Tengelmann

Tengelmann zieht Zentrale außerhalb von Mülheim in Betracht

Bis Mitte 2020 wird Tengelmann aus seiner Zentrale in Mülheim-Speldorf ausziehen.

Bis Mitte 2020 wird Tengelmann aus seiner Zentrale in Mülheim-Speldorf ausziehen.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Tengelmann löst seine Holding an der Zentrale in Mülheim-Speldorf auf. Die Suche nach einem neuen Standort in der Stadt gestaltet sich schwierig.

Während Tengelmann am Mittwoch bekanntgegeben hat, seine neue Holding Tengelmann Twenty-One KG nur noch mit 40 Mitarbeitern aufzubauen, ist die Standort-Frage für diese neue Zentrale noch nicht geklärt. „Es gestaltet sich schwierig, den richtigen Standort zu finden“, sagte Geschäftsführer Christian Haub im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es gibt nicht so viele Standorte, die man in Betracht ziehen kann.“

Die Tengelmann-Gruppe hatte bereits im Januar bekanntgegeben, die mehr als 100 Jahre alte Zentrale in Speldorf aufzugeben, sich zeitgleich aber auch für Mülheim als Sitz ihrer neuen Holding ausgesprochen. Nun könnte es doch anders kommen. „Wenn es uns nicht gelingt, einen Standort in Mülheim zu finden, muss ich betriebswirtschaftlich betrachtet entscheiden, dass wir uns auch woanders umschauen“, sagte Haub am Mittwoch. Provisorisch sei die neue Gesellschaft in ihrer Gründungszentrale am Ruhrufer gemeldet. „Das ist provisorisch ok, aber es ist langfristig nicht ideal.“

Tengelmann-Tochtergesellschaften suchen eigenständig nach neuen Standorten

Die Tochtergesellschaften, die derzeit noch auf dem Wissoll-Gelände ihren Sitz haben, suchen eigenständig nach neuen Standorten – darunter die Trei Real Estate, die Immobiliengesellschaft von Tengelmann mit ihren rund 80 Mitarbeitern, sowie die Revisionsgesellschaft Audit mit etwa 60 Mitarbeitern in Mülheim. Auch sie seien noch nicht fündig geworden. „Die Stadt versucht alles, was ihr möglich ist, um einen Standort in Mülheim zu ermöglichen. Da kann ich mich nicht beklagen“, sagte Haub.

Für Oberbürgermeister Ulrich Scholten wäre es – die Tradition betrachtend – positiv, wenn die Holding in Mülheim bliebe. „Finanziell sind für die Stadt aber die Gesellschaften am interessantesten, die Gewerbesteuer generieren“, sagte Scholten auf Anfrage. Das müsse nicht zwingend die Holding sein. Nichtsdestotrotz: „Wenn Tengelmann geht, wäre das nicht schön.“ Die Stadt sei weiterhin in Gesprächen mit Tengelmann, bald werde es ein Treffen mit Christian Haub geben. „Der Kontakt und die Stimmung sind nach wie vor gut.“

Zukunft des Tengelmann-Areals in Mülheim-Speldorf unklar

Dabei geht es auch um die Nutzung des alten Geländes in Speldorf. Bereits Ende des Jahres wird der operative Geschäftsbetrieb der bisherigen Holding dort eingestellt. Bis Mitte 2020 wird Tengelmann komplett von dem traditionsreichen Ort wegziehen. Unklar ist immer noch, was dort entstehen soll – und, in wessen Eigentum es kommt.

„Es ist noch nicht klar, ob wir verkaufen oder nicht“, sagte Christian Haub. „Wenn jemand mit einer tollen Idee kommt, wie der Standort entwickelt werden kann, werden wir vielleicht sagen, dass wir noch mit dabei bleiben wollen. Aber vielleicht sagen wir auch: Das soll jemand anderes machen.“

Mülheimer Interessen finden sich in den Plänen wieder

Derzeit werden laut OB Scholten mehrere Ideen geprüft, in denen „wir die Mülheimer Interessen wiederfinden“. Die Verhandlungen seien im Fluss. Auch Christian Haub ist es wichtig, dass es an der Wissollstraße „vernünftig vorangeht“.

„Ich muss sehen, was für uns wirtschaftlich am sinnvollsten ist. Aber ich würde immer das unterstützen, was auch für die Stadt und die Umgebung sinnvoll ist. Wir haben eine lange Verbundenheit mit Mülheim und eine Verantwortung.“

Emotional sei es für Christian Haub nicht einfach, den Standort zu verlassen: „Ich habe 50 Jahre Erinnerung daran. Aber ich muss versuchen, die Emotionen davon zu trennen.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben