Kultur

Rick’s Café ist seit zehn Jahren am Mülheimer Synagogenplatz

Zehn Jahre Rick’s Café: 2010 belebte die Gastronomie im Medienhaus mit Außenbestuhlung erstmals auch den Synagogenplatz.

Zehn Jahre Rick’s Café: 2010 belebte die Gastronomie im Medienhaus mit Außenbestuhlung erstmals auch den Synagogenplatz.

Foto: Alexandra Umbach / WAZ FotoPool

Mülheim.  Eigentlich wollte Café-Inhaberin Marion Appenzeller ja Yoga unterrichten. Warum für die 64-Jährige vor zehn Jahren aber alles ganz anders kam...

Der Kuchen und der Kaffee standen noch auf dem Tapeziertisch, die Stühle provisorisch draußen, als Rick’s Café gemeinsam mit dem Medienhaus am 22. August 2009 an den Start ging. „Zehn Jahre. Das ist schon was“, muss die Inhaberin Marion Appenzeller lächeln. Eigentlich wollte sie ja Yoga unterrichten.

Mülheim statt Mallorca

Die aus Indien stammende Lehre und Praxis vermittelt die 64-Jährige heute neben dem Café. „Ich glaube, ich bin ein Workaholic“, überlegt die Geschäftsfrau mit zurückgebundenen Haaren. Mit 35 Jahren kam die Rechnung: Sie kippte im Betrieb um, ausgebrannt.

Dass sie heute im Gespräch dennoch gelassen wirkt, hat mit Yoga zu tun: „Wenn es zu stressig wird, mache ich Nasenwechselatmung – die wirkt Wunder.“ Und der Spruch an einer Wandtafel „Menschen, die in der Gegenwart leben, haben immer Zeit für die wichtigste Zeit“ zeigt, dass Marion Appenzeller beide Seiten in Einklang gebracht hat.

Das Rick’s soll ein „freundliches Café“ sein

Die Menschen und Gespräche sind für sie und ihre Tochter Conny „das Wichtigste“, das Rick’s soll ein „freundliches Café“ sein, wo man zur Ruhe kommt. „Viele Menschen sind unter Stress, bei manchen sehe ich sofort: Der kommt nicht für einen Kaffee, er will einen Espresso.“

Bevor sie vor zehn Jahren Rick’s Café als gemütlichen Ankerpunkt am Synagogenplatz etablierte, führte Appenzeller mit ihrem Mann Hermann eine Bäckerei in Duisburg. Heute würde das einstige Familienunternehmen in der dritten Generation wohl 100-Jähriges feiern, doch beide zogen 2008 einen Schlussstrich, suchten die Veränderung. „Mein Mann wollte auswandern“, verrät die 64-Jährige. Und eigentlich war alles vorbereitet für ein Café auf Mallorca.

Zuversichtlicher Blick auf die Innenstadt

Dann kam die Chance im nagelneuen Mülheimer Medienhaus. „Ich war anfangs skeptisch, es war eine große Baustelle“, ist Appenzeller heute aber glücklich, den Schritt gewagt zu haben. Auch wenn manches nicht optimal ist: die Sanierung und damit vorübergehende Schließung des Kunstmuseums etwa, oder die Baustellen-Situation rund um den Hajek-Brunnen. Auch entstehen hin und wieder Konflikte mit Geflüchteten, die dort offenbar picknicken, Außenstühle und Tische des Cafés benutzen. Diese Entwicklungen führen dazu, dass weniger Besucher kommen. „Ich kann aber die Lage von Geflüchteten verstehen: Sie wissen oft nicht, wo sie sich in der Freizeit aufhalten können.“

Appenzeller bricht dennoch eine Lanze für die City: „Es gibt positive Entwicklungen an der Wallstraße – und wo ist eine Stadt so nah am Wasser“, findet sie auch Ruhrbania und das neue Stadtquartier gut. Es brauche jetzt noch eine gute Verbindung von unten nach oben.

KIM und Freitagsreihe bereichern die City

Das Café hat selbst viel dazu beigetragen, dass Leben in die Innenstadt kommt: Die Reihe „Kultur in Mülheim“ (KIM) ist seit Jahren ein gut besuchter Dauerbrenner. Die im vergangenen Jahr angefangene Konzert-Reihe „freitags im Rick’s“ mit Tom Hemmelmann läuft ordentlich. Die Wein-Verkostungen mit ausgesuchten Tröpfchen werden ebenso geschätzt. Marion Appenzeller will sich darauf nicht ausruhen und hat verschiedene Pfeile noch im Köcher.

Wie geht es also in Zukunft weiter? Tochter Conny, die heute schon mitarbeitet, würde das Café gerne übernehmen, wenn Marion und Hermann Appenzeller irgendwann in den Ruhestand gehen. Selbst gemachten Kuchen, Mittagstisch und Veranstaltungen wird es aber weiterhin geben. Den Jubiläums-Freitag aber will Rick’s Café erst einmal kräftig feiern: „Wir wollen zeigen, dass wir mit der Stadtbibliothek ein Haus sind.“ So hofft Appenzeller, dass die Besucher viel zwischen den verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen im Medienhaus pendeln.

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