Porträt

Mülheimerin schreibt ein Buch über Straßenkinder in Ghana

Die Mülheimerin Astrid Eßer hat ein Buch mit vielen Fotos aus einer Schule in Accra (Ghana) geschrieben. Es erscheint in der kommenden Woche. Ein Probeexemplar hält sie in der Hand.

Die Mülheimerin Astrid Eßer hat ein Buch mit vielen Fotos aus einer Schule in Accra (Ghana) geschrieben. Es erscheint in der kommenden Woche. Ein Probeexemplar hält sie in der Hand.

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Die Mülheimerin Astrid Eßer hat ein Buch über eine Schule für Straßenkinder in Ghana geschrieben. Mit dem Erlös will sie das Projekt fördern.

In Jamestown, einem Brennpunkt-Stadtteil von Accra (Ghana), leben die Ärmsten der Armen – vor allem auch viele Straßenkinder. Die Universal Wonderful Street Academy ist für einige von ihnen zu einem echten Zuhause geworden.

Die Mülheimerin Astrid Eßer hat die private, nur mit Spenden finanzierte Schule im April 2019 besucht und den Alltag der Schüler drei Wochen lang miterlebt. „Bewegende, erschütternde und beglückende Eindrücke“ hat sie nach Hause mitgenommen – und den Wunsch, ein Kinderbuch über das Schulleben zu schreiben.

In Jamestown leben die Ärmsten der Armen

Wie es zu der Ghana-Reise überhaupt kam? Astrid Eßer schmunzelt. „Im Jahr zuvor hatte ich an einem Trommelkurs hier in Mülheim teilgenommen. Der ghanaische Trommellehrer Louis Wonder erzählte mir von der Schule, die er selber vor fast zehn Jahren gegründet hat und die er auch leitet. Ich fand das Projekt so beeindruckend, dass ich es mir unbedingt mal ansehen wollte“, erzählt sie. Der Rektor, der immer mal wieder durch Deutschland tourt und mit Konzerten und Workshops Geld quasi zusammentrommelt, lud sie zu einem Besuch in Jamestown ein.

„Louis Wonder war selber ein armes Kind, ihm liegt viel daran, diesen Kindern so etwas wie eine Heimat zu geben. Denn sie stammen aus erbärmlichen Verhältnissen, sind für ihre Eltern oft nichts wert. In der Schule erhalten sie kostenlos Unterricht, Schulmaterial, zwei warme Mahlzeiten am Tag und medizinische Versorgung“, berichtet Astrid Eßer, selbst Pädagogin.

150 Schüler hat die Academy zur Zeit, die Klassen sind groß, die Ausstattung einfach. „Diese Kinder sind oft entwicklungsgestört und verhaltensauffällig, aber sehr sehr wissbegierig und dankbar für jede kleinste Zuwendung, die sie bekommen“, hat die Deutsche erfahren.

Die Kinder sind sehr wissbegierig und dankbar

Drei feucht-heiße Wochen lang war sie im Unterricht dabei, machte Fotos, spielte und lernte mit den Schülern. „Ich wollte die Atmosphäre in der Schule und im Stadtteil hautnah erleben“, sagt sie. Die Armut, der Müll – vieles war für sie ein Schock. Beeindruckt habe sie dagegen, dass viele Kinder der Schule sogar den Wechsel zur Junior Highschool schaffen und weiterbegleitet werden.

Das alles wird durch Spenden und auch Patenschaften möglich, von denen man noch viel mehr gebrauchen können. „Louis verfolgt gerade ein weiteres Ziel. Er und seine Mitstreiter wollen ein Internat bauen – zum Schutz von jugendlichen Mädchen, die häufig Opfer von sexuellen Übergriffen durch einheimische Männer und Touristen werden“, so Eßer.

Weitere Paten für das Projekt gesucht

Ihr Buch „Akwaaba!“ umfasst selbst gemachte Fotografien und Texte. Das Konzept: Zwei Schulkinder führen den Leser durch Jamestown und die Wonderful Street Academy. Sie zeigen, wie ein Tag in der Schule verläuft, stellen die einzelnen Klassen und die Lehrer vor. Viele weitere Lebensbereiche der ghanaischen Schüler sind dokumentiert:

Es geht um das Essen, die Wasserausgabe, das Spielen und Feiern oder auch um die Gebetsstunden, die Verschmutzung des Meeres und die „Community Walks“. „Der Rektor und die Lehrer machen regelmäßig einen Rundgang durch den Stadtteil, suchen die Eltern der Kinder auf, um mit ihnen zu reden“, erläutert die Autorin aus dem Dichterviertel.

Autorin hat ihr neues Buch selbst verlegt

Auch das Layout für ihr Buch hat die Mülheimerin sich selbst ausgedacht und das Cover gestaltet – in den ghanaischen Farben Gelb, Grün und Rot. Sie verlegt das 60-seitige Buch (13,90 Euro) auch selber - 1500 Exemplare in Deutsch und 500 in Englisch sollen kommende Woche herauskommen. Sie sollen in Mülheimer Buchhandlungen oder auch Weltläden verkauft werden – und an Büchereien gegeben werden. Der Erlös geht zum Großteil an die Wonderful Street Academy. „Dieses wundervolle Projekt muss man einfach unterstützen“, sagt Astrid Eßer.

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