Lenkungswerk

Thyssenkrupp: Lenkungswerk in Mülheim trotzt den Sparplänen

Sie freuen sich über 20 Millionen Lenkgetriebe, aber vor allem über die Job-Garantie: Die Mitarbeiter des Thyssenkrupp-Lenkwerks in Mülheim.

Sie freuen sich über 20 Millionen Lenkgetriebe, aber vor allem über die Job-Garantie: Die Mitarbeiter des Thyssenkrupp-Lenkwerks in Mülheim.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Das Mülheimer Presta-Werk ist von den Sparplänen des Mutterkonzerns Thyssenkrupp nicht betroffen. Geschäftsführer Ebber garantiert Jobsicherheit.

Die Zahl leuchtet in blauen Heliumballons in der Werkshalle: 20 Millionen Lenkungsgetriebe sind im Mülheimer Lenkungswerk der Thyssenkrupp-Tochter Presta vom Band gelaufen – ein Produktionsrekord im 20. Jahr des Bestehens. Was die Geschäftsführer Ralf Ebber und Thomas Lau mit Stolz erfüllt, bedeutet für die rund 300 Mitarbeiter vor allem eines: Job-Sicherheit.

„Ich kann garantieren, dass hier niemand entlassen wird“, sagt Ralf Ebber. Nachdem der Mutterkonzern Thyssenkrupp Mitte Mai bekannt gegeben hatte, 6000 Stellen streichen zu wollen, davon 4000 in Deutschland, sei die Mülheimer Belegschaft „natürlich verunsichert“ gewesen. „Wir sind aber glücklich, in einer Sparte zu sein, in die investiert wird“, sagt Ebber. Und Thyssenkrupp-Pressesprecher Konrad Böcker fügt hinzu: „Wir brauchen hier jede Frau, jeden Mann, um unsere Projekte umzusetzen. Wir sind nicht im Auge des Sturms.“

Krise 2014: Mülheimer Lenkungswerk stand auf der Kippe

Im 1999 von Daimler gegründeten Werk wurden zunächst mechanische Lenkungssysteme gefertigt. Nachdem Thyssenkrupp im Jahr 2003 den Standort übernommen hatte, kamen weitere Kunden aus der Automobilindustrie hinzu – und der Produktionsschwerpunkt liegt schon lange auf elektronischen Lenkungsgetrieben. Lenkungsgetriebe aus Mülheim sind verbaut in Wagen von Daimler, BMW, Volkswagen, Hyundai und Toyota, seit kurzem auch in Elektrowagen der chinesischen Firma Nio.

Während es vor fünf Jahren gewaltig kriselte, als ein Großauftrag von BMW ausgeblieben war, hat sich das Werk nun seine Existenzsicherung geschaffen. „Wir mussten damals Mitarbeiter entlassen“, sagt Ebber, der selbst 2014 im Jahr der Krise nach Mülheim kam, „aber es gab keine betriebsbedingten Kündigungen“. Heute halte der Standort die Budgetversprechen ein.

Die neue Fertigungsanlage soll mindestens sieben Jahr stehen, der Mietvertrag für die Flächen wurde gerade verlängert. Im letzten Tarifvertrag wurde eine Standortgarantie bis 2023 festgelegt, „aber die Verträge mit unseren Kunden laufen noch viel länger“.

Innovations-Labor: Roboter und 3-D-Drucker beschleunigen Produktion

Eine der Besonderheiten in Mülheim ist das Innovations-Labor: Hier werden Optimierungen ausprobiert, bevor sie in Serie gehen. So soll zum Beispiel bald ein menschgeführter Roboter dabei helfen, die fertigen, 17 Kilogramm schweren, Lenkungsgetriebe für den Transport zu verpacken. Die Hightech-Helfer sind dabei doppelt so schnell wie der Mitarbeiter alleine. 3-D-Drucker produzieren seit zwei Jahren Betriebsmittel und Ersatzteile – das bedeutet mehr Flexibilität und Schnelligkeit.

Zudem wird in dem Entwicklungsbereich ausprobiert, wie das mit einem Elektromotor betriebene Lenkungsgetriebe bald mit noch weniger Mechanik und „mehr Intelligenz“ auskommen kann. „Wir bereiten uns auf eine hochautomatisierte Welt vor“, sagt Konrad Böcker. Was heute noch das selbstständige Einparken oder die elektronische Abstandshaltung sind, könnte bald das vollautomatisierte Fahren sein, bei dem das Auto sich komplett selbstständig bewegt. Die Voraussetzungen dafür bündeln sich alle im Lenkgetriebe. „Technisch sind wir davon nicht weit weg“, sagt Böcker. Aber die Sicherheitsvorschriften lassen viele Innovationen in der Praxis noch nicht zu.

Lohnkostennachteil in Deutschland durch Innovation ausgleichen

„Sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um wettbewerbsfähig zu sein“ – so definiert Böcker das Ziel für die Zukunft. Denn: Deutsche Standorte haben gegenüber anderen Thyssenkrupp-Werken immer den Lohnkostennachteil, sagt Ralf Ebber. „Den müssen wir durch Innovation ausgleichen.

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