht am Sensenhammer, der früher in der Müscheder JCS-Schmiede stand.

Carlo Cronenberg mit einer Tasse, die ihm Mitarbeiter zum 50. Geburtstag schenkten. Er steht am Sensenhammer, der früher in der Müscheder JCS-Schmiede stand.

Foto: Martin Schwarz

Müschede.   FDP-Bundestagskandidat und Unternehmer Carlo Cronenberg sieht sich nicht als Klientel-Politiker. Die Bodenhaftung in breiten gesellschaftlichen Kreisen soll bleiben.

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Carlo Cronenberg, seit 17 Jahren im Arnsberger Stadtrat, strebt bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 ein FDP-Mandat an. Unsere Zeitung sprach mit dem 54-jährigen Müscheder, der zusammen mit seinem Vetter Hendric Cronenberg die in Müschede ansässige Unternehmensgruppe Julius Cronenberg Sophienhammer (JCS) leitet.

Manche Bürger wundern sich, dass Carlo Cronenberg als Unternehmer noch die Zeit aufbringen kann, in die Bundespolitik zu gehen. Ist er noch nicht ausgelastet? Der Liberale lächelt: „Der Bundestag hat 20 Sitzungswochen im Jahr. Für mich ist das nicht zwangsläufig ein Vollzeit-Job. Es wäre auch nicht mein Wunsch oder Anspruch, nur noch in der Politik zu arbeiten. Mein Arnsberger Ratsmandat will ich bis zum Ende der Ratslegislaturperiode (2020) wahrnehmen.“

Cronenberg will als Politiker tätig sein, der weiterhin auch täglich seine praktischen Erfahrungen aus der mittelständischen Wirtschaft einbringen will. Selbstverständlich ist ihm dabei aber auch bewusst, dass die Bundespolitik ihn zeitlich stark in Anspruch nehmen wird, wenn er über die NRW-Landesliste der FDP in den Bundestag einziehen sollte. So hat sich Cronenberg bereits vor einigen Jahren aus der operativen Geschäftsführung der zu JCS gehörenden Firma Athmer zurückgezogen und für diese Aufgabe einen Prokuristen angestellt. Als persönlich haftender Gesellschafter bleibt er aber gemeinsam mit seinem Vetter verantwortlich für die strategischen Ziele und Projekte der JCS-Unternehmensgruppe.

Auch wenn er als mittelständischer Unternehmer die Interessen inhabergeführter mittelständischer Unternehmen (vom Handwerker bis zum international aufgestellten Familienunternehmen) im Deutschen Bundestag stärker vertreten will, sieht er sich keineswegs als Klientel-Politiker. „Ich kenne die Sorgen und Nöte der ganz normalen Leute, die auch mit kleinem oder mittleren Einkommen ihren Alltag bewältigen müssen“, erklärt Cronenberg auf Nachfrage unserer Zeitung hinsichtlich seiner Bodenhaftung in breiten gesellschaftlichen Kreisen.

„Wir pflegen in unserem Unternehmen einen schon fast familiären Umgang. Mit vielen unserer Mitarbeiter duze ich mich“, sagt Cronenberg, der die Tür seines Büros meistens offen stehen lässt. „So bin ich für die Mitarbeiter direkt ansprechbar“, sagt der Unternehmer. Hinzu komme, dass seine Familie (seine Frau Anja und seine drei Kinder) in Müschede gut vernetzt sei. Allein über Kindergarten und Schule habe man viel Kontakte bekommen, die sich im Alltag fortsetzten.

Cronenberg versteht sich als „Politiker mitten aus dem Leben“. Er meint, dass es zu viele Berufspolitiker mit reinen Partei-Karrieren gebe. „Im Bundestag sollten mehr Leute mit echter Berufserfahrung sitzen.“

Angesichts Carlo Cronenbergs politischer Vorgeschichte – sein Vater Dieter-Julius Cronenberg war von 1976 bis 1994 Bundestagsabgeordneter und viele Jahre Bundestagsvizepräsident – drängt sich die Frage auf, warum der 54-Jährige erst jetzt ein Bundestagsmandat anstrebt. Hier kommen mehrere Beweggründe zusammen.

„Angesichts der aktuellen Trends zu mehr Nationalismus und weniger Europa vertreten durch AfD und Pegida in Deutschland, aber auch durch Brexit, Trump und Erdogans Machtpolitik in der Türkei sehe ich mich herausgefordert, für liberale Werte wie Toleranz und Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen. 70 Jahre Frieden in Wohlstand und Freiheit haben einen hohen Wert. Dies gilt es zu bewahren und weiter zu verbessern.“

Er sieht dabei die FDP als „einzige Partei, die den Menschen zutraut, ihre Probleme selbst lösen zu können“. Voraussetzung sei, dass der Staat die richtigen Rahmenbedingungen setze. Die FDP setze sich für weniger Bürokratie ein und wolle den Einzelnen nicht gängeln oder bevormunden.

Einsatz für liberale Politik

Ein Schlüsselerlebnis für Carlo Cronenberg, in die Bundespolitik eintreten zu wollen, war der Tod seines Vaters am 21. November 2013. Dieter-Julius Cronenberg starb wenige Wochen nach der Bundestagswahl, bei der die FDP an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. „Ich sagte meinem Vater am Sterbebett: Ich kann dir nicht versprechen, dass die FDP 2017 wieder in den Bundestag einzieht, aber ich werde meinen Beitrag leisten, dass sie es schaffen kann.“

Aus der Biografie von Carlo Cronenberg

Carlo Cronenberg wurde am 30. Juli 1962 geboren. Er machte 1981 am städtischen Franz-Stock-Gymnasium Abitur und studierte dann Wirtschaftswissenschaften in Lausanne.

1991 wurde er geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe „Julius Cronenberg Sophienhammer“. Seit 1999 ist er FDP-Ratsherr.

2015 übernahm er den Vorsitz im FDP-Kreisverband Hochsauerland. Cronenberg wohnt mit seiner Frau Anja und drei Kindern in Müschede.

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