Psychische Erkrankungen

Mülheimer Schulprojekt „Verrückt? Na und!“ ist gesichert

Leiterin Nicole Meyer (r.) und Caritas-Kollegin Katja Arens (l.) freuen sich, dass ihr Projekt weiterläuft. Sie stehen dahinter: (v.l.) Patrick Marx und Gudrun Heyder (Bürgerstiftung), Carsten Küpper (Lions Club) sowie Hans-Theo Horn (Caritas).

Leiterin Nicole Meyer (r.) und Caritas-Kollegin Katja Arens (l.) freuen sich, dass ihr Projekt weiterläuft. Sie stehen dahinter: (v.l.) Patrick Marx und Gudrun Heyder (Bürgerstiftung), Carsten Küpper (Lions Club) sowie Hans-Theo Horn (Caritas).

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Bürgerstiftung, Lions Club und Caritas fördern Arbeit zur Prävention psychischer Erkrankungen. Neuntklässler lernen, was im Notfall helfen kann.

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Was hat es auf sich mit psychischen Erkrankungen? Was sind seelische Krisen? Bin ich vielleicht selbst betroffen? Um Jugendliche aufzuklären, ihnen Ängste und Vorurteile zu nehmen sowie Ansprechpartner zu bieten, führt die Caritas Mülheim seit 2015 in allen neunten Klassen der Realschulen ein Präventionsprogramm durch. Provokanter Titel: „Verrückt? Na und!“ Drei Förderern ist es nun zu verdanken, dass das Projekt auch weiterhin vielen Schülern zugutekommen wird. Eine beruhigende Nachricht in Zeiten, in denen die Zahl psychisch kranker Menschen stetig wächst.

Tandems aus Profis und Betroffenen

Die Bürgerstiftung Mülheim, der Förderkreis für ambulante sozialpsychiatrische Dienste des Caritasverbandes sowie der Lions Club Mülheim/Ruhr-Hellweg geben drei Jahre lang alle zwölf Monate je 4000 Euro. So ist das Projekt mittelfristig gesichert. Zwölf Trainerteams hat die Caritas zusammengestellt: Psychologisch geschulte Profis im Tandem mit Menschen, die aus eigener Erfahrung über Depression, bipolare Störung oder anderes sprechen können. Man steige behutsam ins Thema ein, erzählt Projektleiterin Nicole Meyer, wolle zuerst herausfinden, wie die Schüler ticken, was sie beschäftigt, ob sie von seelischen Krisen gehört haben, sie vielleicht aus Familie, Umfeld oder von sich selbst her kennen. Mobbing, Prüfungsstress, Krankheiten, belastete Beziehungen: All das gehört dazu.

In einem zweiten Teil arbeiten die Jugendlichen in Gruppen, müssen sich etwa überlegen, wie eine Pressekonferenz ablaufen könnte, nachdem ein Fußballer seine Depressionen bekannt gemacht hat. Oder ein Theaterstück vorbereiten, das sich um ein Mädchen dreht, das nach dem Unfalltod des Vaters länger in der Psychiatrie war.

Gruppenarbeit zur Vertiefung von Fragestellungen

Zu guter Letzt geht es um die konkrete Geschichte der Betroffenen: „Wir lassen die Schüler raten, wer von den beiden Trainer das wohl ist“, so Meyer. Rund die Hälfte liege daneben. Was ihnen vor allem zeige: Psychische Erkrankungen lassen sich selten von außen erkennen.

Die Betroffenen erzählten „nie nur, wie schlimm alles war, sondern auch, was geholfen hat“. Die Schülern sollen sensibel werden für Warnsignale und Wege kennenlernen, um Krisen zu meistern. Damit sich aus möglicherweise auch pubertätsbedingten, schwierigen Phasen keine handfesten psychischen Probleme entwickeln. Der Präventionsgedanke, so Carsten Küpper, Präsident des Lions Clubs, stehe im Vordergrund: „Wenn es uns gelingt, auch nur ein oder zwei Kindern zu einem besseren Leben zu verhelfen, dann ist das doch schon viel.“

>>Der Verein „Irrsinnig menschlich“ aus Leipzig hat „Verrückt? Na und!“ entwickelt. Zielgruppe sind Schüler zwischen 14 und 25 Jahre sowie Lehrer. 2017 wurden bundesweit 23.000 Schüler erreicht. Geld fürs Projekt steuert auch die Ersatzkasse Barmer bei.

Nähere Informationen gibt es bei Nicole Meyer, 300 08 93 oder auf irrsinnig-menschlich.de.

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