Verkehr

Streit um Baumängel an der Mülheimer Thyssenbrücke ungelöst

Offensichtlich ein Mangel: Die Stahlträger an der neuen Thyssenbrücke liegen nicht auf dem Unterbau auf. Unser Bild zeigt Baudezernent

Offensichtlich ein Mangel: Die Stahlträger an der neuen Thyssenbrücke liegen nicht auf dem Unterbau auf. Unser Bild zeigt Baudezernent

Foto: Jörg Schimmel

Mülheim.   Jetzt will die Stadt Mülheim prüfen, ob die alte Brücke noch stehen bleiben kann, damit es rund um Styrum nicht zum Verkehrskollaps kommt.

Im Streit darum, wer die Verantwortung für die Baumängel an der Thyssenbrücke in Styrum trägt, haben die Stadt, das Planungsbüro und die Baufirma noch keine Einigung erzielt. So ruhen die Arbeiten in wesentlichen Teilen, das Baudezernat zieht jetzt laut Dezernent Peter Vermeulen das schlimmstmögliche Szenario in Betracht: Dass vielleicht schon ab Herbst auf zentraler Nord-Süd-Achse zwischen Oberhausen und Mülheim kein Verkehr mehr rollen kann.

Nach den Osterferien waren per Schwerlastkran die letzten Stahlträger auf den Brückenunterbau der neuen Thyssenbrücke aufgelegt worden. Danach war das Staunen groß: Auf der Styrumer Seite der Brücke klaffen zwischen Pfeiler und Träger fünf bis sieben Zentimeter breite Luftlöcher. Das zu beheben, wird Zeit und Geld kosten. Überdies befürchtet Vermeulen, dass die Fehlerbehebung zwar eine funktionsfähige Brücke bringen kann. Doch er zweifelt an, dass sie in ihrer Qualität und Haltbarkeit noch dem entsprechen kann, was die Stadt bestellt hat. „Der Auftragnehmer schuldet uns eine vernünftige Brücke“ sagt er.

Es gebe nun noch keine Einigung über die Ursache und die Verantwortlichkeit für die offensichtlichen Mängel, so Vermeulen. Klar ist, dass die zu hoch liegenden Träger auf Styrumer Seite der Brücke wohl wegen der minimalen topografischen Verschiebungen eine komplette Neuplanung nötig machen. Was das kosten wird, kann Vermeulen noch nicht sagen.

Sperrpause der Bahn bleibt

So lange nicht geklärt sei, wer finanziell für die Baumängel geradestehen wird, werde er nicht anordnen, weiterzubauen, sagt der Baudezernent. Problem dabei: Über die marode alte Brücke darf laut früherer Aussage von Prüfern ab Herbst kein Verkehr mehr rollen, sie sollte in den Ferien abgerissen werden. Die dafür mit der Deutschen Bahn vereinbarte Sperrpause werde es geben, so Vermeulen in Übereinstimmung mit Aussagen einer Bahnsprecherin, die dies auch damit begründet, dass auch die Deutsche Bahn für die Ferien wieder reichlich Baumaßnahmen geplant hat.

Seitens der Stadt ist aber nicht klar, ob es in den Ferien zum Abriss der alten Brücke kommt. „Wir werden die Herbstferien nutzen, um die Substanz der alten Brücke zu prüfen“, kündigt der Baudezernent an. Vielleicht sei es ja doch möglich, die Brücke vorerst in Betrieb zu halten.

Langer Rechtsstreit kann nicht ausgeschlossen werden

Das wird wohl notwendig sein, um den Verkehrskollaps rund um Styrum zu vermeiden, sollte ab Herbst keine Brücke befahrbar sein. Dass die neue Brücke bis dahin nicht mehr freigegeben wird, dürfte schon klar sein. Eigentlich sollten im ohnehin engen Zeitplan schon am 30. April die Arbeiten an der Betondecke der Brücke beginnen. Die Arbeiten ruhen aber – und die Stadt hat immer noch kein Unternehmen gefunden, dem es zeitnah möglich ist, für die Stadt zu untersuchen, wer die Fehler zu verantworten hat. Ein langwieriger Rechtsstreit kann nicht ausgeschlossen werden.

Spätestens im Planungsausschuss am 26. Juni will Vermeulen der Politik einen umfassenden Bericht zur Sach- und Problemlage vorlegen, vielleicht auf Verlangen auch schon im Mobilitätsausschuss am 22. Juni.

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