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Funk

Mülheimer Funker sprechen über Kurzwellen mit ganzer Welt

Funker Michael Binder sitzt in der Bastelecke beim DARC Mülheim. Von dort aus können Verbindungen in die ganze Welt hergestellt werden.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Die Funker vom DARC Mülheim können Verbindungen in ferne Länder herstellen. Auch in die Luft und zu den Meeren – im Zweifel auch in Notfällen.

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Ein leises Knistern und Kratzen ist zu hören, als Horst Rosenau am Sendeempfänger dreht. Dann bekommt er eine Frequenz, auf der sich ein Spanier bewegt. „Delta, Lima Zero, Radio United“, spricht Rosenau und wartet auf ein Zeichen. Er ist der Vorsitzende des Deutschen Amateur Radioclubs aus Mülheim, der über Kurzwellen in die ganze Welt senden kann.

Die Funker haben mit ihren technischen Vorrichtungen im DRK-Clubhaus Broich schon so manche Ecken der Welt erreicht, zu denen man nicht so einfach eine Verbindung bekommt. Im Digitalzeitalter geht vieles zwar durch einen Klick auf dem Computer oder Smartphone recht schnell. Doch es gibt eben immer noch Funklöcher oder Regionen, in denen das Netz zusammenstürzt. Oder in der Luft und auf der See. Es sind Amateurfunker, die in solchen Fällen über ihre Sender erreichbar sind. So wie die Mülheimer Ortsgruppe, die sich zweimal in der Woche trifft und neben dem Funken selbst auch Sender bastelt.

Kontakt zum Südpol

Damit haben sie es schon nach Laos, Australien oder auf die Galapagos-Inseln geschafft. Am kuriosesten war eine Verbindung zum Südpol, zur Georg-von-Neumayer-Forschungsstation. Die erreichte Rosenau zufällig und so kam er mit den Forschern ins Gespräch. Wobei es oft nur um die Technik geht und Funker sich gegenseitig ein Feed-Back zur Verbindung geben. „Unser Hobby ist gar nicht kommunikativ ausgelegt“, merkt Funker Heinz Sarrasch an. Dennoch gebe es mal private Gespräche, wenn Funker sich mehrmals erreicht haben. In einem Notfall kann der Funkbetrieb sogar lebensnotwendig werden – oder wenn das Digitalnetz versagen sollte.

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So ein Fall ergab sich für die Mülheimer zufällig in den 1980er-Jahren mal. Sie waren zu Gast bei einer Funkerstation in Oppeln und wollten eigentlich nur ein paar belanglose Signale in die Welt senden. Dann erreichte sie dort plötzlich ein Notruf aus Jugoslawien. „Es ging um ein Mädchen, was dringend Medikamente benötigte. Wir funkten also zurück und versuchten zu helfen. Parallel telefonierten wie schon mit Hilfsorganisationen, die einen Flug vorbereiten wollten“, erzählt Heinz Sarrasch.

Funker verständigen sich auf Englisch

Doch so weit musste es gar nicht kommen, da jemand wusste, wo Medikamente greifbar sein müssten. Für eine Katastrophe oder einen Krieg wären die Funker aber vorbereitet. In Mülheim führen sie keinen Notruffunk durch, die Technik dazu hätten sie aber. Neben den Sendeempfängern auch große Notstromaggregate, ohne die auch kein Funkgerät läuft.

Die Sprache ist übrigens Englisch bei der Verständigung. Einige versuchen es auf Spanisch „und die Franzosen sind auch ein bisschen eigen“, hat Rosenau festgestellt. Und Russen kennen meistens nur zehn englische Wörter, die zur knappen Verständigung reichen.

Funker können überall zuhören

Funker können alle erreichen und auch überall zuhören, was legitim ist im Amateurfunkbereich. Vor vielen Jahren führte dies zu Problemen, es gab vereinzelt Personen die Funken für Mobbing missbrauchten. Ähnlich wie es heute in sozialen Netzwerken geschieht. „Damals haben wir es ignoriert und diese Welle überstanden“, erinnert sich Heinz Sarrasch und überlegt: „Vielleich klappt es auch in den Sozialen Medien.“

Um verschiedene Regionen auf der Welt erreichen zu können, muss die Sonne richtig stehen und die Jahreszeit stimmen. Und der Staat muss das Funken genehmigt haben, was zum Beispiel in Nordkorea nur selten der Fall ist. Dann kommt es auf die Frequenzen an, um auf ein Echo zu treffen. So wie bei Horst Rosenau aus Spanien.

>> Für Notrufe sollten Frequenzen freibleiben

  • Die Funker vom DARC Mülheim nutzen zur Kommunikation Kurzwellen. Langwellen würden in den Weltraum verschwinden, Kurzwellen werden innerhalb der Erde gehalten und ermöglichen die Verbindung.

  • Für Notrufe sind bestimmte Frequenzen vorgesehen, auf denen sich Amateurfunker nicht bewegen sollten.

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